Hickey & Boggs

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Hickey & Boggs
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1972
Darsteller

Bill Cosby, Robert Culp, Rosalind Cash, Carmencristina Moreno, Lou Frizzell

Regie
Robert Culp
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Die Union Station in Los Angeles, Kalifornien: Mary Jane Bower (Carmencristina Moreno) steigt mit einem Handkoffer aus einem Zug. Trotz Regens trägt sie eine Sonnenbrille und versucht von einem Fernsprecher aus jemanden anzurufen, doch sie hat kein Glück und nimmt sich ein Taxi… Es ist ein heißer Sommertag, der Smog hält Los Angeles in einem Schleier drückender Schwüle gefangen. Im Gewächshaus einer Gärtnerei gräbt deren Inhaber (Ron Henriquez) einige Rosenstöcke aus und legt in der darunter liegenden Erde jenen Handkoffer frei, den Mary Jane vor längerer Zeit im Taxi hierher brachte. Der Koffer ist in Plastik eingeschlagen, das er mit einem Messer auftrennt. Als er ihn öffnet, liegen obenauf einige Transportbeutel der Pittsburgh National Bank in Pennsylvania. Darunter finden sich von Banderolen umgürtet viele Stapel großer Dollarnoten, von denen Mary Jane, die hinzugetreten ist, einzelne Tausender in bereits adressierte Briefumschäge steckt… Die Privatdetektive Al Hickey (Bill Cosby) und Frank Boggs (Robert Culp) sitzen am Tresen einer Bar und genießen mit Blick aufs Footballspiel im Fernseher jeweils Bier und Schnaps. Hickey informiert Boggs, dass sie ihre Telefonrechnung nicht bezahlen konnten, und Boggs siniert darüber, wie er sein Haus, darin er mit seiner ex-Frau Edith (Sheila Sullivan) lebte, endlich loswerden könne. Ein Telefonat annehmen, das ginge noch, erklärt Hickey, mehr nicht…

 

Al Hickey: “Nobody came.“ - Frank Boggs: “Nobody cares.“  Im Neo Noir der frühen 70er Jahre lebten die ebenso abgebrühten wie irrsinnig coolen Figuren des Film Noirs der 40er Jahre wieder auf. Waren es seinerzeit Humphrey Bogart, John Garfield, Dick Powell und Alan Ladd, die zum Inbegriff solcher Coolness geworden waren, waren es in der ersten Hälfte 70er Steve McQueen, Gene Hackman, Richard Roundtree, Alain Delon und Lino Ventura, die nichts und niemand zu erschüttern vermochte. Hickey & Boggs ist ein Paradebeispiel für den Rückgriff auf die Tradition des Film Noirs und dessen Neufassung in der durch Vietnamkrieg, Pop-Revolution, Terrorismus und Jugendrevolte erneut in eine Phase des Umbruchs geratene westliche Welt. Seine beiden zentralen Protagonisten, die Privatdetektive Al Hickey und Frank Boggs, vertrauen niemandem außer sich selbst, zu allerletzt Organen des Staates und deren Vertretern mit oder ohne eine Uniform des Los Angeles Police Departments. Die Figuren des Films hausen in einer USA des entgrenzten Sozialdarwinismus‘ - jeder für sich und alle gegen alle, ist das Motto. Komplementär zu Sam Peckinpahs Getaway (USA 1972) oder Don Siegels Der große Coup (USA 1973) finden sich in Robert Culps Hickey & Boggs einzig und allein Interessengruppen, die der Allmacht des Geldes hinterher jagen. Die Polizei unterscheidet sich - wir sind schließlich im Film Noir bzw. im Neo Noir - in ihrem Auftreten von den Gangstern kaum bis gar nicht, vom verbalen Zynismus bis zum Wutausbruch in Anbetracht von Todesopfern, die lediglich als eine Zusatzlast in der Amtsbürokratie begriffen werden. Und wie im klassischen Film Noir ist der Privatdetektiv auch hier ein Mensch ohne Privatleben. Jener allumfassende Würgegriff des Überlebenskampfes verurteilt jeden Versuch, eine Bindung aus Liebe einzugehen oder gar die eigene Familie um sich zu finden, von Anbeginn zum Scheitern.

 

“Robert Culps Inszenierung (…) zeigt ein unglaublich gutes Auge für ausgefallene Bildkompositionen und hat großen Anteil daran, dass der Film nicht nur spannend ist, sondern auch emotional nachhallt“, schreibt Oliver Nöding für Remember It For Later. Er weist explizit darauf hin, dass Culp nach dem kommerziellen Misserfolg von Hickey & Boggs nie wieder Gelegenheit hatte Regie zu führen und dass auf diese Weise ein Talent verloren ging, und er hat vollauf recht damit. Der Neo Noir nach dem überhaupt ersten Drehbuch von Walter Hill (Driver, USA/UK 1978) brachte damals die beiden Stars der TV-Serie Tennisschläger und Kanonen (USA 1965-1966), Robert Culp und Bill Cosby, erneut zusammen. Doch während Cosby sich mit The Bill Cosby Show (USA 1969-1971) in 51 Episoden als Comedy-Star etabliert hatte, konnte Culp nach einigen Hauptrollen in Spielfilmen sein Potential mit Hickey & Boggs und dem desaströsen Flop von A Name For Evil (USA 1973) nicht ausbauen und wechselte bald zu Fernsehproduktionen, von denen kaum die Hälfte je in Deutschland ausgestrahlt wurde. In den Analen der Historie des Film Noirs und des Neo Noirs hat Hickey & Boggs heute einen Ruf als Geheimtipp und dem ist im Grunde kaum etwas hinzuzufügen. Wer nach der Verurteilung Bill Cosbys wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe im September 2018 demgegenüber auf Hickey & Boggs verzichten will, tut dies aus guten Gründen.

 

Eine spanische BD- und auch DVD-Edition (2015) präsentiert unter dem Titel El Rastro de un Suave Perfume den Film ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei. Neben dem englischen Originalton gibt es eine spanische Synchronisation und optional spanische oder portugiesische Untertitel. Die jeweils ebenso spartanische BD und DVD (2014) aus den USA von Kino Lorber hat als Hickey & Boggs einzig den Originalton zu bieten, ist jedoch bild- und tontechnisch ebenfalls zu empfehlen. In Deutschland lief der Film nie im Kino und erschien als Magnum Heat (1988) via Warner Home Video GmbH lediglich einmalig in Form einer VHS-Videokassette.

 


Neo Noir | 1972 | USA | Robert Culp | Walter Hill | Bill Hickman | James Woods | Michael Moriarty | Robert Culp

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