Jo Nesbøs Headhunters

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Hodejegerne
Kategorie
Neo Noir
Land
NOR/SWE/DNK/GER
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau, Eivind Sander, Julie R. Ølgaard

Regie
Morten Tyldum
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Oslo, Norwegen: Der nur 1 Meter 68 große Roger Brown (Aksel Hennie) ist beim Technikkonzern Pathfinder als Personalmitarbeiter angestellt, der für die Rekrutierung hochrangiger Manager zuständig ist - ein Headhunter. Aber der von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Roger führt ein Doppelleben. Um seinen enorm luxuriösen Lebensttil mit Villa und der hochgewachsenen, von ihm über alle Maßen verwöhnten Ehefrau Diana (Synnøve Macody Lund) zu finanzieren, ist er zugleich ein Kunsträuber. Um den Reichtum glaubwürdig erscheinen zu lassen, gibt er sich Diana gegenüber als begüterter Erbe aus. Für die Gemäldediebstähle arbeitet er mit dem bei Tripolis angestellten Ove Kjikerud (Eivind Sander) zusammen. Zum Zeitpunkt eines von Roger begangenen Einbruchs schaltet jener für eine kurze Zeit das elektronische Sicherheitssystem des betreffenden Hauses aus. Bis dato ist es der Polizei unter Kommissar Brede Sperre (Reidar Sørensen) nicht gelungen, dem Wiederholungstäter auf die Spur zu kommen… Aktuell sieht sich Roger, der mit Lotte (Julie R. Ølgaard) ein Verhältnis hat und mit ihr bricht, als sie mit ihm gemeinsam einer Einladung zu folgen hofft, finanziell in der Bredouille. So schenkt er Diana ein kostbares Ohrgehänge und finanziert zeitgleich die von ihr in Eigenregie geleitete Gemäldegalerie. Bei der Eröffnung stellt sie ihm den bis vor kurzem für ein holländisches Konkurrenz-Unternehmen von Pathfinder als deren CEO tätigen Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) vor, einen gutaussehenden ehemaligen Söldner…

 

Dieser dynamische norwegische Neo Noir mit seinen gut gewählten Drehorten, überzeugenden Schauspielern und einer vielversprechenden Dreiecksgeschichte vermochte mich nur innerhalb der ersten 35 Minuten zu überzeugen. Das Doppelleben des als Headhunter angestellten Personalmitarbeiters von Pathfinder, Roger Brown, ist ein schöner Beginn für diesen Film, ungewöhnlich und plausibel in der Darstellung durch Regie und Schauspieler. Schnell hat man den Eindruck, hier einem Thriller jenseits der 08/15-Rezepte aus der Drehbuchschudlade folgen zu dürfen. Die Figuren erscheinen allesamt gebrochen, geben sich indessen die größte Mühe, ihre Zugehgörigkeit zur bildungsbürgerlich eingefärbten Oberschicht der Hauptstadt zu markieren. Roger wohnt mit seiner Frau Diana in einen hochmodernen Luxusvilla, sie ihrerseits eröffnet eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Der charismatische Clas Greve ist als ehemaliger CEO der Konkurrenz in Holland nicht länger darauf angewiesen, überhaupt noch zu arbeiten. So erscheinen die Figuren oberflächlich ebenso gut aussehend und mit Erfolg gesegnet wie zugleich eitel, verwöhnt und betrügerisch. Es dauert nicht lange, bevor das Dreieck der Beziehungen das bis dahin erreichte Gleichgewicht der Lebensentwürfe mit all ihren Lügen und Geheimnissen ins Wanken bringt. Nach dem geichnamigen Erfolgsroman (EA 2008) des norwegischen Krimi-Schriftstellers Jo Nesbø sorgt diese Verfilmung durch den Regisseur Morten Tyldum zum Auftakt für einen gelungen Spannungsaufbau. Doch mit Eintritt ins zweite Drittel gerät nicht bloß die Balance zwischen den Charakteren sondern auch die Handlungsentwicklung mächtig ins Rutschen.

 

“Headhunters is a bit like an Ikea desk assembled with your nondominant arm - sleek and attractive, but likely to fall to pieces if you look at it too hard“, schreibt Rafer Guzman für Newsday und so sehe ich es auch. Mit Beginn des zweiten Drittels dominiert das verzweifelte Bemühen um Originalität in einer Art, dass der aufmerksame Zuschauer sich veräppelt fühlen muss. Letzteres hat seinen Grund vor allem in der zunehmend abstrusen, auf Koinzidenzen beruhenden Handlungsentwicklung, die selbst das notwendige Minimum an Glaubwürdigkeit vollends hinter sich lässt, zugleich dem schwarzen Humor, dank dessen es im Zweifelsfall darauf nicht ankäme, nie genügend Raum zugesteht. Nach einem blutigen Finale ist das Ende purer Kitsch, eine geradewegs spießbürgerliche Variante des Eheglücks, wie sie schlimmer kaum hätte ausfallen können. Mir ist es ein Rätsel, dass so viele Kritiker für dieses Werk Lobeshymnen erdachten, demgegenüber der Mainstream-Erfolg in Anbetracht der Harmlosigkeit des Ganzen nicht weiter verwundert. Jo Nesbøs Headhunters ist bis heute der erfolgreichste Film in der Historie des norwegischen Filmschaffens, ein Papiertiger von einem Neo Noir für ein Publikum, dass sich lieber in der Tradition Quentin Tarantinos an blutgetränktem Aberwitz weidet, vor einem wirklich dunklen Neo Noir aber womöglich zurückschreckt. Gute Schauspieler, eine flotte Daramturgie und eine exzellente Kameraarbeit retten diesen Thriller nicht vor der Mittelmäßigkeit.

 

Bild- und tontechnisch gibt es eine jeweils exzellente deutsche BD und DVD-Edition (2012) der Warner Home Video mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original norwegische Tonspur mit optional deutschen Untertiteln, die der ebenfalls enthaltenen deutschen Synchronisation unbedingt vorzuziehen ist. Als Extras sind ein 20-minütiges Behind The Scenes und der original Kinotrailer enthalten.

 


Neo Noir | 2011 | International | Morten Tyldum | Nikolaj Coster-Waldau

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