Fieberhaft

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Rush
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Jason Patric, Jennifer Jason Leigh, Sam Elliott, Max Perlich, Gregg Allman

Regie
Lili Fini Zanuck
Farbe
Farbe
Laufzeit
120 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Die Kleinstadt Katterly im US-Bundestaat Texas Ende 1974: Der Polizeibeamte Jim Raynor (Jason Patric) ist als Undercover-Agent im Drogenmilieu tätig, um den vermeintlichen Großhändler Will Gaines (Gregg Allman) zu überführen. Doch Gaines, Inhaber eines Nachtclubs und zugleich Zuhälter, hat sich nie eine Blöße gegeben. Er ist schweigsam und einzelgängerisch und vor allem gegenüber Jim misstrauisch. Zu Besuch im Polizeipräsidium informiert Raynors Vorgesetzter Larry Dodd (Sam Elliott) seinen Agenten, dass ihm der neue Polizeichef Donald Nettle (Tony Frank) einen Assistenten zur Seite stellen will, damit sie bei Überführung von Will Gaines als größtem Kokaindealer der Gegend endlich Erfolg hätten. Der erzkonservative und gläubige Nettle sieht in Gaines seinen Erzfeind und will den Erfolg der Untersuchung unbedingt beschleunigen. Auf dem Sportplatz beobachten Dodd und Raynor verschiedene junge Rekruten im Polizeidienst beim Lauftraining. Jim Raynor wettet gegen Dodd, dass die hübsche Kristen Cate (Jennifer Jason Leigh) ihre männlichen Kontrahenten schlägt und behält recht damit. Raynor möchte niemanden als diese junge Frau als Assistentin haben, und Dodd beugt sich seinem Vorschlag. Der erfahrene und abgebrühte Jim Raynor hinterlässt schon beim ersten Treffen einigen Eindruck bei der schüchternen Kristen. Aber auch als Raynor ihr darlegt, auf was sie sich bei einem Einsatz als vermeintliche Junkies in Zukunft werden einstellen müssen, lässt sie sich nicht entmutigen…

 

“Pretty soon you be feeling all unnecessary.” Dieser einstige Flop an den Kinokassen ist heute beliebt für seine exzellenten Darstellerleistungen, vor allem diejenigen Jason Patrics und Jennifer Jason Leighs, und daran gibt es nichts zu rütteln. Auch die Erzählung selbst, basierend auf dem gleichnamigen, autobiographischen Roman Rush (EA 1990) von Kim Wozencraft, die wie ihre Figur Kristen Cate selbst undercover tätig war und für ihre Arbeit mit falschen Beweismitteln ins Gefängnis kam, ist über weite Strecken exzellent. Viele Voraussetzungen für diesen Film hätten kaum besser sein können. Dennoch lässt die Umsetzung insbesondere seitens der Regie zu wünschen übrig. Von Anbeginn verspricht die Dramaturgie mehr, als sie zu halten bereit ist. Dem Aufbau von Spannung folgt beizeiten unvermittelt ein Schnitt und der Zuschauer bleibt ratlos zurück, Nun, der Cineast lässt sich aufgrund der Rollencharaktere davon erstmal nicht irritieren. Auch ist die Ausstattung ist übel. Allerdings verbreiten die Mittsiebziger des Films mitunter eher das Flair der frühen 90er Jahre, doch am Kleidungsstil, den Autos, den Stereoanlagen oder sonstigem Interieur liegt es nicht, eher am Benehmen und dem Miteinander der Figuren. Wer sich Filme à la Cisco Pike (USA 1972) oder Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973) ansieht, wird feststellen, dass die 70er Jahre und deren Jugendkultur dort eine andere Note haben. Auch wem es nicht um historische Genauigkeit geht, - kein Kriterium für zentrale Qualitäten des Werks - wird die Musik Eric Claptons spätestens in der zweiten Hälfte, wo sie fast allgegenwärtig ist, dennoch auf die Nerven gehen. Bluesig aber ohne Blues, atmosphärisch aber wenig originell und eher eine Aneinanderreihung von Standard-Riffs, wird seine Gitarre zum störenden Kleister einer zu lange spannungsarmen, zähen Handlung. Wie wäre das und jenes wohl ohne Geschmacksverstärker, habe ich mich mehr als einmal gefragt.

 

“The movie seems to consist only of drug-induced movie montages awash with music. After a while, that's enough to make you scream for the methadone of the Great Outside”, schrieb Desson Howe für The Washington Post und urteilt etwas zu hart, liegt aber keineswegs falsch. Letzten Endes ist Fieberhaft für den Freund des Neo Noirs der 90er Jahre und Cineasten mit einer Vorliebe für klassische Thriller samt Augenmerk für detaillierte Rollenportraits kein Ärgernis, ganz sicher nicht.  Es ist zugleich er der vielen Fälle, wo eine Produktion das Potential des Ausgangsmaterials und der beteiligten Talente bei weitem nicht ausschöpft, sondern auf halber Strecke im Einerlei stecken bleibt, obgleich sich vereinzelte Kräfte – man nehme nur Jason Patric! – hier richtig ins Zeug legen, um das Maximale herauszuholen. Jennifer Jason Leigh war seinerzeit noch am Beginn einer Filmkarriere, die bis heute andauert. Jason Patric hingegen, obwohl in bemerkenswerten Independent-Filmen exzellent, war in den 90er Jahren noch in lediglich 6 Produktionen zu sehen, die heute großteils vergessen sind. Lili Fini Zanuck dreht nie wieder einen Spielfilm, im Jahr 2017 jedoch eine Dokumentation über Eric Clapton.

 

Erstklassige DVD-Edition (2003) der MGM Home Entertainment (Deutschland) GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, dazu optional Untertitel auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Ungarisch und Griechisch, den original Kinotrailer als Extra.

 


Neo Noir | 1991 | USA | Lili Fini Zanuck | Jason Patric | Sam Elliott | Jennifer Jason Leigh

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