Flic Story – Duell in sechs Runden

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Bewertung
***
Originaltitel
Flic Story
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1975
Darsteller

Alain Delon, Jean-Louis Trintignant, Renato Salvatori, Claudine Auger, Maurice Biraud

Regie
Jacques Deray
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Paris am 3. September 1947: Hätte der Inspektor der Sûreté nationale, Roger Borniche (Alain Delon), schon vorher gewusst, was für eine leidvolle und lange Geschichte für ihn als Polizist an jenem Morgen beginnen sollte, wäre er wohl mit seiner Frau Catherine (Claudine Auger) im Bett geblieben… Als er an diesem Tag das Büro betritt, vernimmt sein unbeherrscht gewattätiger Kollege Lucien Darros (Denis Manuel) soeben den Kneipier Raymond Pelletier (Mario David), der in Gangsterkreisen gut bekannt ist und für ein jüngst begangenes Verbrechen kein Alibi vorweisen kann. Borniche weist Darros und dessen Kollegen Robert Hidoine (Henri Guybet) an, ihn mit Pelletier allein zu lassen. Er stellt dem Ganoven in Aussicht, ihn laufen zu lassen, doch da wird er zu Hauptkommissar Vieuchene (Marco Perrin) abberufen, der ihm mitteilt, dass just heute morgen der gefürchtete Gangster Émile Buisson (Jean-Louis Trintignant) aus dem Gefängnis ausgebrochen sei und man ihn unbedingt vor den Kollegen vom Quai des Orfèvres wieder dingfest machen müsse. Borniche geht in sein Büro zurück, fordert die Akte Buisson an und bietet Raymond Pelletier die sofortige Freilassung an, wenn er ihm jene Informationen, die er an Kommissar Clot vom Quai des Orfèvres übermittle, als erstem mitteile, vor allem solche über Émile Buisson. Raymond, der sich in die Enge getrieben sieht, willigt ein… Indessen ist Jean-Baptiste Buisson (André Pousse) mit seinem Bruder Émile schon auf dem Weg in dessen nächstes Pariser Versteck…

 

“The glacial atmosphere, the attention to minutiae and the moral ambiguity of police and crooks pay homage to classic American film noir and you could easily mistake this for a film by the great Jean-Pierre Merlville”, schreibt James Travers für Le Film Guide. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, und trifft auch nicht zu. Oberflächlich eine Homage an das Kinoschaffen Jean-Pierre Melvilles löst der Film die damit verbundenen Versprechen nicht ansatzweise ein. Nach Réne Cléments Nur die Sonne war Zeuge (FRA/ITA 1960) war Jean-Pierre Melvilles Neo Noir Der eiskalte Engel (FRA/ITA 1967) für Alain Delon ein Schlüsselfilm seiner Karriere. Mit Vier im roten Kreis (FRA/ITA 1970) und Der Chef (FRA/ITA 1972) folgten für ihn weitere Hauptrollen unter der Regie jenes Meisters französischen Film Noirs. Dem drei Jahre später von Jacques Deray inszenierten und von Alain Delon produzierten Flic Story – Duell in sechs Runden fehlt die wichtigste Zutat der genannten Großtaten – der 1973 mit 55 Jahren verstorbene Jean-Pierre Melville selbst. In zwei Fällen habe ich sogar Drehorte wiedererkannt, die Melville in seinen Filmen nutzte, etwa die Eisenbahnbrücken im Vorspann von Der Teufel mit der weißen Weste (FRA/ITA 1962), die Serge Reggianis langen Weg zum Tatort so grandios bebildern. Doch Jacques Derays Bemühen um eine nüchtern triste, semi-dokumentarische Verfilmung des autobiografischen Buchs Duell in sechs Runden (EA 1973) von Roger Borniche mündet in eine fade, von der eigenen handwerklichen Routine zum Mittelmaß verurteilte Berichterstattung. Konträr zu Werken Melvilles fehlt fast jegliche Handschrift einer Inszenierung; im Mittelteil plätschert die Handlung müde vor sich hin. Und trotz Verkörperung durch zwei Filmstars erweisen sich die zentralen Widersacher, Inspektor Roger Borniche und Gangster Emile Buisson, nur begrenzt glaubwürdig. Alain Delon vermag seine Figur in Anbetracht der Verhältnisse nicht mit der geforderten Komplexität zu spielen – seine Ehe, sein Verhältnis zu Kollegen und zum Chef, seine Misserfolge, all das scheint ihn kaum zu berühren. Jean-Louis Trintignant zeigt mitunter Klasse, dennoch erweist sich auch sein Emile Buisson über eine Strecke von 107 Minuten als äußerst monoton.

 

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© Universum Film GmbH

“Erst in den letzten 15 Minuten hat man den Eindruck, Deray erwache aus der inszenatorischen Lethargie“, bringt es Oliver Nöding für seinen Blogg Remember It For Later auf den Punkt. Doch das passable Finale reißt es auch nicht mehr heraus. Im Gegensatz zu Lino Ventura setzten Alain Delon und Jean-Paul Belmondo in jenen 70er Jahren kaum nochmals einen Akzent. Von den drei bis fünf Filmen, die Delon in jener Zeit pro Jahr ablieferte, war das meiste Routine – mal als Polizist, mal als Gangster, fast immer in irgendeinem Actionthriller. Wenig später verfilmte Jacques Deray mit Alain Delon auch das dritte Buch (EA 1975) Roger Borniches – in Deutschland als Elf Uhr Nachts, Titel des gleichnamigen Films von Jean-Luc Godard veröffentlicht - unter dem Namen Die Gang (ITA/FRA 1977) und Delon schlüpfte wieder in die Kostüme und die Kulissen Frankreichs in den 40er Jahren. Dass der Film noch weniger in Erinnerung blieb als Flic Story – Duell in sechs Runden, hat seinen Grund, denn er bezeugt nur den weiteren Abstieg ins lukrative Einerlei von Produktionen nach Schema F.

 

Solide DVD-Ausgabe (2009) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film bild- und tontechnisch gut, obgleich dessen Farbwerte ausgebleicht und teils etwas rotstichig wirken, ungekürzt im Originalformat mit dem französichen Ton und einer deutschen Tonspur, optional deutsche oder französische Untertitel, ohne Extras.

 


Neo Noir | 1975 | France | Jacques Deray | Alain Delon | Jean-Louis Trintignant | Paul Crauchet

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