Unterwelt

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Bewertung
*****
Originaltitel
Underworld
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1927
Darsteller

Clive Brook, Evelyn Brent, George Bancroft, Fred Kohler, Helen Lynch

Regie
Josef von Sternberg
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Es ist zwei Uhr nachts in der Großstadt, die Straßen liegen verlassen. Ein Auto steht mit Fahrer am Straßenrand und ein betrunkener Stadtstreicher (Clive Brook) wankt um die Ecke. als plötzlich eine Explosion in einem Bankgebäude die Glasscheiben auf den Gehsteig splittern lässt. Mit einer Kiste unterm Arm erscheint der Gangster Bull Weed (George Bancroft) auf der Schwelle, der unversehens jenem Säufer gegenübersteht, der ihn trotz seines Zustands sofort erkennt und anspricht. Bull Weed zögert keine Sekunde, schnappt sich den Kerl und zerrt ihn ins bereitstehende Auto, das sofort davonrast. Herbei eilende Polizisten feuern erfolglos hinterher und andernorts rücken Polizeiwagen aus, die Telefone der Behörde laufen heiß… In seinem Unterschlupf weckt Bull Weeds den inzwischen bewusstlosen Stadtstreicher und gibt ihm aus einem Flachmann etwas zu triunken. Als er ihn anranzt, dass genau der Alkohol so traurige Penner und Veräter produziere, erwider der Angesporochene, dass er sicher heruntergekommen aber keinesfalls ein Verräter, vielmehr ein Rolls Royce des Schweigens sei. Das gefällt Bull Weeds, er nennt den Kerl fortan “Rolls Royce“ und gibt ihm eine Chance sich zu bewähren. Im Dreamland Café findet “Rolls Royce“ eine Anstellung als Putzkraft, als eines Abends Feathers McCoy (Evelyn Brent) hereinkommt, gefolgt von Bull Weeds, ihrem Freund. Als sich Feathers zu ihrem Tisch bewegt, ignoriert sie den Gruß Buck Mulligans (Fred Kohler), Bull Weeds ärgstem Widersacher, der sich darüber ärgert…
 

 

“A great city in the dead of night… streets lonely, moon-flooded… buildings empty as the cliff-dwellings of a forgotten age“, lautet die Einleitung zu Paramount Pictures’ Stummfilm Unterwelt. Der lief seinerzeit auch in den Lichtspieltheatern der Weimarer Republik und darf mit Fug und Recht als einer der wegweisendsten Krimnalfilme seiner Zeit gesehen werden. Seit 1908 lebte Josef von Sternbergs aus Österreich stammende Familie in New York. Der Sohn begann seine Karriere als Regisseur in Hollywood im Jahr 1925 und legte mit Unterwelt sein drittes Werk vor, für das er voll verantwortlich war, und es bescherte ihm den Durchbruch. Zuvor war der schnell als despotisch berüchtigte Regisseur aus mehreren Projekten rausgeflogen. Das vielschichtige Drama Unterwelt zeigte im Verbund mit einer Riege exzellenter Darsteller und der Kameraarbeit Bert Glennons, was wirklich in ihm steckte. Bemerkenswert im Unterschied zu schon bald folgenden Werken wie z.B. Lewis Milestones The Racket (USA 1928) ist die Tatsache, dass die Erzählung aus der Feder Ben Hechts der Polizei und sonstigen Institutionen des Rechts nur eine untergeordnete Rolle einräumt. Unterwelt spielt gemäß seinem Titel in der Gegenwelt der bürgerlichen Sphäre, in den faszinierenden Lebensräumen der Gangster und ihrer Frauen und Handlanger. Der Zuschauer sieht, wie es nach archaischen Prinzipien zugeht, so dass der jeweils Stärkere sich mit allen zu Gebot stehenden Mitteln amaßt, die offensichtlich Schwächeren zu begherrschen. Das erzeugt nicht nur Rivaslität, Intrige und Betrug, sondern nötigt auch dazu, sich andernorts der Loyalität zu versichern. Zugleich ist die Gegenwelt in Sternbergs Film ein Ort, darin auch moralische Prinzipien unerwartet zu ihrem Recht finden und in ihrem Humus sogar das Gewächs der Toleranz gedeihen kann.

 

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“The first full-fledged gangster movie and still an effective mood piece, this 1927 milestone was directed by the master of delirious melodrama, Josef von Sternberg”, fasst David Kehr in seiner Besprechung für den Chicago Reader zusammen. Das ist mit Blick auf die Gangsterdramen des Tonfilms, die ab 1931 im US-amerikanischen Kino eine prominente Rolle einnmehmen sollte, mit Sicherheit richtig. Mit The Public Enemy (USA 1931) und Der kleine Cäsar (USA 1931) sorgten in dem Jahr zwei Werke für Furore und setzten ein starkes Signal für die weitere Entwicklung des Kriminalfilms. Vier Jahre zuvor bewegte sich Josef von Sternberg aber im Fahrwasser des deutschen Expressionismus’, der in herausragenden Krimaldramen wie Fritz Langs Dr. Mabuse - Der Spieler (GER 1922) oder Karl Grunes Die Straße (GER 1923) seinen Niederschlag gefunden hatte. Nach dem Erfolg von Unterwelt wurden George Bancroft, Evelyn Brent und Fred Kohler sogleich für einen nächsten Kriminalfilm der Paramonut Pictures verpflichtet und drehten mit Josef von Sternberg als Regisseur Polizei / Razzia (USA 1928), im Original The Drag Net. Dieses Werk gilt wie so viele Stummfilme bis heute als verschollen, obgleich es seinerzeit mit Erfolg weltweit zur Aufführung kam. George Bancroft drehte noch im gleichen Jahr mit Sternberg den für den Film Noir ebenfalls eingflussreichen Die Docks von New-York (USA 1928). Ben Hecht (u.a. Drehbuchautor von Der Todeskuss, USA 1947) sollte später auch im Film Noir eine Rolle spielen, Bert Glennon (Ohne Erbarmen, USA 1948) blieb bis Mitte der 60er Jahre als Kameramann aktiv, und Sternberg, in den 30er Jahren für seine Arbeiten mit Marlene Dietrich berühmt, steuerte mit Macao (USA 1952) noch einen klassischen Film Noir bei, der seine dann auf Grund gelaufene Karriere nahezu beendete.

 

Im August 2010 brachte die Criterion Collection, USA, die 3DVD-Box Three Silent Classics by Josef von Sternberg auf denMarkt, darin Unterwelt als frühester Film enthalten ist, zudem Das letzte Kommando (1928) und Die Docks von New-York (1928). Die bildtechnische Restauration ist großartig, die musikalische Untermalung durch Robert Israel ungemein gelungen, die Filme liegen im Originalformat und (soweit möglich) ungekürzt vor, dazu gibt es wertvolle Extras auf den DVDs selbst und ein 68seitiges Booklet mit filmhistorischen Essays. In Europa erschien die gleiche Zusammenstellung beim spanischen Herrsteller Solto Voce ebenfalls als 3DVD-Box (2012), die um ein vielfaches billiger und technisch qualitativ gleichwertig ist. Sie enthält ein immerhin 23seitiges Booklet im schön aufgemachten Digipack, bietet die original englischen Schrifttafeln sowie wahlweise spanische oder französische Untertitel, jedoch keine Extras auf den DVDs selbst. Unterwelt ist auf beiden Editionen in einer 81minütigen Fassung enthalten, demgegenüber Online-Quellen die Spielzeit mit 87 Minuten (“Director’s Cut“) oder sogar 105 Minuten angeben.

 


Pre Noir | 1927 | USA | Josef von Sternberg | Bert Glennon | George Bancroft | Evelyn Brent

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