Leben nach dem Tod in Denver, Das

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Bewertung
***
Originaltitel
Things To Do In Denver When You’re Dead
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1995
Darsteller

Andy Garcia, Christopher Lloyd, William Forsythe, Bill Nunn, Treat Williams

Regie
Gary Fleder
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Denver, Colorado: Auf einem Schulhof macht sich Bernard (Michael Nicolosi) an ein zehnjähriges Mädchen heran und wird von Sicherheitskräften überwältigt… Firmeninhaber Jimmy Tosnia (Andy Garcia) fährt ein schickes Cabriolet und trägt gern teure Anzüge; er hat einen exklusiven Geschmack und einen entsprechenden Lebensstil. In der Stadt kennt man ihn als “Jimmy the Saint“. Als er sich auf dem Weg in die Stadt einen Milkshake holt, erzählt ihm sein alter Freund, Joe Heff (Jack Warden) kurz von dem Zwischenfall in der Schule, schon ist Jimmy wieder aus der Tür. Jimmys Geschäft besteht darin, Botschaften sterbenskranker Menschen an ihre Angehörigen auf Video aufzuzeichnen, so dass sie nach ihrem Tod jenen zugute kommen. Leider läuft es in letzter Zeit alles andere als gut. Jimmys Assistent Randall Cuffland (William Garson) versucht vergebens, ihn zur Happy Hour im Club Silver Naked  Lady, wo Buddy Guy mit der Hausband spielt, daran zu erinnern, dass der Händler ihrer Videotechnik wegen ausstehender Raten droht, das Equipment zu beschlagnahmen. Aber Jimmy the Saint hat Dagney (Gabrielle Anwar) erspäht, die auch auf ihn aufmerksam wurde. Also macht er sich selbst mit ihr bekannt und fragt geradewegs, ob sie zurzeit verliebt sei oder ob es sich lohne, dass er sich mit ihr unterhalte. Dagney ist ebenso amüsiert wie verwirrt, doch Jimmys Tour führt immerhin dazu, dass sie ihm ihre Telefonnummer auf die Hand schreibt und eine Einladung zum Abendessen nicht ablehnt. Draußen vor dem Club erwarten ihn Gus (Don Stark) und Ellie (Harris Laskawy), zwei Kerle aus Jimmys Tagen als Krimineller…
 
“It's funny, Jimmy, life has a way of flying by faster than any old summer vacation really fucking does.” Ja, es gibt eine Reihe guter Einzeiler hier, die von einer Reihe schräger Vögel zwischen ihren Zähnen hervorgestoßen werden. Gary Fleder zeigt, dass er ein versierter Regisseur ist, Scott Rosenberg liefert ein ambitioniertes Skript, der Großteil der Darsteller ist solide bis exzellent, die musikalische Untermalung kommt von Johnny Cash, Tom Waits, Jimmy Reed, Buddy Guy, Warren Zevon, usw.. Die beste Nachricht aber ist: Mit Quentin Tarantino, welcher im Fall dieses Neo Noirs, der im Jahr nach Pulp Fiction (USA 1994) in die Kinos kam, dutzendfach zum Vergleich herangezogen wurde, hat der Film trotz einiger Parallelen zu Reservoir Dogs (USA 1992) nicht allzuviel zu tun. Das meiste ist von anderer Art und von einiger Qualität. Das Problem seiner Geschichte ist, dass die teils wunderbar zum Leuchten gebrachten Einzelbausteine kein Ganzes ergeben. Vielmehr dümpelt dieses Ganze, was zuviel auf einmal will und bei weitem zu zerfasert bleibt, um sich nach einer langen Einführung der Charaktere endlich auf eine knackige Dramaturgie zu fokussieren, mit dem Abspann tatsächlich im Fahrwasser jener mit einer Überlast an Ironie und Sarkasmus zum Sinken gebrachter Quentin-Tarantino-Kopien mit ihren Comicbuch-Charakteren, die für jene Neunziger so signifikant waren. Was sind die Gründe hierfür?
 
 
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© Studiocanal GmbH
 
“In Gary Fleder’s exceptionally dark, dangerous and disturbing 1995 film noir, Andy Garcia enjoys and really relishes a showy role”, schreibt Derek Winnert in seinem Blog nicht zu Unrecht. Aber die Figuren sind entweder überzeichnet - Roger Ebert stellte fest, dass Christopher Walken nach seinem Man with the Plan wohl nicht mehr wisse, was er überhaupt tun könne, um sich selbst zu parodieren – oder nicht konturiert genug. Jimmy the Saint wird von Andy Garcias kompetent gespielt und bleibt doch zu blass und unglaubwürdig in seiner Anlage als Gangster mit Herz und Hang zu bürgerlichen Statussymbolen, der selbstverständlich seine Freunde aus alten Tagen nie hängen lässt. Das Konzept Raue-Schale-weicher-Kern war schon Mitte der Neunziger verschlissen. Es wird hier für die allzu genretypischen Weirdos gleich im Dutzend aufgewärmt, mit Steve Buscemis Mister Shhhh und Marshall Bells Lieutenant Atwater neben Christopher Walken als klassischen und (trotz ihrer hysterischen Freak-Typologie) leider auch altbackenen Fieslingen. Nicht nur die Kameraarbeit Elliot Davis’ (Out Of Sight, USA 1998)  zeigt an das Potential des Films, auch Christopher Lloyds, Jack Wardens und Treat Williams’ Schauspiel ist für Cineasten ein Genuss. Aber mehr bleibt nicht übrig. In letzter Konsequenz soll der eingangs leichtfüßige, zuletzt harte Neo Noir den Zuschauer emotional berühren. Das wird im Finale mehr als deutlich. Genau dieses vermögen seine Schnittmusterbogen-Charaktere jedoch nicht, so heldenhaft sie auch drapiert werden. Sie lassen einen eher kalt, was meinerseits für den Film gilt.
 
Erstklassige deutsche DVD-Edition (2006) der Studiocanal GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch und Englisch, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1995 | USA | Gary Fleder | Andy Garcia | Bill Nunn | Christopher Lloyd | Christopher Walken | Don Cheadle | Jack Warden | Steve Buscemi | Treat Williams

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