D.O.A. – Bei Ankunft Mord

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Bewertung
**
Originaltitel
D.O.A.
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1988
Darsteller

Dennis Quaid, Meg Ryan, Charlotte Rampling, Daniel Stern, Jane Kaczmarek

Regie
Rocky Morton, Annabel Jankel
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Austin, Texas: In einer verregneten Nacht schleppt sich der College-Profossor Dexter Cornell (Dennis Quaid) aufs Polizeipräsidium und erklärt Detective Ulmer (Brion James) und Detective Brockton (Jack Kehoe), dass man niemanden als ihn ermordet habe. Nun wolle er zu Protokoll geben, was in den letzten Tagen bereits sechs Todesopfer forderte… Während einer Vorlesung hatte der Professor noch mit seinem talentierten Studenten Nick Lang (Robert Knepper) über William Shakespeare geflachst - mit Nick Lang, der ihm auch das Manuskript seines ersten Romans zur Lektüre gegeben hatte. Doch Professor Cornell hat es noch immer nicht gelesen. Noch vor einigen Jahren war er selbst ein erfolgreicher Romanschriftsteller. Aber nachdem sein viertes Buch gefloppt ist, hat er aus Angst zu versagen das Schreiben aufgegeben und widmet sich nur mehr seiner Professur. Heute lässt sich die Studentin Sydney Fuller (Meg Ryan) sein Buch Blanking Out von ihm signieren, bevor Dexter Cornell auf dem Herrenklo Hal Petersham (Daniel Stern) trifft, dessen Ernennung zum Vollzeitprofessor er in der Fakultätsratssitzung befürwortete. Im Büro erwartet Cornell pünktlich zur anstehenden Weihnachtsfeier der Anruf seiner Frau Gail (Jane Kaczmarek), die ihn zur Unterzeichnung der Scheidungspapiere nach Hause bittet. Cornell liebt seine Frau immer noch, mit der er seit ihren Tagen als Studenten auf dem Campus liiert war. Er hat ihr sogar ein Weihnachtsgeschenk besorgt. Ein zweiter, aufgezeichneter Anruf ist von Nick Lang. Doch ihn hört Cornell nicht vollständig ab. Er nimmt sich just dessen Romanskript vor, als plötzlich etwas Unerwartetes eintritt…
 
Auf meiner deutschen DVD-Ausgabe von Buena Vista Home Entertainment ist zu lesen, der Film sei ein Remake von Alfred Hitchcocks Bei Anruf Mord (USA 1954), mit dem er rein gar nichts zu tun hat. Tatsächlich basiert er auf Rudolf Matés Opfer der Unterwelt (USA 1950)  - im Original ebenfalls D.O.A. = abgekürzt für “Dead On Arrival“ – und ist nach Eddie Davis’ Der leuchtende Tod (USA 1969) das zweite Remake jenes Film-Noir-Klassikers nach einer Erzählung und einem Drehbuch von Clarence Greene und Russell Rouse (Pantherkatze, USA 1955). Für die Neufassung von 1988 hat Charles Edward Pogue (Psycho III, USA 1986) die Geschichte so umgeschrieben, dass der Originaltitel kaum mehr Sinn ergibt. Dass Dennis Quaid in jenem Intro, das seiner Rückblende vorangeht, gegenüber den Polizisten wörtlich die Zeile “Dead on arrival.“ zum Besten gibt, ohne dass er – wie Edmond O’Brien im Original – eine Reise antrat, reduziert die Bedeutung des Filmtitels konträr zum Original auf den herkömmlichen Sprachgebrauch. Gänzlich absurd ist die Tatsache, dass ein Marketingtexter Bei Anruf Mord und Bei Ankunft Mord - völlig sinnfreier Zweittitel dieses Remakes und eben nicht der des Originals von 1950 - in einen Topf wirft und es der Text trotzdem aufs DVD-Cover bringt.
 
Solcher Dilettantismus im Umgang mit einem Filmklassiker verdeutlicht, woran es hier fehlt, an Substanz und Logik nämlich. Rocky Morton und Annabel Jankel waren Werbefilmer, die den TV-Charakter Max Headroom (UK 1985) geschaffen hatten. D.O.A. - Bei Ankunft Mord war ihr erster (und vorletzter) Kinofilm, darin vor allem die Kameraarbeit des Russen Yuri Neyman in Schwarzweiß und in Farbe einige der Perspektiven und Lichtszenarien klassischen Film-Noir-Kinos zitiert. Und das ist das Beste, was sich über den Film sagen lässt. Die Rollennamen von Detective Ulmer, Sydney Fuller, Dexter Cornell, Nick Lang, die wiederum Edgar J. Ulmer, Samuel Fuller, Cornell  Woolrich und Fritz Lang Referenz erweisen, sind hohles Geläut. Pogues Skript wird in Bearbeitung des Originals immer lächerlicher, durchsetzt von zeittypischen, unmotivierten Action-Sequenzen, und es kulminiert in einem Finale, welches bestenfalls unfreiwillig komisch genannt werden kann. Das Schauspiel Dennis Quaids und Jane Kaczmareks ist solide; dasjenige Meg Ryans, Brion James’ und Robin Johnsons rangiert auf dem Niveau von Laiendarstellern einer Videoproduktion. Klischeehafte Liebesbeziehungen, aufdringliche und selten gelungene Dialoge, - “This is life. Here, now. Take it or leave it.“ - sowie eine grauenhaft antiquierte Rockmusik als dramaturgischer Geschmacksverstärker lassen den Film in der zweiten Hälfte ganz auf Grund laufen. Warum Roger Ebert sein “Two Thumbs Up“ sehen ließ, ist mir ein Rätsel. D.O.A. - Bei Ankunft Mord ist ein Tiefpunkt in der Historie des Neo Noirs und er zeigt, warum es alles andere als leicht ist, sich ans Remake eines Klassikers heran zu wagen.
 
Technisch gute DVD-Ausgabe (2002) der Buena Vista Home Entewrtainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Englisch, Deutsch und Italienisch, optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und das Ganze ohne Extras.
 

Neo Noir | 1988 | USA | Annabel Jankel | Rocky Morton | Brion James | Dennis Quaid | John Hawkes | Charlotte Rampling | Meg Ryan

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