Pantherkatze

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Bewertung
****
Originaltitel
New York Confidential
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Broderick Crawford, Richard Conte, Marilyn Maxwell, Anne Bancroft, J. Carrol Naish

Regie
Russell Rouse
Farbe
s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Warner Bros.
 
Das organisierte Verbrechen ist eine Schattenwelt, aber die der Polizei als das Syndikat bekannte Form einer geheimen Wirtschaftsmacht hat in den USA auch Spitzen von Politik und Finanzwelt fest im Griff. Der italienischstämmige Mobster Charlie Lupo (Broderick Crawford) und seine rechte Hand Ben Dagajanian (J. Carrol Naish) verwalten die Metropole New York. Doch als deren Pete Andrados (Ted Hecht) aus persönlicher Rache einen Rivalen (Frank Richards) auf offener Straße ermorden lässt und dabei zwei Passanten in Mitleidenschaft gezogen werden, hat Lupo ein Problem mehr am Hals. So beschließt er, sich mit seiner Mutter (Celia Lovsky) für eine Woche nach Florida zu begeben, bis sich die Aufregung um den Syndikatsmord gelegt hat. Doch ohne Lupos eigene Konsequenzen abzuwarten, sendet das Syndikat den Auftragskiller Nick Magellan (Richard Conte) aus Chicago an den Hudson, um das Problem vor Ort zu lösen. Das schmeckt vor allem Lupos eigenem Mann fürs Grobe, Arnie Wendler (Mike Mazurki), absolut nicht, aber genau wie Charlie Lupo muss auch er jeden Beschluss des Syndikats akzeptieren. Der aalglatte und elegante Magellan macht aus seiner Abneigung gegen Wendler keinen Hehl und will den Auftrag mit Whitey (William “Bill“ Phillips) allein durchführen. So setzt er sich eines Nachmittags ins Village Barrell House, Pete Andrados’ bevorzugte Bar für seine Geschäfte, bis er als einziger Gast die Aufmerksamkeit von dessen Handlangern erregt…
 
“If you like noir and you haven’t seen New York Confidential, check it out – you only owe it to yourself”, schreibt Karen Burroughs Hannsberry für ihren eigenen Blog Shadows and Satin. Das ist ein Statement für den Film-Noir-Freund und als ein solches ist es triftig. Man muss diesem Film aber nicht 4 Sterne anheften, wie ich es tue, und man muss ihm kein Empfehlungsschreiben mit auf den Weg geben. Dafür gibt es im Skript des im Film Noir heimischen Autorenduos Clarence Greene und Russell Rouse (Opfer der Unterwelt, USA 1950) einfach zu viele Schwächen mit Blick auf dessen Dramaturgie, was sich im Film in irritierenden Schnittfolgen niederschlägt. Es ist auffallend, dass die beiden gerade auch die geschäftliche Vorgehensweise des Syndikats porträtieren wollen, was ihnen teils gut gelingt. Aber wie in der Entwicklung auf der Beziehungsebene, wo vor allem Magellans Verhältnis zu Charlie Lupo und zu dessen Tochter Katherine (Anne Bancroft) im Vordergrund steht, werden die Dinge zu hastig in Anschlag gebracht. Ein Treffen mit Senatoren in Washington nimmt keine 2 Minuten in Anspruch und schon trägt Lupo seine Koffer wieder in die New Yorker Villa. Nick Magellan führt Kathy zum Essen aus, aber wir sehen sie beim After-Dinner-Drink und dann beim Abschied auf der Treppe vor ihrem Apartmenthaus. Der Film ist mit 88 Minuten zu kurz und in vielen Szenen zu hektisch für die Ebenen, die berücksichtigt werden wollen. Zudem kommt das Wichtige zum Hintergrund vom Erzähler (Ralph Clanton) aus dem Off. Die Geschichte hätte durchaus mehr Raum für die sorgfältige Entfaltung der Charaktere geboten, die zugunsten eines ganzen Arsenals an Gangstern, Politikern, Anwälten und anderen Nutznießern zurücktritt.
 
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© VCI Entertainment
 
“You see this? 200 bucks. And this, custom-made. 25 bucks. That’s what’s important. Doesn’t matter how you get it as long as you’ve got it.” Das Besondere an Pantherkatze ist nicht, das er als Warner-Brothers-Film der Fünfziger die Gangsterfilme der Dreißiger in Erinnerung ruft, von Der kleine Cäsar (USA 1931) bis zu Die wilden Zwanziger (USA 1939), insofern er ihre Konventionen und Charaktere zurück auf die Leinwand bringt. Das Besondere ist, dass er ein Psychogramm der USA in jenen Fünfzigern liefert, das die sonst für die McCarthy-Ära so typische Spaltung der gesellschaftlichen Klassen in die gesetzestreuen Musterbürger und die maßlosen Gewaltherrscher klar hinter sich lässt. Das New York des Films ist ein Dschungel, darin sie alle Raubtiere sind oder es werden, wo also jeder entweder käuflich oder zum Untergang verurteilt ist. Pantherkatze zeichnet, ob bewusst oder unbewusst, ein derart finsteres Gesellschaftsgemälde, das allein das für den Film-Noir-Freund die offensichtlichen Schwächen seiner Erzählung ausgleicht. Broderick Crawfords Charlie Lupo ist dessen typisch charakterstarker und beizeiten nuancierter Polterer. Richard Conte zeigt, dass er von 1946 bis 1957 zur ersten Garde der Film-Noir-Darsteller gerechnet werden darf. Alles in allem ein sehenswerter und dennoch fast vergessener Film, der für Stanley Kubrick, Arthur Penn und Martin Ritt das Terrain bereitete.
 
Sowohl die US-Edition von VCI Entertainment (2010) als auch die englische Ausgabe von Odeon Entertainment (2011) bringen den Film in einer sehr sauber restaurierten Fassung, ungekürzt im Originalformat (Widescreen) mit einem gut verstehbaren englischen Originalton ohne Untertitel und ohne Extras.
 

Film Noir | 1955 | USA | Russell Rouse | Barry Kelley | Broderick Crawford | Fortunio Bonanova | John Doucette | Mike Mazurki | Richard Conte | Steven Geray | Tom Powers | Anne Bancroft

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