Subway Riders

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Bewertung
****
Originaltitel
Subway Riders
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

Robbie Coltrane, Cookie Mueller, Charlene Kaleina, Susan Tyrrell, John Lurie

Regie
Amos Poe
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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New York: Anthony Zindo (Amos Poe) besucht den Filmproduzenten Leo Gollstone (Bill Rice), weil er mit ihm über sein Filmprojekt, einen Großstadtthriller um einen mordenden Saxofonisten sprechen möchte. Lezterer ist von der Idee angetan und überzeugt, die Hauptrollen mit Jack Nicholson, Warren Beatty, Diane Keaton, Jane Fonda und vielleicht sogar Marlon Brando als Polizeioffizier besetzen zu können. Nur einen Drehbuchautor brauche man noch… Zindo wendet ein, dass er selbst jener Autor sein wird, doch davon will der Filmmogul nichts wissen. So verlässt Anthony dessen Apartment, nachdem ihm dieser angekündigt hat, dass er in Kürze nach Hollywod fliege und Zindo es sich überlegen solle. Indessen zieht die Prostituierte Penelope Trasher (Cookie Mueller) in Manhattan in eine neue Wohnung ein - genau über derjenigen, wo Anthony nachts auf seinem Saxofon spielt. Das behagt der hitzigen Nachbarin allerdings nicht und sie macht ihm klar, dass er sich damit zum Teufel scheren könne. Zur gleichen Zeit kommt es in New York zu Mordfällen, bei denen des Nachts Passanten mit einer 44er Magnum auf offener Straße erschossen werden. Zudem scheint am Tatort kurz zuvor jeweils ein Saxofonspieler anwesend gewesen zu sein. Police Detective Fritz Langley (Robbie Coltrane) übernimmt den Fall, der inzwischen die Presse beschäftigt und bald den Chief of Department Isherwood (Glenn O’Brien) unter Druck setzt. Der ausgebrannte und verhärmte Detective Langley hat mit seiner heroinabhängigen Frau Eleanore (Susan Tyrrell) allerdings noch ein Problem am Hals…
 
„Ein film noir -  ja, auch mit dessen bedeutungsvollen Sätzen und Coolnessübungen, aber ohne artifiziellen Chic, und mit lakonischen Pointen“, schlussfolgert Silvia Szymanski für Hard Sensations. Und Roger Ebert schrieb in seiner Besprechung von Amos Poes Alphabet City (USA 1984) über den 3 Jahre zuvor entstandenen Low-Budget-Thriller: “Subway Riders (…) did a wonderful job of evoking the loneliness and terror of the streets.” Amos Poe war/ist ein Protagonist der New Yorker Punk- und No-Wave-Bewegung. Einige Jahre zuvor war er als Produzent der legendären Dokumentation Blank Generation (USA 1976) in Erscheinung getreten. Im Anschluss hatte er mit der Blondie-Sängerin Deborah Harry (Union City, USA 1980) in ersten Hauptrollen und mit Ivan Král als Komponisten der Soundtracks erste Low-Budget-Dramen vorgelegt. Subway Rider ist der dritte Streich, ein Neo Noir, den die österreichische Kamerafrau Johnna Heer in teils hypnotische Bilderwelten taucht, die keineswegs zu Unrecht mit dem urbanen Blick Christopher Doyles in Filmen Wong Kar Wais (Fallen Angels, HK 1995) verglichen werden. Doch während letzterer seinem Regisseur zu Ruhm und Ansehen verhalf, gilt Amos Poes Neo Noir, mit einer 16mm-Kamera gedreht und entsprechend grobkörnig, heute als obskures Nebenprodukt jener New Yorker Subkultur in den Frühachtzigern.
 
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Es ist an der Zeit, Subway Riders in den Kanon der relevanten Neo Noirs aufzunehmen und das nicht, weil der Polizist Fritz Lang-ley nach einem der besten Regisseure klassischen Film Noirs benannt ist. Das Interesse an der Schwarzen Serie wurzelte tief in jener Musikkultur, die im urbanen Kosmos New Yorks als No Wave in die Geschichte einging. Wie der Dadaismus, der Expressionismus und manch Vordenker späterer Kulturströmungen spiegelten jene düsteren Detektivdramen in ihrer Bildgestaltung ab den Spätsiebzigern erneut das Lebensgefühl im Kontext westlicher Metropolen. Seine Ausdruckskraft als szenische Komposition urbanen Lebens ist im Zusammengehen mit dem Panoptikum vereinsamter und bizarrer Rollencharaktere die Stärke des Films. Was Zuschauer bis heute irritiert, ist, inwiefern der im Fahrwasser des US-Independentkinos à la John Cassavetes (Mord an einem chinesischen Buchmacher, USA 1976) stehende Subway Riders die Erwartungen eines an Hollywoodfilme gewöhnten Publikums unterläuft. Darauf bereitet das Intro mit Bill Rice und Amos Poe ja vor, die in ihren Rollen als Filmschaffende die Pole eines grundsätzlich unterschiedlichen Werkverständnisses zeigen. Es ist hier aber der Autorenfilmer europäischer Prägung, der sich durchsetzt und das Spiel mit Fiktionen an einen Zuschauer adressiert, der zu denken und sich darauf einzulassen gewillt ist. Mit Musik von Robert Fripp, Ivan Král, The Lounge Lizards und John Lurie, der den Saxofonisten Anthony in der imaginierten Filmrolle spielt, sowie mit explizit guten Darstellerleistungen von Robbie Coltrane und Susan Tyrrell. Subway Riders ist kein Meisterwerk, dafür erweist sich seine Geschichte am Ende als zu wenig originell. Sicher ist er auch nicht jedermanns "Cup of Tea“, aber für Liebhaber des Independentkinos dezidiert abseits vom Mainstream trotzdem eine Bereicherung. Eine Veröffentlichung als BD oder DVD erscheint mir lange überfällig.
 
Die deutsche Edition als VHS-Video (1999) der absolut MEDIEN GmbH, Berlin, beinhaltet den Film ungekürzt im Originalformat und mit englischem Originalton inklusive deutscher Untertitel. Die Ausgabe ist inzwischen selten und teuer, doch gibt es im Augenblick weltweit keine Alternative.
 

Neo Noir | 1981 | USA | Amos Poe | Robbie Coltrane | Tom Wright | Susan Tyrrell

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