Unterwelt von Paris / Sie war ihm hörig

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Bewertung
***
Originaltitel
Gunman In The Streets / Le traqué
Kategorie
Film Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Dane Clark, Simon Signoret, Fernand Gravey, Robert Duke, Michel André

Regie
Frank Tuttle
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Paris: Auf dem Weg zu seiner Gerichtserhandlung wird der Gefangenentransport mit dem Gangster Eddy Roback (Dane Clark), ehemaligs ein G.I. der US Army, von dessen Komplizen überfallen. Am helllichten Tag liefern sich die Wachmannschaft und die Gangster auf offener Straße eine Schießerei. Der Wagen gerät in Brand und Robback kann entkommen. Kurz darauf ist Kommissar Dufrenet (Fernand Gravey) über den Zwischenfall im Bilde und versammelt seine Inspektoren (Albert Augier, François Joux), um einem ersten Verdacht nachzugehen, denn angeblich wurde Roback im siebten Arrondissement in einem Kaufhaus gesehen. Tatsächlich ist der Gesuchte dort, aber während die Polizei das Gebäude durchkämmt und die Ausgänge bewachen lässt, verfällt er auf einen Trick. Er greift sich einen kleinen Jungen, hastet zu einem der Ausgänge und gibt den Knaben auf seinem Arm als den eigenen aus, indessen er dem Polizisten vorspielt, sein Personalausweis befände sich im Auto. In der Verwirrung huscht er durch die Tür. Als er sich abends am vereinbarten Treffpunkt mit Laurent (Fernand Rauzéna) und seinen Komplizen treffen will, ist ihm Dufrenet zuvorgekommen und hat das Nest ausgehoben. Als auch das der Polizei den Aufenthaltsort des Gesuchten nicht preisgibt, sucht Dufrenet im Beisein seiner Inspektoren Denise Vernon (Simone Signoret) auf, die Geliebte des Gangsters Robback. Doch sie gibt ihm zu verstehen, dass sie mit Robback schon längst nichts verbände und stattdessen einem Rendezvous mit dem US-amerikanischen Journalisten Frank Clinton (Robert Duke) entgegen sähe…
 
Das ist nicht das lange verlorene Opus Magnum des französischen Film Noirs. Unterwelt von Paris / Sie war ihm hörig ist von dem US-amerikanischen Film-Noir-Regisseur Frank Tuttle im Exil mit dem US-amerikanischen Hauptdarsteller Dane Clark und exzellenten Schauspielern Frankreichs inszeniert. Simone Signoret war in Zur roten Laterne (FRA 1946) und in Die Schenke zum Vollmond (FRA 1948) aufgetreten, zwei heute vergessene Klassiker des französischen Film Noirs. Über Jahrzehnte gehörte sie zu den besten Darstellerinnen ihres Landes. Fernand Gravey spielte die männliche Hauptrolle in der ersten Verfilmung von James M. Cains Roman The Postman Always Rings Twice, die 1939 unter dem Regisseur Pierre Chenal in Frankreich gedreht wurde. Deren Kameramann war Claude Renoir, ein Neffe des Regisseurs Jean Renoir, und der Schnitttechniker war Borys Lewin. Beide gehörten 11 Jahre später für den Film Noir Unterwelt von Paris / Sie war ihm hörig wieder zur Crew, Claude Renoir als zweiter Kameramann neben dem brillianten Egon Schüfftan (Hafen im Nebel, FRA 1938). Borys Lewin gilt als „Regisseur“ – es ist seine einzige sogenannte Regiearbeit überhaupt - der französischen Fassung des von Frank Tuttle auf Englisch gedrehten Gunman In The Streets (= missverständlicher Originaltitel), obgleich jener eh eine französische Produktion war. Die französische Sprachfassung kam im Dezember 1950 als Le traqué zur Aufführung. In den USA fand dieser B-Film überhaupt nie in die Kinos; in Kanada startete er als Gangster At Bay. In Österreich lief er als Unterwelt von Paris, in Deutschland wurde er als Sie war ihm hörig aufgeführt. Inwieweit Sie war ihm hörig und Unterwelt von Paris als unterschiedliche Filme bzw. unterschiedliche Schnittfassungen firmierten, ist nicht ohne Weiteres zu eruieren.
 
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Die aktuell vorliegende, bild- und tontechnisch keinesfalls schlechte DVD-Edition des Films ist die englische Sprachfassung mit Frank Tuttle als Regisseur im Vorspann. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Jacques Companéez (Angelockt, USA 1946), der zwei Jahre später mit Jacques Becker dasjenige für Goldhelm / Die Sünderin von Paris (FRA 1952) verfasste - in der Hauptrolle Simone Signoret. Unterwelt von Paris / Sie war ihm hörig enttäuscht allerdings. Während die Schauspielerleistungen, Schüfftans Kameraarbeit und Tuttles Regie überzeugen, ist die Erzählung ein Abklatsch der Gangsterdramen aus den Dreißigern. Die Charaktere bleiben entweder blass – Eddy Robacks Umfeld lernt der Zuschauer gar nicht erst kennen – oder sind typisch für die Gut-Böse-Schemata der Trivialliteratur in Heftform. Dane Clark ist ein unterschätzter Darsteller und liefert eine gute Vorstellung, doch sein Eddy Roback ist nur einer der zahllosen Gangster aus den Zeiten Paul Munis und James Cagneys. Lediglich Signoret als Denise Vernon zeigt Ambivalenz, als sie durch die Rückkehr ihres herrischen ex-Geliebten aus allen Bemühungen gerissen wird, sich von der Hörigkeit gegenüber dem brutalen Charakter zu lösen. Dass es ihr nicht gelingt und der Film in ein tragisches Finale schlittert, ist neben der Kameraaarbeit das stärkste Film-Noir-Element in Frank Tuttles Exil-Werk, das die Weltstadt Paris auf Zelluloid bannt. Sehenswert ist der Film wegen seines historischen Werts und wegen des Trios der Hauptdarsteller. Er ist sicher eine Kuriosität, doch die Handlung dümpelt großteils im Mittelmaß vor sich hin.
 
Eine gute englische DVD-Edition von (2011) der Cornerstone Media International Ltd. bringt den Film ungekürzt im Originalformat und mit dem englischen Ton in gut verstehbarer Qualität, eine Bildergalerie mit Kinowerbung und Zeitungsanzeigen für den Film als Extra.
 

Film Noir | 1950 | France | Frank Tuttle | François Joux | Dane Clark | Simone Signoret

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