Vierzehn Stunden

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Bewertung
****
Originaltitel
Fourteen Hours / 14 Hours
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Paul Douglas, Richard Basehart, Barbara Bel Geddes, Debra Paget, Agnes Moorehead

Regie
Henry Hathaway
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
In New York schlendert Police Officer Charlie Dunnigan (Paul Douglas) durch die frühmorgens leere Straße vor dem Hotel Rodney. Dort bringt der Kellner vom Zimmerservice (Frank Faylen) dem Gast Robert Cosick (Richard Basehart) sein Frühstück aufs Zimmer 1505. Er nimmt einen Geldschein entgegen, sucht in seinen Hosentaschen nach Wechselgeld, doch als er sich umdreht, ist der Andere nicht mehr im Zimmer. Er entdeckt ihn auf dem Fenstersims, 15 Stockwerke über dem Asphalt der Straße, wo Robert Cosick in den Tod zu springen beabsichtigt. Durch den Schrei einer Frau im gegenüberliegenden Block wird auch Dunnigan auf den Mann in luftiger Höhe aufmerksam und alarmiert die Zentrale. Der Kellner telefoniert mit Mr. Harris (Willard Waterman) vom Empfang, der sofort Mr. Regan (Russell Hicks), den Manager des Hotels, in Kenntnis setzt, doch als Harris den Gast dazu auffordert, sofort ins Zimmer zurückzukehren, droht dieser, auf die Straße hinab zu springen, falls etwa die Polizei bei ihm auftauchen sollte. Indessen sammeln sich auf der Straße erste Schaulustige. Zwei alte Damen fragen sich, ob es sich bei dem Kerl auf dem Fenstersims um eine Werbeaktion handele. Charlie Dunnigan betritt das Zimmer und entledigt sich seiner Uniformjacke, leiht sich von Harris dessen Krawatte und sucht das Gespräch mit Cosick. Indessen jaulen tief drunten Sirenen von Polizeiwagen in Richtung des Hotels…
 
Ein ausschlaggebender Grund, warum dieser Film Henry Hathaways hier besprochen wird, ist die Tatsache, dass er 2006 von Twentieth Century Fox Home Entertainment LLC. in den USA in deren DVD-Reihe Fox Film Noir veröffentlicht wurde: „Comprising many of Hollywood’s finest films, film noir tells realistic stories about crime, mystery, femmes fatales and moral conflict.” So lesen wir auf der Rückseite der Edition, die zudem einen Audiokommentar von Film-Noir-Spezialist und Sachbuchautor (The Dark Side Of The Screen: Film Noir, 1981) Foster Hirsch beinhaltet. Mit Blick auf die (vor und hinter der Kamera) exzellente Besetzung von Vierzehn Stunden wird im beigelegten Booklet dezidiert erwähnt: “The Fourteen Hours cast had significant experience in the noir film style.“ All das mag richtig sein und es ist erfreulich, dass der Film das Glück hatte, in einer so gelungenen Edition wieder zu erscheinen, doch die Frage bleibt: Ist Vierzehn Stunden ein Film Noir? Der Filmjournalist Glenn Erickson verneint das. “So why isn't Fourteen Hours a film noir? Because it isn't about crime, alienation or a disaffected emotional state”, schreibt er für DVD-Talk und wundert sich, warum das Werk - ebenso wie Alfred L. Werkers Shock (USA 1946) oder Otto Premingers Daisy Kenion (USA 1948) - ausgerechnet in der Reihe Fox Film Noir veröffentlicht wurde. Foster Hirsch sieht das anders und auch Eddie Muller schreibt in Dark City: The Lost World Of Film Noir (1998) über Vierzehn Stunden als Film Noir der frühen Fünfziger: “It's a tense depiction of one man's personal despair, amid the teeming concrete indifference of the modern city.“
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Längst nicht jeder Film Noir konzentriert sich auf ein Verbrechen, nicht jeder ist ein Thriller und schon gar nicht geht es primär um die Arbeit der Polizei oder die banale Frage: „Wer war der Täter?“ Bei solchen Film Noirs wie Gefangen (USA 1949), Polizeirevier 21 (USA 1951) oder Dein Schicksal in meiner Hand (USA 1957) liegt der Fokus auf ihren von Seelenöten gepeinigten Charakteren, einer tief wurzelnden Unfähigkeit, im Rahmen der gegebenen Struktur ihrer Alltagswirklichkeit sich zu integrieren und zu funktionieren. Auch Vierzehn Stunden rückt mit Robert Cosick einen Mann ins Zentrum, der der Norm eines angepassten Bürgers jener Fünfziger nicht zu entsprechen vermag – traumatisiert und an die Schwelle des Todes getrieben. Komplementär zeigt Hathaway die öffentliche Reaktion auf Cosicks spektakuläre Art des geplanten Freitods, nämlich das Interesse der Massenmedien, die auf Cosicks Ausscheren aus Reih und Glied mit dem Reflex der Verwertung (= Geldverdienen) reagieren. Dies lässt an Reporter des Satans (USA 1951) denken, den größten Flop der Karriere Billy Wilders. Beide Filme sind im Kontext der 1951 zur vollen Blüte gekommenen McCarthy-Ära mit deren Zensur der systemkritischen Untertöne in allen Kulturbereichen ambitioniert und mutig. Vierzehn Stunden ist ein rasanter Film mit teils herausragenden Darstellern, zudem mit Grace Kelly, John Cassavetes (Mord an einem chinesischen Buchmacher, USA 1976) und Richard Beymer (Twin Peaks, USA 1990/91) in jeweils ihrem Filmdebüt sowie mit Howard Da Silva kurz vorm Karriereknick, der beim House Committee on Un-American Activities (HUAC) auf die schwarze Liste geraten war und mit Berufsverbot belegt wurde.
 
Sehr gute DVD-Ausgabe der Twentieth Century Fox in denUSA (2006, RC 1) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch exzellent, englische Tonspur mit optional englischen oder spanischen Untertiteln, dazu einen Audiokommentar Foster Hirschs, den Kinotrailer und eine Bildergalerie vom Pressbook als Extras.
 

Film Noir | 1951 | USA | Henry Hathaway | Joseph MacDonald | Brad Dexter | Brian Keith | Frank Faylen | Howard Da Silva | James Millican | Jeff Corey | Jeffrey Hunter | John Cassavetes | John Randolph | Paul Douglas | Richard Basehart | Robert Keith | Agnes Moorehead | Barbara Bel Geddes | Grace Kelly

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