Stadt geht durch die Hölle, Eine

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Bewertung
***
Originaltitel
The Phenix City Story
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

John McIntire, Richard Kiley, Kathryn Grant, Edward Andrews, Lenka Peterson

Regie
Phil Karlson
Farbe
s/w
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Warner Bros.
 
Phenix City, Alabama: In der Stadt, die vom Armeestützpunkt Columbus, Georgia, durch den Chattahoochee River getrennt liegt, regiert der Mob. Hier herrscht Rhett Tanner (Edward Andrews), Inhaber des Poppy Clubs, wo Jazzsängerin Judy (Meg Myles) im Phenix City Blues wissen lässt: „Fancy women, slot machines and booze!“ Tanner kommandiert eine Armee von Schlägern und korrupten Polizisten und von ihm profitieren die Unterwelt und die Honoratioren der Stadt. Glücksspiel und Prostitution sind die wesentlichen Einnahmequellen. Wer sich dem Gesetz der Straße nicht beugt, hat in Phenix City wenig zu lachen. Fred Gage (Biff McGuire) ist Ed Gages (Truman Smith) Sohn, ein mächtiger Gegner Tanners, der mehrfach Komitees gegen die Aktivitäten der Gangster leitete und stets an der Korruption scheiterte. Fred Gage ist Jurist und in die hübsche Ellie Rhodes (Kathryn Grant) verliebt, die an einem der Spieltische in Tanners Club arbeitet – für 200 US-Dollar in der Woche, ein Traumgehalt selbst für Ausgebildete. Freds Anwesenheit im Club missfällt Managerin Cassie (Jean Carson), die es gern sähe, wenn Tanner gegen Gage vorginge oder Ellie entließe. Doch Rhett Tanner, ein Mann mit einer Nase für Probleme, versucht Gewalt zu umgehen, indem er sich die Leute kauft. Als er von neuen Machenschaften gegen sich erfährt, besucht er den angesehenen Anwalt Albert L. Patterson (John McIntire). Doch Patterson will sich partout für keine Seite entscheiden und seine Neutralität wahren, so dass Tanner unverrichteter Dinge seines Weges ziehen muss. Da kehrt Pattersons Filius John (Richard Kiley), ebenfalls Rechtsanwalt, mit seiner Familie vom Armeedienst im Nachkriegsdeutschland nach Phenix City zurück…
 
„All our lifes we’ve been fighting against people taking the law in their own hands“. Der Film lanciert eine Reihe von relevanten, sozialkritischen Botschaften, die für einen Film Noir im Kielwasser der McCarthy-Ära nicht selbstverständlich sind. Im Finale kämpft John Patterson Seite an Seite mit dem Afro-Amerikaner Zeke Ward (James Edwards), der im Poppy Club angestellt war und seine einzige Tochter durch einen feigen Mord verloren hat. Zeke tritt gegenüber Patterson für die Grundfesten der Demokratie und eine staatliche Rechtsauffassung ein - der geprügelte Außenseiter, den seine Hautfarbe abstempelt und der mit seiner Frau (Helen Martin) in einer Hütte am Stadtrand lebt. Doch das implizite Statement wider Terror und Rassismus und Willkür im Süden der USA wird von der Biederkeit der „decent citizens“ konterkariert. Johns Ehefrau Mary Jo (Lenka Peterson) bringt ihre Kinder außerhalb der Stadt in Sicherheit und sucht John von einer Parteinahme für die „Anständigen“ in Phenix City abzubringen. Geht es einerseits um Zivilcourage und Widerstand, werden diese Tugenden in der Person John Pattersons glorifiziert und der Mann selbst wird zum Retter US-amerikanischer Ideale und zum Helden erkoren. Zweierlei lässt einen schalen Beigeschmack entstehen: Schauspieler Richard Kiley ist für die Rolle zu schwach, insofern er wie Lenka Peterson, die teils regelrecht schlecht ist, ein bestenfalls mittelmäßiger Darsteller ist. Gerade im Kontrast zu den guten Leistungen John McIntires, Kathryn Grants und auch Edward Andrews entsteht ein Missverhältnis. Zweitens wurde der wirkliche Generalstaatsanwalt John Malcolm Patterson 1958 Gouverneur von Alabama und das mit einer Kampagne, die ihn (wie auch zur Zeit seiner Regierung) als ausgesprochenen Rassisten zeigte, der die Unterstützung des Klu-Klux-Klans genoss.
 
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So gerät der Film, für den einiges spricht, vor allem durchs unausgewogene Schauspiel sukzessive in eine Schieflage. Mit seinen Wurzeln im Film Noir – durch Regisseur Phil Karlson (Der vierte Mann, USA 1952) und Autor Dan Mainwaring aka Geoffrey Homes (Goldenes Gift, USA 1947) - und im Sozialdrama der Dreißiger weiß der im semidokumentarischen Stil gedrehte Film zuzupacken. Seine Einbindung realer Personen im dokumentarischen Vorspann gibt dem Werk einen eigentümlichen, nicht allzu glücklichen Rahmen. Dennoch erweisen sich gerade John McIntire und Kathryn Grant als Entdeckungen, die in der Folge leider selten mit größeren Rollen bedacht wurden. John Patterson als „Held“ der Geschichte bleibt der eindimensionale Rechtschaffende der Fünfziger und seine Frau ein gesichtslos biederes Anhängsel, so dass beide im Vergleich zu den vielschichtigen und getriebenen Machtmenschen der Gegenseite lächerlich blass wirken. Mit diesem Manko unterbietet Eine Stadt geht durch die Hölle viele Film Noirs, die zwischen 1946 und 1951 über solches Niveau hinaus und deren Konflikte im Inneren – wie hier durch Albert Patterson verdeutlicht – die interessanteren waren. Kein wirklich schlechter Film, doch für alle Nicht-Amerikaner heutzutage weit ab von einem cineastischen Meisterwerk.
 
In den USA im Rahmen des achtteiligen DVD-Box-Sets Film Noir Classic Collection: Volume Five (2010) durch Warner Bros. Home Entertainment in einer topp restaurierten Fassung erschienen: ungekürzt im Originalformat mit sehr gut verständlichem Originalton, dazu englische Untertitel und keine Extras. Die spanische Edition (Regionalcode 2) von Regia Films unter dem Titel El Imperio del Terror ist ebenfalls restauriert im Originalformat und mit dem englischen Originalton ausgestattet, liegt uns aber zum Vergleich nicht vor.
 

Film Noir | 1955 | USA | Phil Karlson | John Larch | John McIntire | Richard Kiley | Kathryn Grant

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