Jackie Brown

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Bewertung
****
Originaltitel
Jackie Brown
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Pam Grier, Samuel L. Jackson, Robert Forster, Bridget Fonda, Michael Keaton

Regie
Quentin Tarantino
Farbe
Farbe
Laufzeit
154 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Los Angeles: Die 44jährige Stewardess Jacqueline „Jackie“ Brown (Pam Grier) arbeitet für die mexikanische Fluggesellschaft Cabo Air, die von Los Angeles aus regelmäßig Cabo San Lucas auf der Halbinsel Baja California in Mexiko anfliegt. Vor allem jedoch arbeitet sie für den Gangster Ordell Robbie (Samuel L. Jackson), der illegale Waffengeschäfte tätigt und Jackie für die Geldwäsche seiner Erlöse einsetzt, indem er sie das Bargeld nach Mexiko und entsprechend zurück transportieren lässt. Da erfährt Robbie, dass Beaumont Livingston (Chris Tucker), einer seiner Angestellten, wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen wurde. Aus Angst vor einem Verrat beauftragt Robbie eilig den Kautionsagenten Max Cherry (Robert Forster), Beaumont aus den Klauen der Staatsgewalt zu befreien. Aber nachdem das geschehen ist, wird dieser von Ordell Robbie in einen Hinterhalt gelockt und kaltblütig erschossen. Ray Nicolette (Michael Keaton) und Mark Dargus (Michael Bowen), zwei Agenten der Bundespolizei vom Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe (ATF), durchsuchen indessen am Flughafen Jackie Browns Gepäck und finden neben Drogen 50.000 US-Dollar in bar. Sie schlagen der Flugbegleiterin vor, mit ihnen zusammen zu arbeiten und ihren Auftraggeber an die Justiz auszuliefern, wofür sie straffrei ausginge. Da Jackie jedoch ablehnt, kommt nun sie in Untersuchungshaft, und Ordell sieht sich einmal mehr durch eine seiner "Mitarbeiterinnen" bedroht. Wieder geht er zu Max und beauftragt ihn, die Kaution für Jackie Brown zu stellen…
 
Das ist der beste Neo Noir vom großen Moderegisseur der Neunziger, Quentin Tarantino, der sich dem Begriff in Interviews stets verweigerte: „I don’t do neo-noir.“ Er entstand nach dem Roman Rum Punch (EA 1992) von Elmore Leonard und nicht nach einem Originaldrehbuch Tarantinos, dessen Eklektizismus seinerzeit bejubelt wurde, doch aus heutiger Sicht bestenfalls mittelmäßige Filme wie True Romance (1993, Regie Tony Scott), Natural Born Killers (1994, Regie Oliver Stone) und Pulp Fiction (1994, Regie Quentin Tarantino) zuwege brachte. Auch in Jackie Brown wimmelt es von Zitaten und Anspielungen in Sachen Film- und Popkultur, doch auf der soliden Grundlage des Leonard-Buches geraten diese nie zum Selbstzweck oder zur Selbstparodie. Alexander Ballingers and Danny Graydons The Rough Guide To Film Noir (2005) betitelt das Werk knapp als einen „pulp noir classic“, doch greift eine solche Kategorisierung zu kurz. Als „gelungenes Crossover von schwarzer Komödie und Neo-Noir“ bezeichnet Filmjournalist Paul Werner in seinem Buch Film Noir und Neo-Noir (2000) den zwei Stunden und 24 Minuten langen Film aus einer ganzen Welle von Elmore-Leonard-Verfilmungen ab 1995 (nämlich ab Schnappt Shorty, Regie Barry Sonnenfeld) und liegt damit richtig. Durch Verzicht auf seine sonst übliche Effekthascherei, ein zurückgenommenes Tempo und Schauspiel, das die Charaktere und ihre Beziehungen hervorhebt, entwickelt Tarantino seine Filmerzählung ebenso vielschichtig wie spannungsreich. Auch 15 Jahre nach Erstaufführung hat der Film nichts von seiner Prägnanz verloren - ganz im Gegensatz zu anderen Tarantinowerken jener Jahre.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Pam Grier ist perfekt in der Rolle der vom Leben nicht gerade verwöhnten Einzelgängerin, die mit 44 Jahren beschließt, ihre Chance zu nutzen, als Ordell Robbies Herrschaft unerwartet ins Wanken gerät. Wie im traditionellen US-amerikanischen Gangsterfilm, im Film Noir und im Neo Noir fällt dabei der bodenlose Materialismus aller Beteiligten ins Auge. Die Wurzel allen Übels, das eine blutige Spur durch den Film zieht, ist die maßlose Gier nach dem großen Geld, welches einem dazu dienen soll, aus der Hölle des Broterwerbs den Ausstieg zu finden: “I make about sixteen thousand, with retirement benefits that ain't worth a damn. And now with this arrest hanging over my head, I'm scared. If I lose my job I gotta start all over again, but I got nothing to start over with. I'll be stuck with whatever I can get“, argumentiert Jackie Brown und weiß, dass sie Recht hat. Auch die anderen Darsteller des Ensembles können überzeugen, allen voran Robert Forster, der für seinen Max Cherry eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller erhielt. Einmal den ganzen Hype beiseite geschoben, erweist sich Jackie Brown nicht gerade als großartiger, doch als enorm dynamischer und pointierter Neo Noir, der stilistisch und erzählerisch – unbedingt im Original sehen! - nichts anbrennen lässt und das über eine Strecke von 154 Minuten durchhält. Durchaus zu empfehlen!
 
Die aktuelle BD und DVD (2011 & 2012) aus dem Hause Arthaus / Studiocanal bringt den Film jeweils in einer bildtechnisch herausragenden Qualität, im Originalformat und definitiv (endlich) ungekürzt, Tonspuren und Untertitel jeweils wahlweise auf Englisch oder Deutsch, dazu haufenweise Extras.
 

Neo Noir | 1997 | USA | Quentin Tarantino | Elmore Leonard | Robert De Niro | Robert Forster | Samuel L. Jackson | Bridget Fonda

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