Geisterschütze, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
Rimfire
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

James Millican, Mary Beth Hughes, Reed Hadley, Henry Hull, Victor Kilian

Regie
B. Reeves Eason
Farbe
s/w
Laufzeit
64 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Der Geisterschuetze-Poster-web6.jpg Der Geisterschuetze-Poster-web7.jpg Der Geisterschuetze-Poster-web4.jpg Der Geisterschuetze-Poster-web3.jpg
© VCI Entertainment
 
New Mexico, 1869: Auf dem Weg nach Stringtown wird eine Postkutsche von vier Maskierten überfallen, doch Kutscher Curt Calvin (Glenn Strange) kommt dank des Eingreifens von Tom Harvey (James Millican) mit dem Schrecken davon. Letzterem starb nach dem Biss einer Klapperschlange das Pferd, und auch die Passagiere sind ihrem Retter dankbar, unter ihnen der Spieler The Abilene Kid (Reed Hadley) und eine junge Frau namens Polly (Mary Beth Hughes). Ersterem wurde von den Banditen seine Brieftasche und die Taschenuhr gestohlen. Was die Kutsche ansonsten transportierte, blieb unversehrt. Im Saloon von Stringtown trifft inzwischen der Sheriff Jim Jordan (Victor Kilian) im Beisein des Barmanns Barney Bernard (Ray Bennett) auf Richter Gardner (George Cleveland). Der zeigt sich besorgt, dass der Sheriff noch keine Versammlung der Honoratioren der Stadt zuwege brachte, die aktuell sich und ihr Eigentum vor dem Zugriff von Banditen schützen müssten. Als die Postkutsche eintrifft, berichtet Curt Calvin, was geschehen sei. Polly entpuppt sich als eine Nichte des Sheriffs, die bei ihm wohnen und ihm zur Hand gehen wird, und so empfiehlt Jordan gleich ihren Retter Tom Harvey als möglichen Deputy. Der Sheriff bittet Harvey für den Nachmittag in sein Büro. The Abilene Kid verabschiedet sich ins Hotel, wo er bald auf seinen alten Bekannten Barney Bernard trifft…

Im Online-Portal DVD Talk beurteilt Stuart Galbraith IV die Veröffentlichung (2006) der beiden Filme Little Big Horn (USA 1951) und Der Geisterschütze via VCI Entertainment unterm Banner des Western Film Noir wie folgt: “Though quite a few Westerns of the period could legitimately be classified as noir, these two simply don't qualify.“ Vielleicht blieb es deshalb bei dieser einzigen, damals als Volume 1 angekündigten Folge der Serie Western Film Noir von VCI, der in den letzten Jahren keine zweite folgte. Tatsache ist, dass es nur wenige Western gibt, die Elemente des Film Noirs aufgriffen und sich in ihrer Art von den typischen Merkmalen des Genres entfernten und auffällig anders wirken. Nun war Der Geisterschütze 1949 ein Western, dessen Kinoplakat dem Publikum versprach: “A Western that’s different“. Was an der B-Produktion der heute fast vergessenen Lippert Pictures Inc. bestenfalls anders ist, bleibt die Tatsache, dass ein vermeintlicher Deputy als Undercover-Agent in einem Goldraub ermittelt – ein typisches Element jener (ab 1947) vom FBI gesponserten Filme, die der Glorifizierung der Schnüffelei im Dienst eines sauberen und kommunistenfreien Amerikas dienten. Auch Reed Hadley spielte in solchen Produktionen oft eine Rolle, etwa als Sprecher aus dem Off in Anthony Manns Geheimagent T (USA 1947) und Alfred L. Werkers Schritte in der Nacht (USA 1948). Diese Filme nutzten die Stilelemente des Film Noirs für propagandistische Zwecke und zuletzt war es ja die McCarthy-Ära, die dem Film Noir endgültig den Wind aus den Segeln nahm.
 
Bild Bild Bild
© VCI Entertainment

Davon merkt man im obskuren Western Der Geisterschütze wenig. Höchstens zeigt B-Schauspieler James Millican als der von allen Makeln freie und mit Diensteifer aufgepumpte Captain Tom Harvey ein wenig die Zeichen solcher Zeit. Und an einer Stelle erzählt der Kutscher Calvin seinen Gehilfen (Fuzzy Knight, Chris-Pin Martin) beim Abladen, dass Generalleutnant Ulysses S. Grant inzwischen US-Präsident sei. Daraufhin der Eine zum Anderen: „What did I tell you, fellows? The next president would be a republican.“ – “A republican? I never knew there was anything except democrats.“ Am interessantesten ist die dubiose Figur des Abilene Kid in der Verkörperung durch Reed Hadley, eine ebenso dunkel charmante wie undurchschaubare Gestalt, die tatsächlich charaktervoll und nicht klischeehaft daher kommt. Sukzessive gibt es dann doch einige Film-Noir-Elemente, die sich nicht allein im teils kontraststarken Schwarzweiß der Produktion zeigen, sondern gerade auch im letzten Drittel des Films, was auch Stuart Galbraith IV einräumt: “These last 20 minutes of Rimfire are about as close to noir as this double-bill gets.“ Mary Beth Hughes (Ritt zum Ox-Bow, USA 1943) gibt als Polly eine solide Vorstellung, aber vor allem kann Margia Dean (Hyänen der Unterwelt, USA 1952) als Bardame Lolita (!) in einer sprühenden Konversation mit dem Abilene Kid überzeugen. Fazit: Wenig Film Noir, eine durchschnittliche Krimihandlung und ein mehr hastiges als spannungsreiches Erzähltempo machen Der Geisterschütze zu einem Film, der durchaus Potential gehabt hätte, doch an einem teils unglaubwürdigen, vorhersehbaren Plot krankt.

Die DVD der VCI Entertainment ist ein Musterbeispiel für den Umgang mit obskuren Filmen der Poverty Row Studios jener Jahre: ungekürzte Spielzeit, bildtechnisch restauriert, bloß der Ton ist verbesserungswürdig, dazu akribisch zusammengestellte Extras: Bildergalerien, Kinotrailer, Liner Notes vom Filmhistoriker Sam Sherman.
 

Western Noir | 1949 | USA | B. Reeves Eason | Henry Hull | James Millican | Reed Hadley | Mary Beth Hughes

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