Ritt zum Ox-Bow

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Bewertung
*****
Originaltitel
The Ox-Bow Incident
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1943
Darsteller

Henry Fonda, Harry Morgan, Dana Andrews, Anthony Quinn, Mary Beth Hughes

Regie
William A. Wellman
Farbe
s/w
Laufzeit
73 min
Bildformat
Vollbild
 

 
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© Koch Media GmbH   © Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Nevada im Jahr 1884: Das Frühjahr ist angebrochen und die Cowboys Gil Carter (Henry Fonda) und Art Croft  (Harry Morgan) reiten eines Tages in die nahegelegene Ortschaft. Im örtlichen Saloon treffen sie auf den Barkeeper Darby (Victor Kilian), der ihnen eine Flasche Whiskey und zwei Gläser hinstellt. Jener kann sich nicht zurückhalten, bezüglich Gils unglücklicher Liebe zur Schönheit des Ortes, Rose Mapen (Mary Beth Hughes), einige Kommentare loszuwerden, die Carter aggressiv werden lassen und in Trinklaune bringen. Als der Rancher Jeff Farnley (Marc Lawrence) hereinkommt, sind die in letzter Zeit sich häufenden Viehdiebstähle das Gesprächsthema. Gil und Art, die nur selten im Ort sind, werden unversehens als zumindest potentiell Verdächtige angesehen. Carter, vom Whiskey angefacht, gerät in Wut und stürzt sich auf Farnley, den er brutal zu Boden schlägt und mit Tritten traktiert, bis Darby ihm eine Flasche über den Schädel zieht. In dem Augenblick stürzt der junge Green (William Benedict) herein und berichtet, der Farmer Larry Kinkaid läge per Kopfschuss getötet in der Nähe seiner Ranch und man habe ihm sogar Vieh gestohlen. Unter Führung Farnleys formiert sich eine Posse, um den flüchtigen Mördern und Viehdieben nachzusetzen. Zwar versucht der Krämer Arthur Davies (Harry Davenport), die aufgebrachten Viehtreiber zu beruhigen, doch der Sheriff (Willard Robertson) ist nicht in der Stadt, da er frühmorgens selbst zu Kinkaid wollte. Gil Carter und Art Croft eilen zwecks Unterstützung für Davies zu Richter Daniel Tyler (Matt Briggs): Hier hält sich auch Deputy Butch Mapes (Dick Rich) auf, der sich im Verbund mit einem ehemaligen Südstaatenoffizier im Sezessionskrieg, Major Tetley (Frank Conroy), nun selbst widerrechtlich an die Spitze von Farnleys Lynchmobs setzt…
 
Ein Film so schwarz wie Nacht, darin er zu Teilen spielt – für einen Western mehr als ungewöhnlich. Dass er 1943 tendenziell nihilistisch und gesellschaftskritisch, den Faschismus der US-amerikanischen Landbevölkerung zeigend, in die Kinos kommen konnte, verdankt sich seiner Entstehungsgeschichte. Darryl Zanuck, Studioboss der Twentieth Century Film Corporation, war von Walter Van Tilburg Clarks 1940 erschienenem Roman The Ox-Bow Incident so beeindruckt, dass er dessen Verfilmung erwog. Drehbuchautor und Produzent Lamar Trotti, sein Regisseur William A. Wellman (Der öffentliche Feind, USA 1931) und ein perfektes Casting bis in Nebenrollen schufen einen so zeitlosen wie einmaligen Klassiker Hollywoods. Helden sucht man in dem von moralischer Ambivalenz schwärenden Drama vergebens. Gil Carter und Art Croft schließen sich, vom Geschehen abgestoßen, selbst dem Lynchmob an – aus Angst, ansonsten des Viehdiebstahls verdächtigt zu werden. Deputy Butch Mapes ist sosehr ein mordlüsterner Prolet, wie der hinter Ruhm und Ehren sich verschanzende Großbürger Major Tetley fürs eigene Versagen an Anderen sadistisch Rache übt. Das Zusammenspiel der fein beleuchteten Charaktere im Lynchmob, ihre Dynamik im Spiel um Leben und Tod ist bis heute erschreckend glaubwürdig. Der Dunkelheit im Inneren der Männer, deren primitive Instinkthaftigkeit jeden Widersacher zur Hilflosigkeit und/oder zum Weggucken verdammt, findet seine Entsprechung im Frauentypus nicht nur via Ma Jenny Grier (Jane Darwell). Als man nachts der Postkutsche begegnet, entsteigt ihr die just mit einem reichen Städter aus San Francisco verheiratete Rose Mapen - ganz Inbegriff der Gier und des Materialismus’ ihrer Männerwelt. Am Ende ist jeder gescheitert, ob zuvor dagegen oder dafür. Jedwede Hoffnung hat die Stadt verlassen: „God better have mercy on you. You won't get any from me”, resümiert der Sheriff.
 
Bild Bild Bild
© Koch Media GmbH
 
Ritt zum Ox-Bow ist neun Jahre vor Fred Zinnemanns 12 Uhr mittags (USA 1952) nicht nur die Antithese zum Western John Fords oder Howard Hawks’. Er ist die Antithese zum Western der Zeit überhaupt - ein früher Film Noir im Gewand eines anderen Genres, ein Wolf im Schafspelz. Korruption und Feigheit, die eigene Vergangenheit und blinder Egoismus haben die Muster des Gesellschaftlichen so geprägt, dass niemand aus ihnen heraus findet, ohne in die Irre zu laufen. Gil Carter, Person im Zentrum der Erzählung, ist in seinen Entscheidungen lange vom Pragmatismus zersetzt, dem bei allem Grimm und aller Desillusionierung ein Schluck Whiskey stets weiter hilft. Näher an Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) oder Heislers Der gläserne Schlüssel (USA 1942), beide nach Dashiell Hammett, wurde Ritt zum Ox-Bow in seiner finsteren Konsequenz aber selbst von den Klassikern des Film Noirs nicht immer erreicht. Ein großartiger, ein einzigartiger Film!
 
Exzellente Blu-ray bzw. DVD-Ausgabe der Koch Media GmbH, die für einen Film des Alters in der bildtechnischen Qualität beispielhaft ist: englische u. deutsche Tonspur mit optional englischen Untertiteln, ungekürzt im Originalformat. Als Extras Audiokommentare von William Wellman jr. und Dick Eulian, eine 45minütige Dokumentation über Henry Fonda (auf Englisch) und eine Kurzpräsentation des Films durch Fonda selbst.
 

Western Noir | 1943 | USA | William A. Wellman | Arthur C. Miller | Anthony Quinn | Dana Andrews | Harry Morgan | Henry Fonda | Marc Lawrence | Mary Beth Hughes

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