Herrin der toten Stadt

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Bewertung
***
Originaltitel
Yellow Sky
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Gregory Peck, Anne Baxter, Richard Widmark, Robert Arthur, Henry Morgan

Regie
William A. Wellman
Farbe
s/w
Laufzeit
94 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Herrin der toten Stadt-Poster-web4.jpg Bild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Nach einem Banküberfall müssen James „Stretch“ Dawson (Gregory Peck) und seine Bande fliehen – quer die durch die Wüste, darin sie ihre Verfolger abzuschütteln hoffen. Mit letzten Kräften und halb verdurstet erreichen die sechs Männer schließlich Yellow Sky – eine Geisterstadt, die lange verlassen scheint. Doch tatsächlich lebt etwas außerhalb der Ruinen ein alter Mann (James Barton) mit seiner hübschen Enkelin Constance Mae (Anne Baxter), die von ihm Mike genannt wird. Während die Männer sich gegen den Willen der beiden Bewohner an der nahe gelegenen Wasserstelle erholen, versucht Dude (Richard Widmark) gegen Strech zu intrigieren und selbst die Führung der Bande zu übernehmen. Nicht nur hat er es auf Mike abgesehen sondern auch auf das vermeintliche Gold des Alten, das jener in einer nahe gelegenen Mine geschürft hat und verborgen hält. Doch bald müssen die Gangster erfahren, dass sich Mike und ihr Großvater zu helfen wissen…
 
Bereits mit Der Ritt zum Ox-Bow (1943) hatte William A. Wellman (Der öffentliche Feind, 1931) einen konsequent pessimistischen Western vorgelegt, der in vieler Hinsicht ein Film Noir vor historischer Kulisse gewesen war. Ähnliches gilt für Herrin der toten Stadt nach der Erzählung "Stretch Dawson" von W.R. Burnett. Sein Regisseur und der Kameramann Joseph MacDonald (Feind im Dunkel / Der weiße Schatten, 1946) sorgen für ein kontraststarkes Schwarzweiß, dass die Wüstenei in eine bizarre Ödnis verwandelt, deren Winkel, Giebel und Weiten des Menschen Feind sind. Die Natur schließt hinter seiner stets (wie) gestrigen Anwesenheit die Pforten– Yellow Sky ist bereits Grab und Mahnmal, als Stretch und Dude samt ihren Schergen dort eintreffen. Mike und ihr Großvater haben sich nicht bloß die Nacht zum Freund erkoren sondern auch die Indianer. Eine gespenstische Szene lässt sie zurückkehren, die wahren Geister dieser Welt, deren goldgetriebene Ausbeutung durch die verlorenen Seelen der Weißen so armselig wie absurd anmutet. Schnell wird klar, dass ein Finale mit Blick auf die Unversöhnlichkeit der Interessen einen Blutzoll fordern muss. Inwieweit sich Burnett und Wellman von William Shakespeares The Tempest oder gar von alttestamentarischen Quellen inspirieren ließen, sei dahin gestellt. Der Herrin der toten Stadt haftet etwas Archaisches an, und dieser eigentümlich poetische und kontemplative Film, nicht weit von denen Akira Kurosawas, profitiert sehr davon.
 
Bild Bild Bild
© Koch Media GmbH
 
Richard Widmark und Henry Morgan sind wunderbar. Anne Baxter, fast durchgehend ungeschminkt, sah niemals besser aus. Sie zeigt, dass sie die Rolle wirklich auszufüllen imstande ist und wirkt vollauf glaubwürdig. Bis ins Finale ist ihre katzenhaft rabiate Mike eine Gestalt abseits der üblichen Hollywoodklischees – vielleicht musste ihrem Charakter deshalb der Schluss die Hörner nehmen. Ja, dieses Ende… Ab den Spätvierzigern, als in den USA der heraufdämmernden McCarthy-Ära die Kommunistenangst grassierte, das Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC) und bald eine ungebremste Medienzensur den Niedergang u.a. des Film Noirs einleiteten, gab es manches dämliche Happy End, das so unglaubwürdig sein konnte, wie es wollte. Neben Fritz Langs Gardenia – eine Frau will vergessen (1953) und Sam Fullers Vierzig Gewehre (1957) ist ausgerechnet Herrin der toten Stadt ein Paradebeispiel für solch lächerlich konstruierte, letzte 3 Minuten. Mit dem Rest des Films hat dieser Schluss nichts zu tun, der das Werk um seinen Status und auch um seinen Erfolg brachte. Mancher Kritiker bemerkt bis heute, dass der (wenig bekannte) Herrin der toten Stadt John Hustons Der Schatz der Sierra Madre (auch 1948) geradezu seelenverwandt sei. Aber John Hustons Film wurde zum Meisterwerk und zum Klassiker erkoren, weil auch seine Vollendung zu 100% stimmig ist. In diesem Fall vollzog sich das Gegenteil. Es ist wahrlich ein Jammer! Denn bis 3 Minuten vor Ende serviert uns Wellman & Co. einen der eigenwilligsten Western Hollywoods – einen Anti-John-Wayne, wie er kaum hätte besser geraten können. Und deshalb ist Herrin der toten Stadt bis heute trotzdem sehenswert!
 
In England liegt der Film seit 2006 in einer via Cinema Club (2 entertain Video Ltd.) bildtechnisch exzellent restaurierten Fassung vor. Ungekürzt und im Originalformat, englische Tonspur ohne Untertitel – spartanisch aber gut. Die Koch Media GmbH bringt den Film 2011 als siebte Folge der Reihe Western Legenden, also plus deutschen Ton und optional deutsche Untertitel, den US-Kinotrailer als Extra.
 

Western Noir | 1948 | USA | William A. Wellman | W.R. Burnett | Joseph MacDonald | Gregory Peck | Harry Morgan | Richard Widmark | Anne Baxter

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