Sie waren sechs

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Bewertung
****
Originaltitel
Le dernier des six
Kategorie
Pre Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1941
Darsteller

Pierre Fresnay, Michèle Alfa, Suzy Delair, Jean Tessier, André Luguet

Regie
Georges Lacombe
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Spät in der Nacht erwarten die Freunde Georges “Jo” Gribbe (Georges Rollin), Marcel Gernicot (Lucien Nat), Henri Senterre (André Luguet), Henri Tignol (Jean Tissier) und Namotte (Raymond Segard) in einem spärlich beleuchteten Apartment ihren sechsten im Bund, Jean Perlonjour (Jean Chevrier), der in einem Spielcasino sein Glück versucht. Zum wiederholten Mal sind jene sechs Männer, die ihr Leben gemeinsam verbringen, bankrott und vom Ruin bedroht. Hat Perlonjour gewonnen oder verloren? Als sie ihn endlich vom Fenster aus erspähen, rennen die fünf ins Treppenhaus, wo Jean ihnen die frohe Botschaft von einem großen Gewinn überbringt. Noch in der gleichen Nacht treffen sie eine Vereinbarung: Das Geld soll gerecht aufgeteilt werden und die Freunde ziehen in die Welt hinaus. Erst in fünf Jahren sollen sie einander wiedersehen. Wer dann sein Glück gemacht hat, wird für diejenigen mitsorgen, die in dieser Zeit keins hatten… Fünf Jahre später ist Henri Senterre Besitzer mehrerer Nachtclubs und Cabarets, ein mehr als wohlhabender Mann, der einen luxuriösen Lebensstil pflegt. Heute hat er ein Vorsingen arrangiert, an dem auch die Chanteuse Mila Malou (Suzy Delair) teilnimmt und sich damit um eine Anstellung in Senterres Nachtclub bewirbt. Erst scheint jener angetan, dann unterbricht er die dramatische Darbietung und entlässt die Sängerin. Die kapriziöse Mila beklagt sich bei ihrem Liebhaber, dem Pariser Kriminalkommissar Wenceslas Voroboetchik (Pierre Fresnay), und fordert ihn auf, mit Senterre ein ernstes Wort zu wechseln.

 

“It would be hard to claim this as a full-scale noir (…), but it certainly has borderline noir status”, schreibt John Grant für Noirish und es stimmt Einige Jahre zuvor hatte der britische Regisseur Albert Parker den Roman Six hommes morts (EA 1931) - als Ein Cocktail mit Herrn Wenz auch auf Deutsch - von Stanislas-André Steeman als The Riverside Murders (UK 1935) erstmalig verfilmt. Warum der sechs Jahre später entstandenen französischen Verfilmung unter Geoges Lacombe ein Ruf vorauseilt, hat vor allem mit dessen Drehbuchautor zu tun, der kein anderer als Henri-Georges Clouzot ist. Zwar war Clouzot bereits seit 10 Jahren in dieser Funktion tätig, doch nutzte er seine Beteiligung an dem Projekt Geoge Lacombes, um schon im darauf folgenden Jahr mit Der Mörder wohnt Nr. 21 (FRA 1942) einen weiteren Krimanalroman des belgischen Autors Steeman zu verfilmen - L'assassin habite au 21 (EA 1939). Letzterer erschien erst 1969 als Der Mörder wohnt in Nr. 21 auf Deutsch. Zu dem Zeitpunkt war Clouzots Film sowohl in Österreich als auch in Deutschland zur Aufführung gekommen. In Clouzots erster Regiearbeit wiederholten Pierre Fesnay und Suzy Delair ihre Rollen aus Sie waren sechs, nämlich die als Kommissar Wenceslas Voroboetchik und als Chanteuse Mila Malou, zudem war auch Jean Tissier wieder mit von der Partie. Delikat für Clouzot, der mit Pierre Fresnay noch den bis heute als sein erstes Meisterstück geltenden Der Rabe (FRA 1943) drehte, war die Tatsache, dass seine ersten Erfolge als Regisseur in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und damit in die der Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten fielen. So wie Lacombe kooperierte auch Henri-Georges Clouzot mit der deutschen Continental Films, die seine Filme finanzierte, was ihm nach Kriegsende in Frankreich ein zweijähriges Berufsverbot einbrachte.

 

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Der Eindruck eines Film Noirs, wie ihn auch John Grant hier wahrtnimmt, entsteht vor allem durch Roger Lefebvres (Goldhelm / Die Sünderin von Paris, FRA 1952) wunderbar expressionistische Kameraarbeit. Die häufig in der Nacht oder in geschlossenen und kaum illuminierten Räumlichkeiten spielenden Szenen sind von einer eindrücklichen Düsternis, die von kaum einem US-amerikanischen Film Noir der Zeit erreicht wird. Noch Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) oder Entscheidung in der Sierra (USA 1941) wirken im direkten Vergleich zahm. Zu Beginn ist Sie waren sechs etwas enttäuschend, ein holpriger und noch sehr dem “Kimi“ geschuldeter Film. Mit den kaum bis gar nicht eingeführten Charakteren konnte ich mich eingangs kaum anfreunden, und der Humor zwischen Mila Malou und ihrem Kommissar "Wens" ist so enervierend wie ein Jahr später in Der Mörder wohnt Nr. 21. Vor allem Suzy Delair ist wie in anderen Filmen Clouzots nicht mein Fall; ihr Schauspiel wirkt so wie ihr Witz angestrengt und überzogen. Nicht allein die in Henri Senterres Nachtclub kunstvoll und gewagt arrangierten Szenen lassen den Zuschauer nocht heute über Sie waren sechs ins Staunen verfallen. Es ist im Ganzen ein Werk, dessen Dramaturgie immerhin nach dem ersten Drittel übers Mittelmaß hinauswächst, dessen visuelle Umsetzung für seine Zeit jedoch durchgehend beeindruckend ist. Für den Film-Noir-Freund ist Sie waren sechs nicht unbedingt ein Muss, doch empfehlenswert.

 

Sehr gut editierte deutsche DVD-Edition (2014) von Big Ben Movies im Vertrieb der Mediatarget Distribution in deren Reihe Filmclub Edition mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und totechnisch überraschend gut, insofern eindeutig nicht restauriert, dazu den französischen Originalton und eine deutsche Altsynchronisation, optional englische Untertitel, das Ganze ohne Extras.


Pre Noir | 1941 | France | Georges Lacombe | Henri-Georges Clouzot | Stanislas-André Steeman | Paul Demange | Pierre Fresnay | Suzy Delair

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