Mörder wohnt Nr. 21, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
L'assassin habite... au 21
Kategorie
Film Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1942
Darsteller

Pierre Fresnay, Suzy Delair, Jean Tissier, Pierre Larquey, Noël Roquevert

Regie
Henri-Georges Clouzot
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Paris: In einem Bistro öffnet sich nachts die Eingangstür, ohne dass jemand eintritt, so dass der Kellner Ernest (Paul Barge) sie entnervt wieder schließt. Für den betrunkenen Clochard Alfred (René Genin) ist ein besonderer Abend. Er hat im Lotto gewonnen und das mit einem Los, das er zufällig geschenkt bekam. Dies hört auch die spät noch angekommene Christiane Perret (Sylvette Saugét) mit gespitzten Ohren, aber der argwöhninsche Alfred gibt ihr eine Abfuhr, nachdem er seine Zeche gezahlt hat. Als sich Alfred auf den Weg nach Haus macht, rät ihm der Bistro-Besitzer (Léon Larive), mit soviel Bargeld in der Tasche vorsichtig zu sein. In den letzten Wochen habe es in der Nachbarschaft vier Morde gegeben und am Tatort habe man jeweils eine Visitenkarte mit dem Namen Monsieur Durant gefunden. Darüber kann Alfred nur lachen. Er hält die Geschichte für einen Verkaufstrick der Tagespresse und verlässt das Bistro. Es ist spät und die Gasse liegt menschenleer, als Alfred bemerkt, dass ihm jemand folgt. Er versucht, ein Taxi anzuhalten, doch als er sein Ziel nennt, winkt der Fahrer ab und fährt weiter. Nun bemerkt Alfred, dass es sein Verfolger offenbar auf ihn abgesehen hat, doch es ist zu spät. Der Angreifer zückt einen im Spazierstock verborgenen Degen und geht direkt auf sein Opfer zu und ersticht es. Sodann stiehlt er die Banknoten aus dem Jackett des Säufers und hinterlässt an dessen Revers seine Karte: Monsieur Durant. Am nächsten Tag bestellt der Inneminister (Antoine Balpêtré) den Polizeichef (Lucien Blondeau) ein und macht ihm ausdrücklich klar, dass er in dieser Sache dringend etwas unternehmen müsse…
 
Wer hier einen reinen Film Noir erwartet, wird enttäuscht sein, denn das ist Henri-Georges Clouzots Debüt als Regisseur nicht. Zusehr ist das Drehbuch und dessen Umsetzung mit komödiantischen Einlagen am Rande der Burleske durchmischt, wofür vor allem die turbulente Liebesbeziehung zwischen dem Polizeinspektor Wenceslas Wens (Pierre Fresnay) und der erfolglosen Sängerin Mila Malou (Suzy Delair) beiträgt. Clouzot hatte deren Verhältnis dem durch William Powell und Myrna Loy porträtierten Duo von Privatdetektiven Nick und Nora in Der dünne Mann (USA 1934) nach einer Vorlage Dashiell Hammetts nachempfunden. Doch die Wahl Suzy Delairs, einer Entdeckung Clouzots und privat zu der Zeit seine Partnerin, ist zugleich das größte Problem dieser Adaption eines gleichnamigen Kriminalromans (EA 1939) des Belgiers Stanislas-André Steeman, der neben Henri-Georges Clouzot auch am Drehbuch beteiligt war, den Film selbst jedoch negativ beurteilte. Suzy Delairs konstantes Over-Acting, ihre am Rande der Hysterie angesiedelte Interpretation der Rolle wirkt neben den Urgesteinen französischer Schauspielkunst – René Genin, Pierre Larquey und Noël Roquevert sind grandios – ebenso übertrieben wie angetrengt. Delair und Fresnay hatten bereits in dem 1941 gedrehten Sie waren sechs (FRA 1941) die gleichen Rollen innegehabt. Dieses Werk von Georges Lacombe nach einem Roman Steemans und mit Clouzot als Drehbuchautor war beim Publikum und bei der Kritik ein Erfolg. Er brachte Clouzot seinen ersten Vertrag als Regisseur, der nun mit Der Mörder wohnt Nr. 21 das Erfolgsrezept des ersten Films fortführte.
 
 
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Was den Film neben seinen bis in Nebenrollen wunderbaren Charakterdarstellern allerdings ausmacht und ihn sowohl für die Aufnahme in dieses Portal legitimiert als ihm auch knappe vier Sterne in der Bewertung einbringt, ist die Handschrift seines Regisseurs und Co-Autors. Nicht nur überrascht die teils drastische Gewaltdarstellung sondern auch die Freizügigkeit der sexuellen Anspielungen, der Affären und unehelichen Beziehungen, die in der Art in einem Hollywoodfilm noch bis in die Spätfünfziger undenkbar gewesen wären. Die Kriminalhandlung mit der Untersuchung durch Wens und die sukzessive Enttarnung des Mörders entbehrt teils schlagartig des Humors und zeigt sich von der dunklen, abgründigen Seite. Ein Polizeiverhör wird für Doktor Théodore Linz zur Tour de Force, eine Romanidee erweist sich für die Autorin Mademoiselle Vania als fatal. Die Charaktere sind allesamt obskure Einzelgänger und bizarre Geheimnisträger, deren Grundlagen der Existenz meist undurchsichtig und keineswegs nur legal sind. Das Panoptikum von Außenseitern wird ergänzt durch eine klar dem Expressionismus geschuldete, innovative Kameraarbeit Armand Thirards, Clouzots auch in Zukunft wichtigstem Kameramann, der die Nacht in tiefe Schatten taucht und dem Film seinen Film-Noir-Charakter einhaucht. Alles in allem ist Der Mörder wohnt Nr. 21 kein großer Film, doch das allemal sehenswerte Debüt eines Meisterregisseurs, der noch alles vor sich hatte.
 
Erstklassige englische DVD-Edition (2013) der Eureka Entertainment, die den bild- und tontechnisch via Gaumont topp restaurierten Film mit französischer Tonspur und englischen Untertiteln präsentiert, unkgekürzt im Originalformat, dazu ein Interview mit Ginette Vincendeau als Extra sowie ein 28seitiges Booklet mit Texten von Judith Mayne, Christopher Lloyd und Jean Cocteau plus einigen Filmfotos. Besser geht es im Grunde kaum.
 

Film Noir | 1942 | France | Henri-Georges Clouzot | Henri-Georges Clouzot | Stanislas-André Steeman | Armand Thirard | Noël Roquevert | Pierre Fresnay | Pierre Larquey | René Génin | Suzy Delair

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