Spieler ohne Skrupel

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Bewertung
****
Originaltitel
The Gambler
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1974
Darsteller

James Caan, Paul Sorvino, Lauren Hutton, Morris Carnovsky, Jacqueline Brookes

Regie
Karel Reisz
Farbe
Farbe
Laufzeit
110 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures Corporation

New York: Der Literaturprofessor Axel Freed (James Caan) verbringt die Nacht im Spielcasino von Hips (Paul Sorvino) und ist mit einem geradezu manischen Eifer bei der Sache. Axel Freed setzt allerorten hohe Einsätze. Ob beim Roulette, beim Black Jack, beim Baccara, er ist immer mit dabei und verliert so schnell, wie er seine Einsätze empor schraubt. Wenn ihn Hips an das Gobotslimit im Haus erinnert, verliert Freed die Fassung und wird aggressiv, dabei ist es Hips, bei dem er nach dieser Nacht 44.000 US-Dollar Schulden angehäuft hat. Weil er jedoch nie auf einen Rat hört und immerfort verliert, macht sich Berufsspieler “Monkey“ (London Lee) sogar über ihn lustig… Auf der Straße ist es bereits Tag und Freed steigt in seinen Ford Mustang Cabriolet und begibt sich auf den Weg zur Arbeit. In einer Seitenstraße sieht er einige Jugendliche (Leon Pinkney, Lawrence Hilton-Jacobs) beim Baskettball und Freed steigt aus und wettet gegen sie, doch erneut verliert er … Als er in der Universität ankommt, trifft er im Eingang seinen Studenten Spencer (Carl W. Crudup), dem die nach einer schlaflosen Nacht desolate Verfassung seines unrasierten Professors auffällt. Freed erfrischt und rasiert sich auf der Toilette und hält im Anschluss eine Vorlesung über Fjodor Dostojewski. Heute geht es ihm darum, die Logik des russischen Schriftstellers aller Banalität des Selbstverständlichen zu entheben und sein Konzept eines freien Willens zu erörtern. Für Seitenhiebe seiner Zuhörerschaft hat er währenddessen jedoch nicht viel übrig…

 

“The only thing that's standing between your skull and a baseball bat is my word.” Für den aufgeschlossenen Cineasten gibt es kaum Gründe, diesen Film nicht zu mögen. Seine lebenssatte Geschichte (Debüt ihres Autors James Toback, Bugsy, USA 1991), all seine Schauspieler und die von ihnen porträtierten Charaktere, die knackige Regieleistung von Karel Reisz (Dreckige Hunde, USA 1978) und die von Victor J. Kemper (Hundstage, USA 1975) wunderbar eingefangenen Drehorte, all das kulminiert in einem rundum pointierten Drama mit Neo-Noir-Einschlag. So mancher Freund des Kinos der 70er Jahre weist mit Blick auf die Leistung James Caans (Der Einzelgänger, USA 1981) heute darauf hin, bei dem in Vergessenheit geratenen Film handele es sich de facto um einen sträflich ignorierten Klassiker. Spieler ohne Skrupel setzt sicher einen Kontrapunkt zu den überhitzten Action-Filmen jener Jahre, indem es sich um die Schnittstelle von Kapital und Verbrechen, um die vom Glücksspiel angezogene bürgerliche Mitte der US-Gesellschaft kümmert. Der Zuschauer erkennt die Wurzeln der Tradition, wenn die Familie aus Anlass des achtzigsten Geburttags von Onkel A. R. Lowenthal (Morris Carnovsky) dessen Erfolgsgeschichte aus dem berufenen Mund ihres der Kulturgeschichte zugeneigten Sprösslings Axel Freed, Professor der Literatur, einmal mehr zu zelebrieren und zu genießen weiß. Harte Arbeit, so die Moral dieser Fabel, habe letztlich aus der Armut des Emigrantenschicksals zu Wohlstand und zu Reputation in der US-Gesellschaft geführt. Axel Freed ist das nicht nur egal, er steht geradezu im Widerspruch zu einem solchen Lebensentwurf. Freed berauscht sich an der Ambivalenz und an den Möglichkeiten des Verlusts aller Sicherheiten seiner bürgerlichen Sphäre. Keine Gelegenheit lässt er aus, im Glücksspiel das Risiko und den Nervenkitzel zu suchen. Um zu gewinnen, so versucht er sich selbst und seiner Freundin Billie (Lauren Hutton) einzureden. Aber wie Billie beschleicht auch den Zuschauer im Lauf der Tour de force seiner Eskapaden das Gefühl, das dem keinesfalls so ist. Erst das Finale und der Schluss lassen die Katze aus dem Sack, und genau das zeichnet Reisz’ Drama bis heute aus: Nicht einmal dessen Geschichte ist, was sie zu sein scheint.

 

Spieler ohne Skrupel hatte unter den Filmkritikern der 70er Jahre nicht nur Freunde; ein Publikumserfolg wurde der Film auch nicht. Dafür ist er zu sehr schwere Kost, denn über eine Strecke von 110 Minuten ist es für den Zuschauer mitunter eine Herausforderung, dem selbstzerstörerischen Treiben des Alphatiers Axel Freed zu folgen. Mit exquisiten Leistungen von Paul Sorvino und Lauren Hutton sowie mit jeweils ebenso erstklassigen Auftritten von James Woods und M. Emmet Walsh gehört Spieler ohne Skrupel in den Kanon jener Neo Noirs der 70er Jahre, die der Connaisseur gesehen haben sollte. Ein im Jahr 2014 von Ruper Wyatt nach der von William Monahan (Departed - Unter Feinden, USA/HK 2006) überarbeiteten Vorlage Tobacks inszeniertes Remake als The Gambler brachte Mark Wahlberg, Brie Larson und Jessica Lange in den Hauptrollen. Wyatts Film ist bei den Kritikern und beim Publikum extrem schlecht weggekommen - allemal zu Unrecht, wie ich finde. Mit Blick auf den Professor der Literatur hat Monahan das Remake aufgewertet; hier schneidet Wahlberg mit einer geradezu leidenschaftlichen Performance besser als Caan ab. Auch die Figuren der Mutter und der Freundin gewinnen im Remake mehr an Hintergrund, und es tut ihren Beziehungen zum Protagonisten sichtlich gut. Die Nüchternheit und Härte, die Reisz Original an den Tag legt, hält das Remake leider nicht durch. Dennoch sehe ich beide Fassungen als nahezu gleichwertig an. Leider ist Spieler ohne Skrupel als DVD aktuell nur in den USA erhältlich, aber der Film lohnt sich allemal.

 

Sehr gute, allerdings nur in den USA erschienene DVD-Ausgabe (2002) der Paramount Pictures mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton und eine französische Tonspur, optional englische Untertitel, das Ganze ohne Extras.

 


Neo Noir | 1974 | USA | Karel Reisz | Antonio Fargas | Burt Young | James Caan | James Woods | M. Emmet Walsh | Morris Carnovsky | Vic Tayback | Lauren Hutton

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