Dreckige Hunde

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Bewertung
****
Originaltitel
Who'll Stop The Rain
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1978
Darsteller

Nick Nolte, Tuesday Weld, Michael Moriarty, Richard Marus, Anthony Zerbe

Regie
Karel Reisz
Farbe
Farbe
Laufzeit
121 min
Bildformat
Widescreen
 

 
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© United Artists Corporation
 
Vietnam, 1971: Der Kriegsberichterstatter John Converse (Michael Moriarty) erlebt an der Front das Grauen des Krieges. Bei der dubiosen Charmian (Gail Strickland) bezieht er zwei Kilogramm reines Heroin, die er in die USA schmuggeln möchte. Sein Freund, der Marineinfanterist Ray Hicks (Nick Nolte) begleitet Nachschubtransporte auf dem Seeweg von und in die Heimat. Zuerst weigert sich Hicks, der bis dahin nur mit Marihuana zu tun gehabt hatte. Schließlich bringt er das Heroin an Bord eines Frachters mit Kriegsgerät sicher nach Oakland, Kalifornien, wo er schon bald mit Marge Converse (Tuesday Weld), Johns Ehefrau, Kontakt aufnimmt. Sie arbeitet in der Buchhandlung ihres Vaters (Stuart Wilson), ist selbst drogenabhängig und Mutter der kleinen Janey (Shelby Balik). Doch bei der Übergabe des Heroins durch Ray kommt plötzlich alles anders, als es gedacht war...
 
"You gotta' change with the times." - "The times are fucked. Why do I gotta' sit around looking at these poor junkies?" Sowohl im Verzeichnis aller Film Noirs bei Wikipedia als auch in Paul Duncans Film Noir – Films of Trust and Betrayal (EA 2006) findet sich Who’ll Stop The Rain, wie Dreckige Hunde im Original heißt, in je einer Liste relevanter Neo Noirs der 70er Jahre aufgeführt. Hatte der Zweite Weltkrieg den Stil und die Themenkreise des Film Noirs in den USA mitgeprägt, ist es die Generation der Vietnamsoldaten, deren Traumata und Desillusionierung hier im Kunstraum eines Filmdramas gespiegelt werden. Post Watergate und post Vietnam hatte sich das durch New Hollywood entwickelte US-Kino nochmals stärker des Film Noirs angenommen. Die Jahre 1973 bis 1975 hatten mit einer Reihe von Neo Noirs, nicht nur im Retro-Stil, gezeigt, was darin an Potential steckte. So erinnert Dreckige Hunde nicht von Ungefähr etwa an Arthur Penns Die heiße Spur (USA 1975), was seinen schier grenzenlosen Nihilismus betrifft.
 
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© EuroVideo Medien GmbH
 
In einem Aufsatz über Nick Nolte hat ein Kritiker seine Darstellung in Dreckige Hunde als kompromisslos bezeichnet und genau das ist der ganze Film. Entwurzelte Charaktere versuchen, das große Geld zu machen und sich aus den sozialen und politischen Banden der Alltagswirklichkeit Made in USA zu befreien. Der Marineinfanterist Ray Hicks liest Friedrich Nietzsche – ebenso wie der Kriegsberichterstatter John Converse. Den Schmuggel von zwei Kilogramm Heroin nach Kalifornien, diesen Transfer von Rauschgift in eine Gesellschaft, deren Degeneration für Hicks nicht nachvollziehbar ist, beurteilt Converse als das erste Vernünftige, was er in seinem Leben je getan hat. Jeder will aus seinem Hier und Jetzt heraus, den vollends korrumpierten American Dream hinter sich lassen, was nur mit dem Werkzeug des Traums zu bewerkstelligen ist, mit Geld. Hier trifft sich Dreckige Hunde mit dem klassischen Film Noir, der sich von Frau ohne Gewissen (USA 1944) über Der blonde Tiger (USA 1949) bis zu Schachmatt (USA 1954) des Themas in artverwandter Weise annahm. “All my life I've been taking shit from inferior people. No more.“ äußert Ray Hicks in Dreckige Hunde. Karl Reisz führt mit sicherer Hand Regie und Kameramann Richard H. Kline sorgt für Bilderwelten, die weit mehr Film Noir sind, als die gängigen Aushangfotos ahnen lassen. In der Hauptrolle ist der damals 37jährige Nick Nolte streckenweise grandios.
 
EuroVideo bringt eine Lizenz von MGM mit deutschem und englischem Ton, leider ohne Untertitel. Die bildtechnische Restauration ist mit Blick auf Farbwerte und Kontrastschärfe hervorragend und vereinzelt grobkörnige Totalen sind offensichtlich bereits im Ausgangsmaterial von minderer Qualität. Im Ganzen eine hochwertige Edition!
 

 

Neo Noir | 1978 | USA | Karel Reisz | Michael Moriarty | Nick Nolte | Tuesday Weld

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