London Boulevard

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Bewertung
**
Originaltitel
London Boulevard
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/UK
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Colin Farrell, Keira Knightley, David Thewlis, Anna Friel, Ben Chaplin

Regie
William Monahan
Farbe
Farbe
Laufzeit
99 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
© Universal Pictures
 
London: Der Gangster Harry Mitchel (Colin Farrell) wird nach drei Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung aus dem Gefängnis entlassen. Vor den Toren wartet bereits sein alter Kumpel Billy Norton (Ben Chaplin) in einem Lieferwagen und holt ihn ab. Billy und “Mitch“ fahren zu einer luxuriös eingerichteten Wohnung, die einem Dr. Anthony Trent (Jonathan Cullen) gehörte, aber nun an Billys Boss, den Mobster Rob Gant (Ray Winstone) gefallen ist. Billy bietet die Wohnung Mitch als Bleibe an, da er in Zukunft ja wieder mit ihm zusammen arbeiten werde. Doch Harry Mitchel erklärt Billy, dass er aussteigen und sich eine richtige Arbeit suchen wolle, denn seine Tage als Gangster seien gezählt. Billy nimmt das nicht ernst und lädt den Kumpel erstmal zu einer Willkommensparty ein, die die Londoner Unterwelt heute Abend in einem edlen Etablissement für ihn organisiert habe. Auf dem Weg dorthin bemerkt Mitch, wie eine junge Frau (Ophelia Lovibond) an einem Geldautomaten von zwei Jugendlichen bedroht wird, die er im Nu verscheucht. Auf der Party trifft Mitch, dem stets sein Ruf als kompromisslos harte Hand vorauseilt, so allerlei Leute aus früheren Tagen, auch seinen Freund Danny (Stephen Graham), der als Kontakt zu Gant fungiert. Danny informiert Mich, dass auch dessen extrem labile, alkoholabhängige Schwester Briony (Anna Friel) auf der Party sei. Letztere ist soeben mit einem jungen Kerl auf dem Weg in den Keller und Mitch gelingt es gerade noch rechtzeitig, sie vor einer Vergewaltigung zu bewahren und in einem Taxi nach Hause zu schicken…
 
“Equally indebted to Martin Scorsese, Guy Ritchie, and Giorgio Armani, London Boulevard represents the apotheosis of style over substance”, schreibt Jesse Cataldo für das Slant Magazine und liegt mit seiner Einschätzung absolut richtig. Der ex-Häftling, der um seine Rückkehrt in die Gesellschaft ringt und sich am Schopf aus der eigenen Vergangenheit ziehen muss, ist ein Standard schon des klassischen Film Noirs. James Cagney in Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (USA 1938), Humphrey Bogart in The Big Shot (USA 1942) oder Steve Cochran in Verfolgt (USA 1950) waren alle in der gleichen Situation wie Farrells Harry Mitchel. Im Neo Noir wurde das Leitthema endgültig ausgereizt. Von Sam Peckinpahs Getaway (USA 1971) über Walter Hills Johnny Handsome - Der schöne Johnny (USA 1989) und James Grays The Yards - Im Hinterhof der Macht (USA 2000) bis zu George A. Pappy jr.‘s Few Options (USA 2011) waren die Protagonisten immer ex-Häftlinge. Ob alt oder neu, diese Filme sind alle besser als William Monahans Regiedebüt, der als Autor fürs Remake von Infernal Affairs – Die achte Hölle (HK 2002) verantwortlich war, das für Regisseur Martin Scorsese als Departed - Unter Feinden (USA/HK 2006) zum Erfolg wurde. Während die ersten 15 bis 20 Minuten in London Boulevard vielversprechend scheinen, ist mit dem ersten Auftritt Keira Knightleys als Supermodel und Filmstar Charlotte, bei der Mitch als Leibwächter anheuert, die Magie verflogen. Sicher! Viele der in Nebenrollen unterforderten Darsteller - David Thewlis, Stephen Graham, Eddie Marsan, Annie Friel und Sanjeev Bhaskar - zeigen hochwertige Leistungen. Colin Farrell und Keira Knightley überzeugen jedoch weder miteinander noch für sich allein in der Haut ihrer Rollencharaktere.
 
Was in Monahans Adaption von Ken Bruens gleichnamigen, in Deutschland beim Suhrkamp-Verlag erschienenen Roman (2007) an Klischees verbraten wird, geht auf keine Kuhhaut. Am schlimmsten ist die beispiellos alberne bis dümmliche Figur der Charlotte, eine hochtrabend postpubertäre Göre, deren Problemniveau bestenfalls unfreiwillig komisch daherkommt und die den Film zur Satire seiner selbst verkümmern lässt. Unfassbar klischeehaft ist auch Rob Gant in der Verkörperung durch Ray Winstone, eine zur Groteske entstellte Westentaschenversion von Jack Nicholsons irischem Gangster Frank Costello in Scorseses Departed – Unter Feinden. In London Boulevard gibt es letzten Endes nichts, was man nicht schon besser gesehen hätte, zugleich vieles, was dank einer strafferen Regie unbedingt hätte besser ausfallen müssen. William Monahan gelang mit dem Drehbuch zu Rupert Wyatts The Gambler (USA 2014) - wieder ein Remake und zwar von Steve Tobacks Vorlage zu Karel Reisz‘ Spieler ohne Skrupel (USA 1974) - eine Rückkehr zur Form. Nach dem ebenfalls missglückten Neo Noir Dead Man Down (USA 2013) übernahm Colin Farrell eine zentrale Rolle in der zweiten Staffel von True Detective (USA 2015).
 
Bild- und tontechnisch sehr gute BD- und DVD-Editionen (2012) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die deutsche und die englische Tonspur, dazu optional englische und deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2010 | UK | William Monahan | William Monahan | Chris Menges | Colin Farrell | Eddie Marsan | Ray Winstone | Stephen Graham

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