Over-Exposed

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Bewertung
**
Originaltitel
Over-Exposed
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

Cleo Moore, Richard Crenna, Isobel Elsom, Raymond Greenleaf, Constance Towers

Regie
Lewis Seiler
Farbe
s/w
Laufzeit
80 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
Eine Polizeistreife hat mehrere Frauen wegen illegaler Prostitution in Gewahrsam genommen, unter ihnen Lily Krenshka (Cleo Moore). Der diensthabende Sergeant (Robert Williams) gibt ihnen lediglich Zeit, ihre Sachen zu packen und mit dem nächsten Überlandbus die Stadt zu verlassen. Lily ist empört, denn sie ist erst am gleichen Tag hier angekommen, hat keine Bleibe und ist sich auch keiner Schuld bewusst. Auf der Straße lernt sie den Fotografen Max West (Raymond Greenleaf) kennen, einen älteren Herrn, von dem sie das Foto einfordert, das er von ihr beim Betreten des Präsidiums geschossen hat. Der abgeklärte West hat nichts dagegen und lädt Lily, die eh nicht weiß wohin, zu sich nach Hause ein, wo er sie zu ein paar Modellaufnahmen für Bademoden überreden kann. Lily fasst im Verlauf ihres Gesprächs den Plan, selbst eine Fotografin zu werden und sich von Max das technische Know-how beibringen zu lassen, indessen sie seine Assistentin wird und dem Alkoholiker, der er ist, damit hilft sein Einkommen zu sichern. Max West zeigt ihr ein paar seiner Portraitaufnahmen aus besseren Zeiten, da er einiges an Ansehen genoss, unter anderem von einer Dame der besseren Gesellschaft in New York, Mrs Payton Grange (Isobel Elsom). Nach ein paar Monaten hat Lily sich angeignet, was sie glaubt wissen zu müssen, und macht sich mit einer von Max zum Abschied erhaltenen Kameraausrüstung auf den Weg nach New York, wo sie unterm Namen Lila Crane nun selbst eine Karriere als Fotografin anstrebt…
 
“But again, here is an absolutely delightful noir, suspenseful, interesting characters, certainly an original plot, and somehow endearing,“ schreibt Stephen Finn in seiner Rezension mit dem Titel Boston Film Noir: Over-Exposed für das Portal Examiner.com. Der Anlass dafür war das Erscheinen der 2DVD-Edition Bad Girls Of Film Noir Volume 2 (2010), die unter ihrem vielversprechenden Titel vier Film Noirs mit einer signifikanten Frauenbesetzung aus den Archiven der Columbia Pictures Corporation der 50er Jahre zusammen führte. Natürlich freut es den Cineasten, wenn sich die großen Studios selbst ihre B-Filme bild- und tontechnisch erstklassig restauriert auf den Markt bringen. Das Problem mit Over-Exposed ist, dass der Film nicht ansatzweise der Beschrebung Stephen Finns entspricht. Er ist trotz seiner nur 80 Minuten Spielzeit extrem langweilig, seine Charaktere sind so flach wie jede einzelne Seite des Drehbuchs und die Geschichte so vorhersehbar und klischeebeladen, dass sie vor unfreiwilliger Komik nur so strotzt. Das Debakel beginnt mit der Hauptdarstellerin Cleo Moore, die ab den Spätvierzigerin als bessere Statistin auch im Film Noir auftrat, u.a. in Der Henker saß am Tisch (USA 1950) und etwas prominenter mit Robert Ryan in Nicholas Rays On Dangerous Ground (USA 1951). Hier lieferte sie die allemal solide Darstellung einer Prostituierten. Das führte zur Zusammenarbeit mit Hugo Haas, Schauspieler, Autor und Regisseur zahlloser B-Produktionen, mit dem sie zwischen 1952 und 1957 sieben Filme drehte, die meisten davon Film Noirs und die meisten Flops. Also hängte sie nach Mörderische Falle (USA 1957) ihre Karriere als Schauspielerin an den Nagel. Jenen Kultstatus, den B-Film-Freunde ihr heutzutage andichten, entbehrt jedoch der Grundlage guten Schauspiels, wie Over-Exposed von A bis Z beweist.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
Die Wasserstoffblondine Cleo Moore entsprach dem männlichen Zeitgeschmack und das war das Geheimnis ihres kurzlebigen Erfolgs. In der McCarthy-Ära wurde die Femme fatale vom trotzigen Mädchen abgelöst; so ist auch das Ende dieses B-Films ein Zugeständnis an Moral und Anstand in den USA der Fünfziger, ungeachtet der materialistischen Attitüde, wie sie die Fotografin Lila Crane zu Schau stellt und die den Zuschauer auf eine Zuspitzung dessen höffen lässt: “Where there's money, there's Lila. Green becomes me.“ Solches führt schon zur nächsten Frage, die die Auswahl der oben erwähnten 2DVD als fraglich erscheinen lässt. Ist Over-Exposed ein Film Noir? Seine Figuren sind brave Bürger und verhalten sich vollendet rollenkonform, allen voran die erfolgsbesessene Fotografin Lila Crane, deren Karriere vom Reißbrett sich in lächerlich unangemessener Weise in luftige Höhen schraubt. Nur in den letzten 10 Minuten bekommt der Zuschauer ein wenig “Film Noir light“ geboten, wenn aus dem Nichts ein paar Schurken unserer Heldin auf den Pelz rücken, die ihr (unbewaffneter) Liebhaber Russell Bassett (Richard Crenna), Reporter von Beruf, mit ein paar Fausthieben unschädlich macht, so dass dem Happy End bald nichts im Weg steht. Wie immer man dieses Wunderwerk eines B-Films titulieren mag, sein Finale bezeugt den Ausverkauf des Film Noirs Mitte der 50er. Over-Exposed ist auch mit Blick auf Drehbuch und Dramaturgie so dermaßen lausig, dass man ihn am besten nie wieder ausgegraben hätte.
 
Der Film erschien ungekürzt und im Originalformat, mit englischem Originalton inklusive optional englischer Untertitel als einer der insgesamt 4 Filme beinhaltenden 2DVD (2010) Bad Girls of Film Noir Volume 2 der Sony Pictures Home Entertainment Inc. in den USA, den Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1956 | USA | Lewis Seiler | Richard Crenna | Cleo Moore | Constance Towers

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