Browns Requiem

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Bewertung
****
Originaltitel
Brown's Requiem
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

Michael Rooker, Will Sasso, Kevin Corrigan, Selma Blair, Jack Conley

Regie
Jason Freeland
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild Bild
 
Los Angeles: Der Privatdetektiv Fritz Brown (Michael Rooker) sitzt in einer Stripbar am Tresen und versucht sich daran zu erinnern, wieso er überhaupt hier ist. Fritz Brown war sechs Jahre beim Los Angeles Police Department und tat seinen Dienst in Hollywood. Ein Alkoholproblem ließ ihn den Beruf aufgeben, doch Gebrauchtwagenhändler Bud Myers (Jack Wallace) stellte ihn als Repo Man ein - als jemanden, der ungefragt und unangekündigt all jene Autos wieder vorfährt, für die keine Leasingraten mehr bezahlt werden. Fritz Brown erledigte einen Auftrag pro Tag, aber Myers bezahlte ihn so gut, dass er als Ein-Mann-Unternehmen eine Privatdetektei eröffnete. Eines Abends erschien dort der professionelle Caddie “Fat Boy“ Baker (Will Sasso), der Brown beauftragte, seine 17jährige Schwester Jane Baker (Selma Blair) aus den Fängen des dubiosen und reichen Geschäftsmanns Solly Kupferman (Harold Gould) zu befreien. Jener wurde von allen Solly K genannt und hatte über den Junkie Edwards (Brad Dourif) als Strohmann den niedergebrannten Nachtclub Utopia besessen. Brown findet schnell heraus, dass Fat Boys Bedenken, Jane ließe sich von Kupferman aushalten und habe Sex mit ihm, keinesfalls unberechtigt sind. Als er Solly K nach dessen Besuch eines Liquor Stores zu einer außerhalb der Stadt gelegenen Tankstelle folgt, sieht er, wie jener zwei große Papiertüten an Haywood Cathcart (Brion James) übergibt - den Polizeichef von Los Angeles und damit ehemals auch Browns. Spätestens jetzt weiß der Detektiv, dass er in ein schwer durchdringliches Netz aus Korruption und Verbrechen hinab zu trudeln droht…
 
“I can’t remember if I had my first drink to celebrate my good fortune, or to greet my losses.“ So lautet der Auftakt dieser Erzählung aus dem Mund des Detektivs Fritz Brown, der darauf dem Zuschauer in einer einzigen, langen Rückblende seine Geschichte erzählt. Und Michael Rooker, der diesen Privatdetektiv und Alkoholiker darstellt, ist der Schauspieler, der solchen Neo Noir nach dem Debütroman Brown’s Requiem (EA 1981) aus der Feder von James Ellroy nahezu allein trägt. In der Manier von Paul Newman oder Gene Hackman trinkt und quatscht und fährt und prügelt sich Rooker durch diesen Old-School-Thriller mit dem Flair der Siebziger und einer Erzählung wie aus einem Raymond-Chandler-Buch der Vierziger, dass es eine Freude ist. Solche Freude ist eine von und für Cineasten, denen eine verschachtelte Erzähltechnik, flinke Einzeiler voller Weltschmerz und Weltverachtung, ein gebrochener Anti-Held und ein rundum geruhsames Tempo zugunsten reihenweise schräger Charaktere ein Genuss ist. Im Übrigen sind es Darsteller aus der zweiten, dritten Reihe, die in Großproduktionen stets hinter der Riege von Stars und in Spezialeffekten verschwinden, die dem Film seine Atmosphäre verleihen - ausdrucksstarke Typen wie Jack Wallace, Barry Newman, Tobin Bell, Jack Conley. Brown’s Requiem ist ein B-Film der Neunziger, der im Windschatten von L.A. Confidential (USA 1997) und den Erfolgen Quentin Tarantinos entstand, doch kaum überhaupt im Kino lief, bevor er dann im Videomarkt verschwand.
 
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„Ein kleines Requiem für den Film Noir, Verbeugung vor den Klassikern, schnörkellos und schön räudig ins Los Angeles der 90er Jahre transferiert“, schrieb Robert Weixlbaumer im Jahr 2000 für das Berliner Magazin Tip. Im Grunde läuft der Film, einerseits Produkt der 90er und andererseits als klassischer Noir sich dem Zeigeist seiner Ära nicht anbiedernd, mit exzellenten Schauplätzen und mit dem ebenso exzellenten Hauptdarsteller mancher A-Produktion den Rang ab. Dass das „Wie“ übers „Was“ triumphiert, ist stimmig und offenbart dennoch die Schwäche des Werks – seine Handlung selbst. Sie ist weniger originell, als es einem der Erzähler aus dem Off, Fritz Brown, eingangs weismachen will. So bizarr die Charaktere sind, so sehr weist die Geschichte viele bekannte Versatzstücke des klassischen Film-Noir-Universums auf. So erinnert manches an Chinatown (USA 1974) und anderes an die extrem verschachtelte Erzählweise Chandlers, z.B. in der Howard-Hawks-Verfilmung von Tote schlafen fest (USA 1946). Wer als Freund des Film Noirs und des Neo Noirs an einer augenzwinkernden und doch zupackenden Hommage an die Klassiker interessiert ist, sollte Brown’s Requiem eine Chance geben. Ein Meisterwerk ist der Film nicht, aber mit Bezug auf seine genannten Qualitäten macht nicht zuletzt Ellroys Interesse an der sprachlichen Authentizität seiner Film-Noir-Geschichte die Sache enorm kurzweilig: “I thought a little PI work would keep my mind off drinking. Well, that was my first mistake.“
 
Sehr gute DVD-Edition (1999) der Sterling Home Entertainment, die seinerzeit in den USA ohne Regionalcode erschien, bildtechnisch topp mit dem Film ungekürzt im Originalformat 2.35:1, das auf dem PC letterboxed erscheint, auf dem DVD-Player mit LCD-Monitor hingegen in ganzer Breite. Englischer Originalton mit wahlweise spanischen Untertiteln, dazu einen Audiokommentar von Regisseur Jason Freeland und Michael Rooker als Extra. Die deutsche DVD (2001) der MCP Sound & Media AG beinhaltet den Film im falschen Bildformat (4:3), ohne die englische Tonspur und ohne Extras.
 

Neo Noir | 1998 | USA | Jason Freeland | James Ellroy | Barry Newman | Brad Dourif | Brion James | Jack Conley | Jack Wallace | Lee Weaver | Michael Rooker | Selma Blair

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