Ghost Dog - Der Weg des Samurai

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Bewertung
****
Originaltitel
Ghost Dog: The Way of the Samurai
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/GER/USA/JPN
Erscheinungsjahr
1999
Darsteller

Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Isaach De Bankolé, Henry Silva

Regie
Jim Jarmusch
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Jersey City, New Jersey, in direkter Nachbarschaft zu New York: Hier lebt der Auftragsmörder Ghost Dog (Forest Whitaker) in einer Hütte auf dem Dach einer verlassenen Mietskaserne über den Dächern der Stadt. Seine Instruktionen erhält er von einem Mitglied der Mafia, Louie Bonacelli (John Tormey). Zu ihm tritt Ghost Dog einzig mittels Brieftauben in Kontakt, die er in einem Verschlag neben seiner Hütte hält. Heute liest Ghost Dog in dem Buch Hagakure über den Weg des Samurai, dem zu folgen er sich verschrieben hat. Dann verlässt er sein Dach und steigt mit einem Koffer in der Hand hinab in die Nacht. Wie unsichtbar zieht er stets in deren Rücken an Menschen vorüber, die vereinzelt noch die Stadt bevölkern, bis er an einer entlegenen Stelle ein Auto sieht. Mit einer elektronischen Apparatur, einer Art Fernbedienung, knackt Ghost Dog das Schloss und zündet den Motor. Und so ruhig fließend, wie er geht, so fährt er durch die fast menschenleere Architektur zu seinem Ziel… Indessen trifft in der Hinterstube eines chinesischen Imbisses Mafiaboss Ray Vargo (Henry Silva) mit seiner rechten Hand Sonny Valerio (Cliff Gorman) zusammen. Valerio erkundigt sich bei Louie nach den Fortschritten in der Sache mit Handsome Frank (Richard Portnow), der sich mit der 17jährigen Louise (Tricia Vessey), Vargos Tochter, eingelassen hat. Louie erläutert Valerio, dass die Geschichte in dieser Nacht bereinigt würde und er seinen besten Mann darauf angesetzt habe, nachdem Louise an der Küste sei. Dennoch, so gibt Bonacelli gegenüber Valerio zu, habe er ein ungutes Gefühl dabei …
 
„Inhaltlich lässt sich Ghost Dog sowohl dem französischen film noir (Le Samuraï, FRA/ITA 1967) als auch dem klassischen noir (This Gun for Hire, USA 1942) nahe bringen“, schlussfolgert Caspar Clemens Mierau in seiner Studie Ghost Dog noir (2002) anlässlich des Vergleichs von Jim Jarmuschs Neo Noir mit seinen Einflüssen und Inspirationsquellen. Tatsächlich ist Ghost Dog - Der Weg des Samurai in groben Zügen eine exakte Paraphrase des frühen Neo Noirs Der eiskalte Engel (Originaltitel Le Samuraï) von Großmeister Jean-Pierre Melville, dessen Werk Jarmusch im Abspann seines Films auch erwähnt. Seinerseits wurde Melville von Frank Tuttles Die Narbenhand / Killer zu vermieten (Originaltitel This Gun for Hire) nach einem Roman Graham Greenes inspiriert, der wiederum einen stilbildenden Film Noir aus dem Hollywood der Frühvierziger darstellt. Doch abgesehen von diesen offensichtlichen Quellen erweist sich Jim Jarmusch als Kenner der Film-Noir-Tradition, der auch tendenziell wenig bekannte Werke als Ressourcen zu nutzen weiß. Als Ghost Dog einen Mafiosi durch einen gezielten Schuss tötet, der aus dem Abfluss eines Waschbeckens das Opfer in die Stirn trifft, ist diese Art einer unsichtbaren Zielnahme ein direktes Zitat aus Seijun Suzukis noch in Schwarzweiß gedrehtem Branded To Kill (JPN 1967). Und dass solcher Film Noir, der zudem eine ganz ähnliche Geschichte bebildert, eins der besten Beispiele aus Japan ist, kann in Ghost Dog - Der Weg des Samurai natürlich kaum als Zufall gelten.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Die Geschichte dieses Films ist wahrlich nicht neu. Es ist eine Erzählung, die Vorbildern nacheifert. Aber das liegt beim Neo Noir fast in der Natur der Sache und so gelingt Jim Jarmusch doch, worauf es ankommt, nämlich durch das Wie seinem Werk eine ureigene Handschrift zu verleihen. Von den exzellent gewählten Darstellern über die fantastische Kameraarbeit Robby Müllers bis zum Soundtrack von RZA (Wu-Tung Clan) stimmt so ziemlich alles. Die Wahl der Schauplätze sorgt für eine atmosphärische Dichte, die andere Großstadtthriller wie Bühnenkulissen aussehen lassen. Auch das Mafiaporträt - solche spießigen Handlanger, die sich konträr zu den Drahtziehern nicht nur als Kleinbürger gebärden, sondern es auch sind - ist wunderbar treffsicher. Und dann ist es natürlich Forest Whitakers Film, um den herum Jarmusch nach eigenen Angaben die Geschichte überhaupt anlegte und der für ihn persönlich der Start ins Projekt war. Das Drehbuch steckt voller Film-Noir-Anleihen, - die Wunde der eigenen Vergangenheit, die versteckte Femme fatale, die Endlichkeit des eigenen Vermögens wider die Welt - zugleich zeigt es auch Schwächen. Einige Szenen sind allzu grotesk komisch, andere zu lang, die Vielzahl der Zitate aus dem Hagakure kann der Zuschauer im Fluss der Handlung nicht würdigen, denn die Fülle der Botschaften überfordert. Allemal ist Ghost Dog- Der Weg des Samurai ein schöner und stimmungsvoller Neo Noir, der gerade bei wiederholtem Genuss seine Stärken zeigt. Empfehlenswert!
 
Erstklassige DVD-Ausgabe von Arthaus / Studiocanal (2000) mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, bildtechnisch topp und mit deutschem und englischem Ton, wahlweise deutsche Untertitel - ein Musikvideo, geschnittene Szenen und den Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 1999 | International | Jim Jarmusch | Robby Müller | Richard Portnow | John Tormey | Isaach De Bankolé | Henry Silva | Forest Whitaker | Victor Argo

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