Tiger von New York, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Killer's Kiss
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Frank Silvera, Jamie Smith, Irene Kane, Jerry Jarrett, Felice Orlandi

Regie
Stanley Kubrick
Farbe
s/w
Laufzeit
65 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
Die Pennsylvania Station in New York: Ein junger Mann geht nervös rauchend neben seinen Koffern auf und ab. Es ist der Weltergewichts-Boxer Davey Gordon (Jamie Smith), der sich im inneren Monolog bezichtigt, in ein gehöriges Schlamassel geraten zu sein. Alles habe vor drei Tagen begonnen, kurz vor seinem Kampf mit dem Boxer Kid Rodriguez... Allein in seiner Einzimmerwohnung hatte Davey seine Fische gefüttert und war auch hier unruhig hin und her gelaufen, bis ihn ein Anruf seines Managers Albert (Jerry Jarrett) schließlich in die Arena bestellt hatte. Auch die junge Gloria Price (Irene Kane) im Apartment gegenüber, die Gordon soeben von ihrem Fenster aus beobachtet hatte, brach nun auf. Zeitgleich gingen sie die Treppenhäuser von Vorder- und Hinterhaus hinunter und trafen sich im Foyer, wo sie einander kurz begrüßten. Vor dem Haus steigt Gloria bei Vince Rapallo (Frank Silvera), Besitzer der Tanzhalle Pleasureland am Times Square, in dessen Cabriolet. Davey Gordon nimmt mit seiner Sporttasche in der Hand den Weg in die U-Bahn. Rapallo, der Davey Gordon und Gloria gemeinsam aus dem Haus hat kommen sehen, lässt seine Angestellte und zugleich Geliebte wissen, dass Gordon vor Jahren ein erfolgreicher Boxer gewesen sei und heute Abend einen Kampf zu bestehen habe, der im Fernsehen übertragen werde. Gloria Price ist eine der Tänzerinnen im Pleasureland, doch als der Kampf beginnt, holt Vince Rapallo sie in sein Büro und lässt ihren Tanzpartner, einen jungen GI, dem das nicht passt, von seinen Schergen (Felice Orlandi, Mike Dana) hinaus werfen. Doch für Davey Gordon sieht es an diesem Abend im Ring gegen Kid Rodriguez leider nicht gut aus…
 
„Killer's Kiss ist ein besonders eigenwilliges Beispiel für einen Film noir, in dem Kubrick bereits einige der Elemente seiner spezifischen Art und Weise, Filme zu drehen, offenbarte“, schrieb Ulrich Behrens 2005 für die filmzentrale über den zweiten, unabhängig produzierten Spielfilm des 26jährigen Stanley Kubrick, der seinem (heute sehr obskuren) Erstling Fear And Desire (1954) gefolgt war. In der Tat ist es an der Zeit, dass man etwas freundlicher mit diesem Werk umgeht, dass Mitte der Fünfziger in vieler Hinsicht das Kino der Sechziger vorwegnahm, obgleich es deutlich an die Arbeitsweise der semidokumentarischen Film Noirs von Jules Dassin, vor allem dessen Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (1948), und Henry Hathaway, etwa Der Todeskuss (1947), angelehnt ist. Viele monieren heute das Schauspiel und die Geschichte des seinerzeit mit minimalem Budget auf New Yorks Straßen und in Wohnungen, Hinterhöfen, Fabriketagen, Tanzclubs und sogar auf Dächern entstandenen Films. Aber so schlecht ist weder das Eine noch das Andere, vor allem Smith und die später unter dem Namen Chris Chase als Journalistin tätige Irene Kane geben dem Film ein authentisches Flair. Seine simple Geschichte ist nicht über die Maßen gestreckt, sondern rasant erzählt, und vor allem das Wie hebt Kubricks Frühwerk aus der Masse von B-Produktionen deutlich heraus. Von der Warte des Kriminalfilms und des Film Noirs, der nach jener 1955 zu Ende gehenden McCarthy-Ära fast völlig abgewirtschaftet hatte, ist Der Tiger von New York (absurder deutscher Verleihtitel) eine frische Brise, die in eine seit Jahr und Tag nicht mehr gelüftete Stube bläst.
 
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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
“Written, photographed, edited and directed by Stanley Kubrick.” Der von den Pulp-Geschichten Mickey Spillanes und Jim Thompsons inspirierte Film Noir Der Tiger von New York ist das Schlüsselwerk eines jungen Fotografen und Autorenfilmers, dessen Arbeitsweise vor allem stilistisch die Erneuerung des US-Kinos in den Sechzigern maßgeblich mit beeinflussen sollte. Sicher, bis zu 2001 – Odyssee im Weltraum (USA 1968) oder Uhrwerk Orange (USA 1971) war es noch ein weiter Weg. Doch bald sollten Stanley Kubrick mit Martin Ritt, John Cassavetes, Arthur Penn oder Allen Baron Filmemacher nachfolgen, die unterm Einfluss der französischen Nouvelle Vague das Hollywood-Kino der Sechziger erneuerten. Noch in den Frühachtzigern erinnern die ersten Werke von Jim Jarmusch oder Amos Poe an Kubricks Film Noir, von dem Eddie Muller in Dark City: The Lost World Of Film Noir (1998) treffend schreibt: „Kubrick had virtually no budget, but was fueled by the notion that he had a better way to formulate the dark visions that had inspired him.” Kubricks damalige Ehefrau Ruth Sobotka, eine aus Österreich stammende Ballerina, spielt Glorias Schwester Iris. Matthew Chapman drehte den von Kubrick’s Film Noir beeinflussten Strangers Kiss (USA 1984) mit Peter Coyote als Regisseur Stanley, der 1955 in New York unter erschwerten Bedingungen einen Film dreht, als eine Hommage an den großen Filmemacher. Fazit: Überaus sehenswert!
 
Exzellente DVD-Edition von MGM Home Entertainment (2005), die den Film bildtechnisch erstklassig, ungekürzt im Originalformat mit vier verschiedenen Tonspuren, darunter Englisch und Deutsch, sowie wahlweise sechs Untertiteln anbietet. Nur Extras gibt es keine.
 

Film Noir | 1955 | USA | Stanley Kubrick | Mike Dana | Felice Orlandi

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