Made in USA

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Bewertung
***
Originaltitel
Made in U.S.A.
Kategorie
Post Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1966
Darsteller

Anna Karina, László Szabó, Jean-Pierre Léaud, Marianne Faithfull, Yves Afonso

Regie
Jean-Luc Godard
Farbe
Farbe
Laufzeit
82 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Studiocanal GmbH
 
Paula Nelson (Anna Karina) ist aus Paris nach Atlantic Cité gereist, um Informationen über den Tod ihres ehemaligen Verlobten Richard Politzer zu erhalten. Angeblich ist er an einem Herzanfall gestorben, aber das will de junge Frau nicht glauben. Von ihrem Hotelfenster aus kann sie sehen, dass sie von den Polizisten Donald Siegel (Jean-Pierre Léaud) und Richard Widmark (László Szabó) beschattet wird. Überraschend erhält sie Besuch von dem ominösen Edgar Typhus (Ernest Menzer), ein Bekannter Politzers, der sich auch im Hotel eingemietet hat. Typhus fordert sie auf, mit ihm zusammen zu arbeiten und weist zugleich alle Mitschuld an Richards Tod von sich. Doch Paula Nelson glaubt dem Gauner nicht und schlägt ihn nieder. In seinen Taschen findet sie eine Zeitung, darauf eine Adresse notiert ist, die sie an sich nimmt, bevor sie Typhus schließlich in dessen eigenes Zimmer schleift. Dort wohnt auch der Schriftsteller David Goodis (Yves Alfonso), der Neffe von Typhus, zusammen mit seiner Freundin Doris Mizoguchi (Kyôko Kosaka). Goodis kann ihr so wenig wie sein Onkel neue Informationen geben, verspricht aber, wegen Typhus’ nichts gegen Paula zu unternehmen. Und so macht sich die Frau auf, um auf eigene Faust Licht in das Dunkel dieses plötzlichen Todesfalls zu bringen…
 
Der Film spielt in Frankreich. Paula stammt aus Paris, doch die Stadt, die sie besucht trägt den Namen einer US- Metropole, Atlantic City. Gewidmet ist Made in USA Nicholas Ray und Samuel Fuller, - Godard nutzt an einer Stelle Standfotos aus Fullers Post Noir Alles auf eine Karte (USA 1961) -  zwei Regisseuren des Film Noirs. Auch die Rollencharaktere tragen Namen US-amerikanischer Filmgrößen wie Richard Widmark, Donald Siegel oder Inspector Aldrich. Sogar David Goodis (Yves Afonso) tritt auf, Autor des Romans Down There (EA 1956), den François Truffaut 1960 für seine Hommage an den Film Noir, Schießen Sie auf den Pianisten, als Vorlage nahm. Paula Nelson liest Horace McCoys Roman Adieu la vie, adieu l'amour in einer Ausgabe der Serié noire, die Vorlage für Gordon Douglas’ Den Morgen wirst du nicht erleben (USA 1949). Laut Jean-Luc Godard ist Made in USA sein Remake von Howard Hawks’ Tote schlafen fest (USA 1946) nach Raymond Chandler. Tatsächlich liegt dem Drehbuch der Roman The Jugger (EA 1965) von Richard Stark aka Donald E. Westlake zugrunde. Da die Vorlage nirgendwo genannt und nie lizenziert wurde, hat Westlake nach der einmaligen Premiere des Films in New York 1967 bis zu seinem Tod (im Jahr 2008) in den USA ein Aufführungsverbot erwirken können. Zwischen 1960 und 1966 drehte Godard mehrere Filme, in denen er den Einfluss des US-amerikanischen Film Noirs und des Gangsterfilms verarbeitete - von seinem Debüt Außer Atem (1960) über Die Außenseiterbande (1964) und Lemmy Caution gegen Alpha 60 (1965) bis zu Made in USA (1966). Doch letzterer, im Gegensatz zu den drei erstgenannten in Farbe gedreht, wirkt hastig, skizzenhaft und im Ganzen inkonsistent.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Anna Karina, die neben Eddie Constantine in Lemmy Caution gegen Alpha 60 in ihrer Rolle gut war, entwickelt wenig Leinwandpräsenz und läuft laienhaft stoisch durch die Szenerie. Vieles wirkt mit dem Abstand des heutigen Betrachters zu sehr dem Zeitgeist der 60er geschuldet und inzwischen weder provokant noch witzig. Die philosophischen Betrachtungen erweisen sich, aus ihren Zusammenhängen gelöst, oft als der Geschichte gegenüber inadäquat und geben Paula Nelson kaum Persönlichkeit. Was immer die Intention Jean-Luc Godards in vielen Szenen war, sicher in Brechtscher Weise die Bedingungen eigenen Tuns demontieren und entlarven, – Susan Sonntag nannte ihn eine filmhistorisch „consciously destructive figure” - weckt kein Interesse an der Handlung, nicht an den Charakteren und nicht an ihren Verwicklungen. Da hilft auch die Betrachtung der Staatsräson wenig; der Film erscheint wirr, teils sogar uninspiriert. Mit dem Film Noir verbindet ihn die Romanvorlage, das Bemühen von Regisseur und Autor, jenen für seine Zwecke umzudeuten, vielleicht einzelne stilistische Kniffe - wie etwa die Erzählerin aus dem Off - ansonsten wenig. Die Popsängerin Marianne Faithfull, noch auf dem Cover der DVD von Arthaus / Studiocanal an zweiter Stelle der Darsteller genannt, ist für zwei, drei Minuten im Bild. Sie hockt in einem Café und säuselt a cappella As Tears Go By von The Rolling Stones. Das war’s. Ein Kuriosum der Sechziger, handwerklich solide und oft typisch Godard, doch kein Film, auch kein politisch motivierter, den man sehen muss. Ohnehin ist Made in USA weit weniger Film Noir, als die Bugwelle des Werks es verheißt.
 
Gute DVD-Ausgabe von Arthaus / Studiocanal (2010), die den Film ungekürzt im Originalformat mit wahlweise deutschem oder französischem Ton (inklusive nicht ausblendbarer deutscher Untertitel) sowie zusätzlich sieben weiteren Untertiteln bietet, dazu ein Interview mit Anna Karina, eine Einführung in den Film von Colin MacCabe und den Kinotrailer als Extras.
 

Post Noir | 1966 | France | Jean-Luc Godard | Donald E. Westlake | Raoul Coutard | Jean-Pierre Léaud | Anna Karina

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