Niagara

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Bewertung
****
Originaltitel
Niagara
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Joseph Cotten, Marilyn Monroe, Jean Peters, Casey Adams, Denis O’Dea

Regie
Henry Hathaway
Farbe
Farbe
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Die Niagarafälle in Ontario, Kanada: Mr. Quas (Russell Collins) Rainbow Cabins sind eine Bungalow-Anlage für Touristen, nicht selten Hochzeitsgäste in den Flitterwochen, mit einem fantastischen Blick auf das Schauspiel der Wasserfälle selbst. Schon um fünf Uhr morgens treibt es George Loomis (Joseph Cotten) auf einen Spaziergang dorthin, obwohl er sich in Anbetracht der Urgewalt solcher Wassermassen klein und bedeutungslos vorkommt. Als er in den Bungalow zurückkehrt, stellt sich seine Frau Rose (Marilyn Monroe) bei dessen Ankunft schlafend und der rastlose Loomis legt sich nochmals zu Bett. Indessen passieren Ray Cutler (Casey Adams) und seine Frau Polly (Jean Peters) die Staatsgrenze, um in den Rainbow Cabins ihren um drei Jahre verspäteten Honeymoon-Urlaub nachzuholen. Zudem hofft der Aufsteiger Cutler, den einflussreichen J.C. Kettering (Don Wilson) zu treffen, der ihn beruflich weiterbringen könnte. Doch bei Ankunft ist der für sie reservierte Bungalow stets vom Ehepaar Loomis belegt und sie lernen Rose kennen, die sich für ihren Mann entschuldigt. Loomis ist ein Veteran des Koreakrieges und hat einige Zeit im Letterman-Hospital verbracht, wo auch psychische Fälle behandelt werden. Man arrangiert sich, die Cutlers nehmen einen anderen Bungalow, und Rose verabschiedet sich wegen einiger Erledigungen in die Stadt. Doch als das Ehepaar Cutler zur Mittagszeit eine Besichtigung der Niagarafälle antritt, bemerkt Polly per Zufall, dass Rose sie geradewegs belogen hat…
 
Der Film Noir, so scheint für jeden völlig klar, wurde von Nino Frank deshalb als „noir“ benannt, weil Mitte der Vierziger all seine Filme in Schwarzweiß gedreht wurden. Was hat es also mit einem Film Noir in Farbe auf sich? „Colour noir sounds like an oxymoron”, führen Alexander Balinger und Danny Graydon in ihrem The Rough Guide To Film Noir (2007) ins Spezialthema ein und Paul Werner kommt in seinem Buch Film Noir und Neo-Noir (200) mit Blick auf Niagara zu dem Schluss: „…und für einen Film noir leuchtet das Technicolor der Fälle bei Nacht ziemlich bunt.“ In Kino der Nacht - Hollywoods Schwarze Serie (1985) von Heinzlmeier, Menningen & Schulz heißt es zu Henry Hathaways Klassiker: „Gespenstische Stimmung, ein typischer Noir-Plot mit einer Verfolgungsjagd auf einen einsamen Glockenturm und den Niagarafällen als Symbol der Leidenschaft.“ Auch Foster Hirsch legt in seinem Referenzwerk The Dark Side Of The Screen: Film Noir (1981) den Schwerpunkt auf dessen thematische Setzungen: „In Niagara, Joseph Cotten plays a man who “went wrong“ in the war.“ Bereits 1945 drehte John M. Stahl mit Todsünde einen Film, der stilistisch gar nicht und thematisch zu 100% dem Film Noir zuzurechnen war. Ist das Werk auch vollends überschätzt und mehr als fragwürdig, zeichnet es sich durch eine mörderische Femme fatale (gespielt von Gene Tierney) aus, die durchweg pathologische Züge trug. Pathologische Züge zeigt auch Joseph Cotten als George Loomis in Henry Hathaways Niagara, der weit mehr als ein Vehikel für Hollywoods Sexsymbol der Fünfziger ist, die 26jährige Marilyn Monroe. Niagara ist eine für die Zeit typische Mischung aus mit Erotik aufgeladenem Melodram - sofern der Erotik in keinem anderen Genre soviel Platz einzuräumen war! - und einem spannungsreichen Thriller. Henry Hathaway, Regisseur mit Erfahrung im Film Noir der 40er, weiß damit souverän umzugehen.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
“For a dress like that, you've got to start laying plans when you're about thirteen.” Es bezieht sich auf den Auftritt der Femme fatale, Marilyn Monroes Schlüsselrolle hier, doch ist Niagara weit weniger ihr Film, als man denkt. Als Femme fatale ist sie solide, eine ex-Kellnerin ohne charakterliche Finesse, die von ihrem älteren Ehemann sexuell frustriert ist und mit dem jungen Patrick (Richard Allan) anbandelt. Im Grunde aber stehen Jean Peters als Polly und eben Joseph Cotten als Loomis im Zentrum des Geschehens, insofern sie in diesem Drama ums Steuer ringen, nachdem es Rose Loomis nicht mehr tut. Kameramann Joseph MacDonald war ein solcher des Film Noirs der Vierziger, neben Leuten wie John Alton oder Milton R. Krasner einer der Großen, und er veredelt den Film – wider sein Technicolor, wie es beizeiten scheint! – mit einigen erstklassigen Licht- und Schattenspielen, exemplarisch für den Film Noir. Niagara ist im Vollbildformat gedreht, der erste Widescreen-Film kam 1955, doch es tut der Sache keinen Abbruch. Konventionell im Finale, etwas hastig und dramaturgisch allzu routiniert, fehlt ihm ein wenig die Leidenschaft. Trotz der irrsinnig guten Szene im Glockenturm, einem exzellenten Joseph Cotten und eines stringenten Spannungsbogens ist Niagara kein Meisterwerk. Gerd Oswald, hier Regieassistent, drehte drei Jahre später den ebenfalls farbigen Film Noir Ein Kuss vor dem Tode (1956), einen jedoch deutlich schwächeren Film.
 
Gute (wenn auch bildtechnisch nicht brillante) DVD-Ausgabe von Twentieth Century Fox Home Entertainment (2006): ungekürzt im Originalformat, fünf Tonspuren inklusive Englisch und Deutsch, optional 10 verschiedene Untertitel, den US-Kinotrailer und eine schwarzweiße Serie originaler Standbilder als Extras.
 

Film Noir | 1953 | USA | Henry Hathaway | Joseph MacDonald | Casey Adams | Denis O'Dea | Joseph Cotten | Will Wright | Jean Peters | Marilyn Monroe

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