Atlantic City, USA

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Bewertung
*****
Originaltitel
Atlantic City
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/CAN
Erscheinungsjahr
1980
Darsteller

Burt Lancaster, Susan Sarandon, Michel Piccoli, Robert Joy, Kate Reid

Regie
Louis Malle
Farbe
Farbe
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen

 


 
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Abends steht Sally Matthews (Susan Sarandon), Verkäufern am Fischimbiss eines Spielcasinos, an ihrem Küchenfenster und reibt sich die Arme und den Oberkörper mit Zitronensaft ab. Sie bemerkt nicht, dass ihr Nachbar, der Kleinganove Lou Pascal (Burt Lancaster), sie vom Fenster gegenüber beobachtet. Lou verdient sich seinen Lebensunterhalt mit der Pflege von Grace Pinza (Kate Reid), einer verwitweten Gangsterbraut, die im Parterre des Hauses wohnt, sowie mit Eintreiben der Beiträge für die Nummernwette des Buchmachers und Dealers Alfie (Al Waxman). Indessen stiehlt Sallys Ehemann Dave (Robert Joy), von dem Sallys Schwester Chrissie (Hollis McLaren) schwanger ist, in Philadelphia aus einer Telefonzelle ein Paket Kokain, das zwecks Übergabe dort deponiert wurde. Das Hippiepaar ist heimatlos und pleite. So trampen die beiden nach Atlantic City, um für eine Zeit bei Sally unterzukommen, indessen Dave das Kokain an die dortige Unterwelt zu verticken hofft. Doch Sally ist vom Eintreffen der beiden keineswegs erfreut, nachdem sie seit acht Monaten von Dave getrennt lebt und sich in Atlantic City ein neues Leben aufbaut. Auch läuft bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Dealer Alfie für Dave nichts so, wie er sich das vorgestellt hatte. Alfie hat von dem Kokainklau in Philadelphia längst Wind bekommen und weiß, mit wem er Geschäfte macht und mit wem besser nicht…
 
Ein Meisterstück Louis Malles, als französisch-kanadische Co-Produktion vor Ort in Atlantic City, New Jersey, gedreht – ein Film, der sich keinen Fehler leistet. Geruhsam setzt Malle den vielschichtigen Film-Noir-Plot aufs Gleis und die Figuren zueinander in Beziehung, kontrastiert von harten und grimmigen Stadteindrücken. Wie Burt Lancaster als Ganove Lou in seiner Nachbarschaft die Wettgelder einkassiert, wie er die zaghaften Hoffnungen bezüglich der Nummernwette mit routinemäßigen Sprüchlein quittiert – dies ist so grandios, dass man den Kunstraum „Film“ vollends vergisst. Lou und Sally, Chrissie und Dave sind ständig zu Fuß unterwegs, Autos haben diese Amerikaner nicht. Dafür stehen sie am falschen Ende der Nahrungskette im Dschungel jener Metropole, die Lou mit der Verzweiflung des Melancholikers stets sehr liebt. Wenn er mit seinem alten Kumpel Buddy (Sean Sullivan), Schuhputzer im öffentlichen Herrenpissoir, den er fast nicht erkennt, in Erinnerungen schwelgt, ist das großartig. Solche Typen haben keine Rentenversicherungsnummer, wie Sally zwischenzeitlich erfährt; beide müssen sie auch im Alter noch zusehen, wie sie von heute auf morgen über die Runden kommen. Louis Malle konterkariert den American Way of Life an vielen Stellen und liefert zugleich eine mit Sentiment und Respekt aufgeladene Hommage ans gewesene Zeitalter des Film Noirs – an die Zeit der Gangster und ihrer Bräute, eine Zeit der Träume und Hoffnungen, augenzwinkernd und zutiefst romantisch.
 

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© Concorde Home Entertainment GmbH
 
Vielleicht ist es die desperate Romantik, die neben den Charakteren und der Handlung Atlantic City, USA, zu einem der ungewöhnlichsten Neo Noirs erhebt und ihn an den Wesenskern des Film-Noir-Kinos heran rückt. Der Film Noir ist in Anbetracht seiner äußersten Härte im Innersten rein romantisch, was mancher Kritiker längst festzustellen wagte. Dies wird bei Otto Preminger, bei Jacques Tourneur oder bei Robert Siodmak umso deutlicher, wenn der Trauerflor eines gnadenlosen Scheiterns ihre Bilder verschattet. Louis Malle hat das genau begriffen und transferiert es in ein Szenario des Jahres 1980 – mit so viel Stil und Charme und Coolness, das man nur staunen kann. Burt Lancaster, Susan Sarandon, Michel Piccoli und Robert Joy sind fantastisch. Aber auch Kate Reid als Grace, die während des Zweiten Weltkriegs für einen Betty-Grable-Look-alike-Contest nach Atlantic City kam und nie wieder ging, ist wunderbar. Burt Lancaster ist als Lou Pascal eine Figur, die vollends denen zu Beginn seiner Karriere entspricht, den romantischen Verlierern aus Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (1946) oder Anatole Litvaks Du lebst noch 105 Minuten (1948). Seine Präsenz und seine Lässigkeit sind perfekt. Burt Lancaster war ein Großer des Film Noirs und er darf es in Atlantic City, USA nochmals sein – in einem ganz großen kleinen Film.
 
Gute DVD-Ausgabe von Concorde Home Entertainment, sauber restauriertes Bild mit leider etwas blassen Farben, doch ungekürzt im Originalformat und mit wahlweise der deutschen oder der englischen Tonspur, optional Untertitel auf Deutsch und dazu den original US-Kinotrailer als Extra, den man sich jedoch nicht vorher ansieht, da er den Clou der Geschichte vorwegnimmt. Ein Muss!
 

 

 

Neo Noir | 1980 | International | Louis Malle | Burt Lancaster | Michel Piccoli | Susan Sarandon

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