Diebe der Nacht

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
****
Originaltitel
Les voleurs
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1996
Darsteller

Daniel Auteuil, Catherine Deneuve, Laurence Côte, Benoît Magimel, Julien Rivière

Regie
André Téchiné
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen
 

 
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Der 12jährige Justin (Julien Rivière) wird eines Nachts Zeuge, wie sein Vater Ivan (Didier Bezace) tot nach Hause gebracht wird – seine Mutter Mireille (Fabienne Babe) in Tränen aufgelöst, der Großvater Victor (Ivan Desny) wie betäubt. Ein Unfall sei es gewesen, wird ihm mitgeteilt, und zur Beerdigung kommt auch Ivans Bruder Alex (Daniel Auteuil) in die Berge gefahren. In Begleitung einer jungen Unbekannten mit Namen Juliette Fontana (Laurence Côte) sieht Justin so den von ihm gehassten Onkel Alex wieder, der in Paris bei der Polizei arbeitet und mit seinem Vater stets nur Streit hatte. Alex erinnert sich seinerseits, wie er das erste Mal Juliette begegnete, die ihm als Diebin von Markenparfüm aufs Revier gebracht worden war, und die er trotz ihrer Weigerung ihm als Informatin zu dienen, wieder hatte laufen lassen. Einige Zeit später traf er sich mit Ivan im Micmac, ein von dem sonst als Autohändler tätigen Bruder erworbener Nachtclub, wo jener einmal mehr versuchte, mit Alex auf gutem Fuß zu stehen. Damals musste Alex erfahren, dass sowohl Juliette als auch ihr polizeibekannter Bruder Jimmy (Benoît Magimel) mit seinem eigenen kriminellen Bruder in einer Geschäftsbeziehung standen, und angewidert suchte er das Weite. Doch Juliette folgte ihm und verleitete ihn zu einer Affäre, die die beiden voll Verachtung füreinander und voll Selbsthass in wechselnde Stundenhotels führte und die sie doch zu verändern begann…
 
Sprödes französisches Erzählkino, das sich in genau dieser Tradition kompetent zu verorten weiß, und mit einem sicheren Zugriff auf seine Rollencharaktere klar den Schwerpunkt setzt. Wer dafür ein Faible hat, wird sich von Diebe der Nacht, sowohl Familiendrama als auch Polizeifilm mit einem flotten Erzähltempo, an keiner Stelle gelangweilt finden. Es ist ein europäischer Film, der nie mit dem Thriller und dem Neo Noir US-amerikanischen Zuschnitts kokettiert, wie das z.B. Luc Besson ständig passiert, und insofern auch nicht dessen Klischees auf den Leim geht. Film-Noir-Elemente sind allemal deutlich gesetzt – Rückblenden, Off-Erzähler und ein moralisches Dilemma, das den Polizisten Alex schließlich in Korruptionsverdacht bringt und Juliette Fontana zur Femme fatale wider Willen macht, der ihre beiden Beziehungspartner (geradezu hoffnungslos) ausgeliefert sind. Dabei spielt auch der bisexuelle, weibliche Part der Professorin Marie Leblanc (Catherin Deneuve), die mit Juliette ihre lesbische Seite auslebt, eine tragende Rolle.
 
Aber sosehr das Spiel von Catherine Deneuve gegenüber Daniel Auteuil auch gelingt, sosehr ist ihr Charakter der Professorin zugleich die Schwäche des Films. Nicht etwa weil die Szenen ihrer lesbischen Beziehung nicht überzeugten, keineswegs, sondern weil mit Blick auf Maries Disposition das Drehbuch allzu ambitioniert angelegt und zu guter Letzt nicht stimmig ist. Mit Marie Leblanc wird der Film überflüssig intellektualisiert und enttarnt dabei sie als eine Philsophieprofessorin, wie sie sich ein Drehbuchautor vorstellt. Das ist besonders deshalb bedauerlich, weil alle übrigen Rollencharaktere perfekt eingepasst sind – inklusive Ivan, der in Rückblenden sein Autogeschäft exakt so betreibt wie Lionel Meadows aka Peter Sellers in Der Marder von London (UK 1960), der seinerseits junge Leute für seine Zwecke zu benutzen wusste. „Das Aufeinanderzu im Aneinandervorbei, dieses seltsame Paradox des Film noir, mündet bei Téchiné in der Utopie (…)“, schreibt Anke Leweke in dem von Norbert Grob herausgegebenen Buch Filmgenres - Film noir (2009) über Diebe der Nacht. Implizit bescheinigt sie damit dem Regisseur zu Recht die für ein solches Werk nötige Konsequenz. Zwar kein Meisterstück, leider, jedoch sehenswert!
 
Die bis dato einzige deutsche DVD-Edition erschien 2007 als zehnter Teil der Série Noire der Süddeutschen Zeitung und ist inzwischen vergriffen. Ungekürzte 112 Minuten Spielzeit im Originalformat, bildtechnisch topp, ohne Extras, wahlweise deutsche oder französische Tonspur mit nicht ausblendbaren, deutschen Untertiteln.
 

 

Neo Noir | 1996 | France | André Téchiné | Benoît Magimel | Daniel Auteuil | Catherine Deneuve

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