Späte Rache / Verfolgt

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Bewertung
***
Originaltitel
Pursued
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Robert Mitchum, Teresa Wright, Judith Anderson, Dean Jagger, John Rodney

Regie
Raoul Walsh
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Als Jeb Rand (Robert Mitchum) ein Junge war, wurde der Waise von Mutter Callum (Judith Anderson) aufgenommen. So wuchs er auf der Ranch der Witwe mit deren leiblichen Kindern Thorley (Teresa Wright) und Adam (John Rodney) heran. Doch seit früher Kindheit wird er von Alpträumen heimgesucht, die ihn bruchstückhaft an die Nacht erinnern, als seine eigene Familie bei einem Überfall ums Leben kam. Und ebenfalls seit Kindertagen bedroht ihn zudem der einarmige Grant Callum (Dean Jagger), ein Schwager der Mutter. Erst einmal erwachsen, bewirtschaften Adam und Jeb die Callum-Ranch gemeinsam. Als Jeb aus dem spanisch-amerikanischen Krieg als ein gefeierter Held zurückkehrt, wollen er und Thorley heiraten. Ihr Bruder Adam ist jedoch strikt dagegen, und als sie die Herrschaft über die Ranch schließlich untereinander auslosen, gewinnt er gegen Jeb. Der zeigt sich uneinsichtig und will Thorley um jeden Preis ehelichen, so dass Adam beschließt, den Widersacher aus dem Weg zu räumen…
 
Dieser Western von Raoul Walsh liefert eine interessante Geschichte und ist ein ganz klassischer Film Noir mit einer dunklen Vergangenheit, die in Rückblenden erst nach und nach offenbart wird. Lähmende Ungewissheit und schicksalhafte Verwicklungen, die stets tiefer ins rätselhafte Dunkel führen, werden vom Großmeister der Schwarzweiß-Kamera, James Wong Howe (Der Mann, der zweimal lebte, USA 1966), auch stilistisch wunderbar umgesetzt. Nichts was Jeb Rand anstellt, um mit seinem Leben ins Reine zu kommen, will ihm über Kurz oder Lang gelingen. Eine stärkere Macht ist am Werk und zieht unmerklich ihn und die Familie, die ihn großzog und der er angehört, ins Verderben. Der Tod hält seine Ernte, die Liebe erstirbt, die Rache blüht und Jeb Rand steht allein auf weiter Flur und kennt nicht mal sich selbst. Das ist ein Western Noir, wie er schwärzer kaum sein könnte.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Doch Robert Mitchum, im Grunde eine gute Wahl für die Rolle, wirkt streckenweise hölzern und apathisch. Seine Chemie mit den Geschwistern Adam und Thorley als Erwachsenen, dargestellt von Teresa Wright und John Rodney, erscheint oft unglaubwürdig. Während der Film in seinem Verlauf stets neue Verwicklungen produziert, löst das Ende den gordischen Knoten allzu einfach und beschädigt den Handlungsverlauf in seinen opulent düsteren Bildern. Weder Mutter Callum noch Jeb Rand als ihr Adoptivkind erscheinen in der durch das Ende geschaffenen Konstellation überzeugend, die eigene Tochter Thorley und leibliche Schwester Adams erst recht nicht. So erweist sich dieser Western Noir am Ende als verworren. Mit dem Film Noir Sprung in den Tod/ Maschinenpistolen (USA 1949) gelang Raoul Walsh eine bessere Melange aus dunkler Psychopathologie und rasantem Erzählkino. Sehenswert ist Verfolgt / Späte Rache heute aber vor allem wegen seiner Bildgewalt.
 
Die deutsche DVD der Studiocanal GmbH (2005) zeigt eine ungekürzte Fassung im Originalformat mit wahlweise deutschem und englischem Ton, die bildtechnisch aber leider nicht topp ist, dazu Untertitel auf Deutsch. Erwähnenswert sind allemal die sehr sorgsam zusammengestellten Extras.
 

Western Noir | 1947 | USA | Raoul Walsh | James Wong Howe | Dean Jagger | Robert Mitchum | Judith Anderson | Teresa Wright

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 27. Mai 2013 - 11:54

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Ich besitze 'Pursued' als Bestandteil einer Robert-Mitchum-Kollektion mit insgesamt vier Spielfilmen, u.a. Otto Premingers 'Angel Face' (USA 1952), mein Hauptargument für den Erwerb der Box.

Wohl kann man 'Pursued' im weiteren Sinne dem Genre zurechnen. Noch dunklere und düstere (Nacht-)Bilder bietet ein anderer amerikanischer Film-Noir-Western aus dem Jahr 1948 - 'Blood on the Moon' von Robert Wise, ebenfalls mit Mitchum in der Hauptrolle, siehe:

http://filmsnoir.net/film_noir/blood-on-the-moon-1948-quintessential-no…

Bezieht man auch die europäischen Wildwestfilme aus den 60er Jahren in die Auswahl mit ein und betrachtet als weiteres Subgenre den Post & Neo Noir-Western, sollten meiner Ansicht nach die folgenden drei Kultstreifen nicht unerwähnt bleiben:

- Robert Hosseins 'Friedhof ohne Kreuze': Eine französich-spanisch-italienische Co-Produktion aus dem Jahre 1968 mit beeindruckenden Bildern, trauriger Musik und tragischem Ende; hier der Original-Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=ztc2AOKsVx8

- Sergio Corbuccis 'Il Grande Silenzio' (Leichen pflastern seinen Weg, Italien 1968)

- Sergio Sollimas 'Faccia a Faccia' (Von Angesicht zu Angesicht, Italien 1967)

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 31. Mai 2013 - 20:20

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Der oben gelobte 'Blood on the Moon'(USA 1948) von Robert Wise wurde in der Vergangenheit in einschlägigen amerikanischen Programmkinos nichtvon ungefähr immer wieder mal in einer Doppelnacht mit 'Pursued' (USA 1947) gezeigt:

http://www.cinema.ucla.edu/events/2011-07-08/pursued-1947-blood-moon-19…

Meiner Ansicht nach spielt Mitchum hier eindringlicher als in 'Pursued'. Außerdem eine gute Gelegenheit, Barbara Bel Geddes einmal jung und knackig mit 26 Jahren am Beginn ihrer Hollywoodkarriere zu studieren. Wäre sie zehn Jahre später ähnlich resolut und taufrisch aufgetreten, wäre James Stewart in Hitchcocks 'Vertigo' (USA 1958) Kim Novak womöglich nicht nachgestiegen.... ;->

Der Originaltrailer:

https://www.youtube.com/watch?v=8abz9-GlJuY

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