Stadt der Verdammten

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Bewertung
***
Originaltitel
Silver Lode
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

John Payne, Lizabeth Scott, Dan Duryea, Dolores Moran, Emile Meyer

Regie
Allan Dwan
Farbe
Farbe
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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In der Kleinstadt Silver Lode bereiten sich die hiesigen Bürger an einem sonnigen 4. Juli auf das abendliche Fest zum Unabhängigkeitstag vor. Plötzlich reitet Fred McCarty (Dan Duryea) mit seinen Gefolgsleuten Wicker (Stuart Whitman), Johnson (Harry Carey jr.) und Kirk (Alan Hale jr.) in die Stadt, allesamt fremd in Silver Lode. Fred McCarty fragt vom Sattel herunter nach dem Aufenthaltsort von Dan Ballard (John Payne), doch er ist so unfreundlich und erweckt dergestalt das Misstrauen der Leute, dass ihm nicht einmal die Barfrau Dolly (Dolores Moran), Angestellte in Taggert’s Saloon, eine passable Antwort gibt. Erst Walt Little (Joe Devlin) lässt sich überrumpeln und informiert McCarty, dass Dan Ballard im Haus von Michael Evans (John Hudson) anzutreffen sei, das unübersehbar schönste der Stadt. Als McCarty und seine Männer dort ankommen, beginnt Reverend Field (Hugh Sanders) im Kreis der Gäste soeben mit der Hochzeitszeremonie zwischen Ballard und Rose Evans (Lizabeth Scott), der Tochter des Witwers und reichsten Mannes von Silver Lode... Noch vor dem Haus werden die vier Fremden indessen von Sheriff Wooley (Emile Meyer) abgefangen, der ihnen mitteilt, dass sie nur als Freunde willkommen seien. Fred McCarty erklärt ihm unverblümt, er wünsche sich Ballard am liebsten tot. Dann weist er sich als U.S. Marshall aus, der außer seinen drei Deputys einen Hadftbefehl für Ballard im Gepäck führt…

 

Der Film steckt voller unübersehbar guter Absichten, doch sein Drehbuch und teils auch die Rollencharaktere und ihre Schauspieler enttäuschen. Natürlich ist bemerkenswert, dass im Jahr 1954, auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära und zugleich im Jahr der Senatsabstimmung gegen jenen Senator Joseph McCarthy, selbst ein fanatischer Anti-Semit und paranoider Kommunsistenhasser, solch ein Film in die Kinos kam, der die Umtriebe des Politikers McCarthy und der Republikanischen Partei als kriminell anprangert. Stadt der Verdammten spielt symbolträchtig am 4. Juli und führt einen Amtsinhaber namens Fred McCarty als Vertreter von Recht und Gesetz in eine von Staatsräson und Biederkeit geprägte Ortschaft des “Wilden Westens“, der hier längst nicht mehr wild ist. Der vermeintliche U.S. Marshall schafft es trotz einer unsympathischen und für manche unheimlichen Art und zwar dank seines Status’ und seiner herrischen Autorität, die Bewohner Silver Lodes in kurzer Zeit aufzuwiegeln und wider einen Unschuldigen in einen Lynchmob zu verwandeln. Zugleich ist die Handlung jedoch eine Blaupause von Fred Zinnemann’s 12 Uhr mittags (USA 1952): Vier Gangster reiten in eine Stadt, wo sie eine alte Rechnung zu begleichen gedenken, die einen Mann betrifft, der eben seine junge Verlobte ehelicht bzw. im Begriff ist das zu tun. Nun hat die Autorin Karen DeWolf, der die Erzählung und das Drehbuch zuerkannt werden, zwar einen Rollentausch vorgenommen. Gary Cooper ist als Will Kane der U:S. Marshall, indessen John Payne als Dan Ballard nur ein vermeintlich unbescholtener Bürger ist, der sich gegen einen Amtsträger zur Wehr setzen muss. Aber die mit dem Kunstgriff einer Zwei-Stunden-Frist zum Wettlauf gegen die Zeit stilisierte Handlung folgt im Übrigen einer verwandten Dramaturgie. Hier Grace Kelly als Quäkerin, dort Lizabeth Scott als biedere Tochter aus reichem Hause. Hier Katy Jurado als Animierdame Helen Ramírez, dort Dolores Moran als Dolly in genau der gleichen Rolle. Und jeweils sind es vier gegen einen, die von der Feigheit und von der Doppelmoral der Spießbürger sichtbar profitieren.

 

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© VCI Entertainment

Im Rückgriff auf den Film Noir, der sich in diesem Western versteckt, erinnert ein Dan Ballard zudem an Robert Mitchums Jeff Bailey in Jacques Tourneurs Goldenes Gift (USA 1947) oder auch an Derek Farrs Peter Brown in Lawrence Huntingtons Mann im Netz (UK 1949). Auch solche Figuren sind zu Beginn seit exakt zwei Jahren an einem Ort, wo sie zuvor niemand kannte. Als inzwischen respektierte Bürger ihrer Gemeinden haben sie insgeheim eine Vergangenheit, die mehr als zwielichtig scheint... Während jedoch in Stadt der Verdammten Fred McCarty und Dolly als scharf konturierte Charaktere erscheinen, bleiben Dan Ballard und vor allen Dingen Rose Evans eigentümlich blass. Als Schauspieler ist Dan Duryea einem John Payne überlegen, dies gilt auch für Dolores Moran im Vergleich zu Lizabeth Scott, deren Tochterrolle der damals 31jährigen, überschminkten Film-Noir-Legende nicht wirklich steht. Letzten Endes ist Ballard zwar eine Film-Noir-Figur, schwer beschuldigt und von allen gejagt, aber warum er sich gegen den beredten McCarty nie zur Wehr setzt, indessen alles schweigend erduldet, bis er dafür beinahe mit dem Leben bezahlt, das leuchtet nicht ein. Zwei Jahre später wiederholten Regisseur Allan Dwan, Kameramann John Alton, Produzent Benedict Bogeaus und die Schauspieler John Payne und Roy Gordon ihre Zusammenarbeit mit dem  Film Noir Straße des Verbrechens (USA 1956).

 

Exzellente US-DVD (2010) von VCI Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel, die beiden von Joel Blumberg gedrehten und jeweils 10minütigen Dokumentationen über a) John Payne und b) Allan Dwan - Sherwood to the Sands of Iwo Jima als Extras. Eine deutsche DVD (2016) von Filmjuwelen ist ebenfalls ungekürzt und  beinhaltet zusätzlich zur englischen Tonspur noch die alte deutsche Kinosynchronisation, als Extras gibt es hier Kommentare von Peter Bogdanovich über Benedict Bogeaus, Allan Dwan sowie ein Statement zum Film, zudem ein Feature über Harry Carey jr und Stuart Whitman und den Kinotrailer.

 


Western Noir | 1954 | USA | Allan Dwan | John Alton | Dan Duryea | Emile Meyer | Hugh Sanders | John Payne | Robert Warwick | Stuart Whitman | Lizabeth Scott

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