Ratten, Die

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Bewertung
****
Originaltitel
Die Ratten
Kategorie
Film Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Maria Schell, Curd Jürgens, Heidemarie Hatheyer, Gustav Knuth, Ilse Steppat

Regie
Robert Siodmak
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Die Ratten-Poster-web5.jpg Bild
 
Berlin: In der eisigen Silvesternacht stapft die Polin Pauline Karka (Maria Schell) an der S-Bahn entlang zur Grenze des britischen Sektors und wird von den Grenzbeamten, die sie für betrunken halten, um ihre Papiere gebeten. Im Nu kriegen die Männer mit, dass mit der Frau etwas nicht stimmen kann, die ihnen einen mit Blut verschmierten Ausweis reicht. Sie bitten sie in ihre Stube, von dort geht es aufs Polizeirevier… Ein Anruf erreicht die Möbelspedition Karl Johns (Gustav Knuth), wo die als Kindermädchen arbeitende, halbwüchsige Selma Knobbe (Barbara Rost) längst im Bett liegt. Sie packt das Baby der Hausherrin Anna John (Heidemarie Hatheyer), die ihrerseits eine Wäscherei betreibt, in den Kinderwagen und rast übers Pflaster zur Eckkneipe, wo Karl und Anna in Gesellschaft von Selmas Mutter (Ilse Steppat) und Harro Hassenreuter (Fritz Rémond Jr.), ehemals Inhaber eines Theaterhauses, das neue Jahr begrüßen. Karl und Anna John nehmen ein Taxi und fahren zum Polizeirevier, wo sie von einem Mediziner namens Dr. Wulfs (Carl de Vogt) begrüßt und gefragt werden, ob sie eine gewisse Pauline Karka kennten. Anna fragt ihrerseits, ob diese tot sei, aber die Annahme stellt sich als unbegründet heraus, man hält sie nur für geisteskrank. Bei der Gegenüberstellung mit Pauline gibt Frau Anna John ihre Geheimniskrämerei auf und erzählt, was Pauline Karka seit ihrer Ankunft in Berlin durchgemacht und inwieweit ihr eigener Bruder, Bruno Mechelke (Curd Jürgens), dabei eine bedeutende Rolle gespielt habe …
 
“Die Ratten (…) is a grim and gritty version of Gerhart Hauptmann's play, updated to war-ravaged '50s Berlin (…) combining the criminal melodrama and the social realism of Siodmak's best noirs”, schreibt David Cains für Moving Image Source, der dabei Siodmaks Vorreiterrrolle im US-amerikanischen Film Noir der 40er Jahre im Blick hat. Tatsächlich ist Die Ratten, Robert Siodmaks erster deutscher Film nach 22 Jahren im Exil, auch für die noch junge Bundesrepublik ein Ausnahmefilm, zumal er im Berlin unterm Viermächtestatus gedreht wurde, in der schon in West und Ost geteilten Stadt. Während die westdeutsche Filmkultur im Eskapismus schwelgte und ein Peter Lorre nach dem Flop seines Der Verlorene (GER 1951) das Land längst wieder frustriert verlassen hatte, nimmt sich Siodmak Gerhart Hauptmanns Theaterstück Die Ratten (EA 1911) als Blaupause für eine Abrechnung mit Seelenlage und Gemütsverfassung des mit dem Wiederaufbau befassten Mittelstands und leuchtet in Abgründe egoistischer Gefühlskälte. Mit seiner stringenten Dramaturgie und einer teils deutlich dem Film Noir Hollywoods entlehnten Kameraarbeit sowie dank einer überragenden Maria Schell gerät Die Ratten zu einem Beispiel dafür, wie viel besser der deutsche Nachkriegsfilm hätte sein können, hätte er sich nur öfter etwas zugetraut. Viele der Rollencharaktere schillern mit ihren Einschaften, sind moralisch meist nicht eindeutig zu bewerten, und die beteiligten Darsteller erweisen sich als überraschend versiert und gut gewählt.
 
Bild Bild Bild
© Universum Film GmbH
 
„Bruno, liebes Bruno! Das hat schon mal’n Mädchen versucht, die süße Tour. Und nachher hatse nich’ jewollt, wie ich wollte.“ Erzählt wird Pauline Karaks Schicksal anhand einer langen Rückblende, Teile der Geschichte liefert ein Erzähler (Friedrich Schütter) aus dem Off. Auch das sind Elemente der Filmkultur Hollywoods, wie sie Robert Siodmak selbst ab Zeuge gesucht (USA 1944) mitgeprägt hatte. Doch wie andere deutsche Exilanten, die in Hollywood als Regisseure gearbeitet hatten - etwa Fritz Lang oder John Brahm - kam Siodmak in Zeiten der McCarthy-Ära mit dem Studiosystem Hollywoods, das sich zudem in einer ökonomischen Krise befand, immer weniger zurecht und kehrte ihm schließlich den Rücken zu. Allerdings bot sich auch in Deutschland keineswegs der Humus für eine hochwertige cineastische Kultur, wie sie während der Fünfziger in Italien und in Frankreich Wurzeln trieb. Robert Siodmak hat späterhin Die Ratten und Nachts, wenn der Teufel kam (GER 1957) als die einzigen seinem Schaffen in Hollywood nachfolgenden Filme von Belang bezeichnet und diese Einschätzung lässt sich ohne weiteres teilen. In den Sechzigern beendete er sein Schaffen mit Regiearbeiten für die Karl-May-Reihe und mit Monumentalfilmen in Italien, dröge Auftragsarbeiten ohne eine eigene Handschrift. Die Ratten war seinerzeit ein Publikumserfolg und gewann 1955 bei den Filmfestspielen in Berlin den Goldenen Bären, aber ein deutscher Film Noir fand trotz allem nicht statt. Seine heutzutage zitierten Beispiele blieben bis über das Ende des Jahrzehnts hinaus Einzeltaten.
 
Gute deutsche DVD-Ausgabe (2010) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original deutsche Tonspur ohne Untertitel, als Extras nur eine Trailershow für andere Filmklassiker.
 

Film Noir | 1955 | International | Robert Siodmak | Ilse Steppat | Maria Schell

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