Nobody Lives Forever

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Bewertung
***
Originaltitel
Nobody Lives Forever
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

John Garfield, Geraldine Fitzgerald, Walter Brennan, Faye Emerson, George Coulouris

Regie
Jean Negulesco
Farbe
s/w
Laufzeit
100 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
New York: Nick Blake (John Garfield), Sergeant der US-Armee, ist vom Kriegsschauplatz in Europa zurück und wird nach längerem Aufenthalt in einem Militärlazarett entlassen. Sein alter Kumpel Al Doyle (George Tobias) holt ihn ab und sie fahren von Govenors Island mit der Fähre nach Manhattan. Doyle bringt seinen Freund Nick Blake, vor Kriegsausbruch einer der besten Trickbetrüger New Yorks, auf den neusten Stand, was nämlich die organisierte Kriminalität und den Fluss des Geldes anlangt. So erfährt Nick, dass seine Freundin Toni Blackburn (Faye Emerson), der er vor Abreise zu den Kriegsschauplätzen Europas seine Ersparnisse in Höhe von 50,000 US-Dollar anvertraute, inzwischen in Nicks Apartment gezogen ist. Toni hat als Sängerin ein Engagement in einem Nachtclub des wohlhabenden Chet King (Robert Shayne). Als Nick in den seinen vier Wänden nicht nur Tonis persönliche Habe sondern auch die Pfeife eines ihm Unbekannten findet, begibt er sich in Als Begleitung auf den Weg zu Kings Nachtclub, wo er auch Toni zu treffen hofft. Hier ist Nick Blake stets bekannt, doch Chet und Toni, die inzwischen ein Paar sind, werden von seiner Rückkehr überrascht, denn sie wähnten ihn stets als Soldat in Übersee. Chet King lässt Champagner servieren und versucht gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Beiläufig teilt Toni Nick mit, dass sie sich mit seinen 50,000 Dollar verspekuliert hätte, als sie im vorigen Jahr selbst einen Nachtclub eröffnete, aus Unkenntnis kaufmännischer Prinzipien jedoch bankrott gegangen sei…
 
“W.R Burnett adapted his novel ‘I Wasn’t Born Yesterday’ for the screenplay. Burnett wrote stronger stories than this one”, schreibt Tony D’Ambra für Filmsnoir.net und hat mit dieser Einschätzung recht. Schon zu Beginn hakt und hapert es mächtig im Fluss der Erzählung; dem aufmerksamen Zuschauer wird eine teils mehr als fragwürdige Logik kaum entgehen. Warum hat etwa Nick Blake in seinen Jahren als Soldat nichts von seiner Freundin Toni Blackburn gehört, während ihn Kumpel Al Doyle auf die Minute pünktlich vom Hospital abholt? Wieso erfährt Nick erst von Al, dass Toni in seine Wohnung eingezogen ist, indessen Toni nicht einmal weiß, dass Nick aus dem Krieg zurück ist, da Nick sie davon nicht in Kenntnis setzte? Und weshalb ist der erfahrene Betrüger und „Gangster“ Nick Blake nicht die Spur misstrauisch, obwohl er seiner Toni die Summe von 50,000 US-Dollar (!) anvertraute, die er bei ihr sicherer wähnte als etwa auf einem Bankkonto? Wenn schon das nicht zum angeblich so irrsinnig talentierten Trickbetrüger Blake passen will, wirkt der Umstand, dass Tonis neuer Geliebter, der offenbar reiche Nachtclubbesitzer Chet King, Nick Blake sein Geld sofort zurückzahlt, als der ihm einen Hieb mit der Faust verpasst, einfach lächerlich. Ebenso durchsichtig und unglaubwürdig gestaltet sich auch der Rest des Films, vor allem Geraldine Fitzgerald wirkt als ebenso leichtgläubige wie steinreiche Witwe nicht überzeugend. Erst bleibt unverständlich, warum sich die ex-Sekretärin, auf deren 2 Millionen US-Dollar Blake und seine Gang aus sind, überhaupt in Los Angeles langweilt, insofern sie das Hotel praktisch kaum verlässt. Dass sie außer mit ihrem Finanzberater Charles Manning (Richard Gaines), der täglich zum Golfspiel davoneilt, keinerlei Sozialkontakte pflegt, ist obskur. Und dass letzterer später dem Hochstapler Nick Blake vorschlägt, in dessen nicht existente Firma hohe Beträge aus dem Vermögen der Witwe zu investieren, ohne dass Manning jemals Nachforschungen über die Firma anstellt oder nur Informationen einholt, ist erneut bloß albern.
 
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© Warner Bros.
 
“Nobody Lives Forever has everything it takes to make a great film noir except the killer instinct,” stellt Aubyn Eli für The Girl with the White Parasol lakonisch fest. Und so müssen sich viele der heutigen Film-Noir-Freunde mächtig anstrengen, diesem klischeehaften und leichtgewichtigen Exempel der Schwarzen Serie so etwas wie Merkmale der Qualität abzugewinnen. Allemal gibt es sie: Außer Geraldine Fitzgerald zeigt sich die Besetzung in bester Spiellaune. Allerdings erweisen sich die humorvollen Einlagen von George Tobias eher deplatziert - eine weitere Schwäche des Drehbuchs. Doch insbesondere Walter Brennan und George Coulouris überzeugen auf ganzer Linie, und die sonst immer etwas spießig fade Faye Emerson ist als Femme fatale so gut wie in keinem ihrer Filme. Als einer von drei Filmen, mit denen der Filmstar John Garfield 1946 seine Zeit beim Studio Warner Bros. nach acht erfolgreichen Jahren beendete, ist Nobody Lives Forever sicher der schwächste. 1941 hatte Ida Lupoini dafür gesorgt, dass John Garfield in Out Of The Fog (USA 1941) die Hautrolle erhielt, welche ursprünglich Humphrey Bogart zugedacht war, mit dem Ida Lupino nicht zurechtkam. Fünf Jahre später lehnte Bogart die Rolle des Nick Blake in Nobody Lives Forever ab und wird darüber sicher nicht traurig gewesen sein. Während Connaisseure klassischen Kinos den Film heutzutage auf Gedeih und Verderb schön reden, hatte Bosley Crowther, Filmkritiker der New York Times, schon bei dessen Prämiere nicht viel für ihn übrig, fand er doch “this repetition just a bit wearisome and even dull“ und außerdem “rather heavily loaded with cliches.“
 
Eine DVD-R der Warner Archive Collection (2012) in den USA bietet eine gute Fassung ungekürzt im Originalformat mit original englischem Ton ohne Untertitel und ohne Extras. In Deutschland lief das Werk 1988 unter dem (nicht ganz unberechtigt blöden) Titel Eine Lady für den Gangster erstmalig im Fernsehen.
 

Film Noir | 1946 | USA | Jean Negulesco | W.R. Burnett | George Coulouris | John Garfield | Robert Shayne | Walter Brennan | Faye Emerson | Geraldine Fitzgerald

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