Jigsaw / Gun Moll

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Bewertung
***
Originaltitel
Jigsaw
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Franchot Tone, Jean Wallace, Marc Lawrence, Myron McCormick, Winifred Lenihan

Regie
Fletcher Markle
Farbe
s/w
Laufzeit
72 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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New York: Ein Mann in Hut und Mantel überquert eine verlassene und herunter gekommene Straße mit ihren Mietskasernen, sieht sich um und betritt die kleine Druckerei von Max Van Borg. Ein Schuss fällt, der Mann taucht wieder auf, wischt sich die Hände ab und verschwindet, indessen eine Frau vor Entsetzen aufschreit. Max Van Borg wird von seiner Ehefrau (Hester Sondergaard) mit einer Schusswunde im Kopf und einer Pistole in der Hand tot aufgefunden: Selbstmord, wie sie selbst aussagt… Generalstaatsanwalt Frank Walker (Walter Vaughn) und sein Stellvertreter Howard Malloy (Franchot Tone) sitzen beisammen und sprechen über die rassistische und neo-faschistische Vereinigung The Crusaders, eine politische Gruppe, welche Anhänger mit Flugblättern wirbt, die in Max Van Borgs Druckerei hergestellt wurden. Howard Malloy glaubt nicht an einen Selbstmord und sieht Anzeichen für eine gezielte Exekution des Kleinunternehmers, demgegenüber Walker hier skeptisch bleibt. Die beiden beziehen ihre Informationen zum Fall aus einem Artikel des Zeitungskolumnisten Charles Riggs (Myron McCormick), der den Crusaders den Kampf angesagt hat. Insofern Malloy mit dessen Schwester Caroline Riggs (Doe Avedon) verlobt ist, gibt es für ihn sogar eine persönliche Verbindung. Also trifft sich Malloy mit seinem zukünftigen Schwager und lässt sich von ihm über dessen Nachforschungen ins Bild setzen. Riggs sieht sich auf der Spur einer kriminellen Vereinigung, die aus ihrer Hass-Ideologie einen immensen Profit schlägt….
 
“This place looks like the last act of "Hamlet!" - “It's the last act for all kinds of things.” Die politisch motivierte B-Produktion Jigsaw, später in das unverfänglich nichtssagende Gun Moll umgetauft und einiziger Film eines Tower Pictures Inc. betitelten Studios, ist eine Kuriosität in der Geschichte des US-amerikanischen Film Noirs und des Filmschaffens “Made in Hollywood“ überhaupt. Sein Autor und Regisseur Fletcher Markle macht sich die Erzählmuster und den Stil jener typischen, semidokumentarischen Propagandafilme à la Geheimagent T (USA 1947) oder Straße ohne Namen (USA 1948) zu eigen und dreht den Spieß um. Denn hier ist die Gefährdung der US-amerikanischen Gesellschaft keine, die durch den Kommunismus das engmaschige Netz der Staatssicherheit, symbolisiert durch die noblen Agenten des FBI, zu zerstören sucht. Es ist vielmehr jene Art Propaganda, welche die Bürger dazu anhält, Andersdenkende und auch schlicht durch ihre Hautfarbe voneinander unterschiedene Bürger unter einen Generalverdacht zu stellen und damit Hass und Zwietracht zu säen. Dank solcher Verschiebung des Fokus’ steht Jigsaw / Gun Moll in der Tradition von ebenfalls antirassistischen Filmen der Zeit wie Edward Dmytryks Kreuzverhör (USA 1947) oder Elia Kazans Tabu der Gerechten (USA 1947). Der im März 1949 in die Kinos gekommene Film war als Statement wider die herauf dämmernde McCarthy-Ära gedacht, nachdem die systematische Verfolgung Kulturschaffender durch das Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC) schon 1947 begonnen hatte und die sogenannten Hollywood Ten wegen ihrer Weigerung Berufskollegen zu denunzieren Anfang 1948 zu Haftstrafen verurteilt worden waren.
 
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Dummerweise erweist sich der Film selbst, darin liberale Geister wie Henry Fonda, Marlene Dietrich, John Garfield, Marsha Hunt oder Everett Sloane jeweils ungenannt mit Gastauftritten glänzen, als seinem Anspruch nicht gewachsen. Seine Geschichte ist so verworren und platt wie diejenigen der von J. Edgar Hoover, seinerzeit fanatischer Direktor des FBI, in Auftrag gegebenen oder unterstützten Propaganda-Produktionen. Die politische Botschaft geht großteils unter oder ist vereinzelt zu sehr ein Wink mit dem Zaunpfahl. Markles Regie zeigt wenig Charakter, die Schauspieler agieren teils engagiert, großteils jedoch dem Niveau der Billigproduktion angemessen, wodurch dem Zuschauer der B-Film-Standard und damit der Eindruck der Mittelmäßigkeit klar bewusst wird. Der Kameramann Don Malkames gibt dem Ganzen einen beizeiten erstklassigen Film-Noir-Look. Leider ist Jigsaw / Gun Moll eins jener Werke der Public Domain, das bis auf den heutigen Tag – ob als DVD oder auch online - nur in minderwertigen Kopien kursiert und seine Zuschauer sowohl bild- als auch tontechnisch vor einige Herausforderungen stellt. Fazit: Kein Meisterstück, aber für jeden historisch orientierten Cineasten und sicher auch für Filmstudenten halbwegs von Interesse.
 
Als Hardcopy ist Jigsaw / Gun Moll sowohl via Alpha Video Distributor Inc. als US-DVD (2004, codefree) oder über die Synergy Archive Series (2013, codefree) in Deutschland erhältlich – in Bild und Ton qualitativ bescheiden, ungekürzt im Originalformat, ohne Untertitel und ohne Extras.
 

 

Film Noir | 1949 | USA | Fletcher Markle | Burgess Meredith | Everett Sloane | Franchot Tone | Henry Fonda | John Garfield | Marc Lawrence | Jean Wallace | Marsha Hunt

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