Nightfall

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Bewertung
***
Originaltitel
Nightfall
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Aldo Ray, Brian Keith, Anne Bancroft, James Gregory, Jocelyn Brando

Regie
Jacques Tourneur
Farbe
s/w
Laufzeit
78 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
Los Angeles: Der Werbegrafiker James Vanning (Aldo Ray) ist nach Feierabend in einem Zeitungskiosk, als allerorten die Lichter angehen und die Dunkelheit hereinbricht. Als er ums Eck schlendert und vor Falatti’s Restaurant ankommt, wo heute Abend “Shorty“ Hibbs am Piano sitzen wird, spricht ihn ein Fremder (James Gregory) an, der auf den Linienbus wartend sich von James Vanning Feuer geben lässt. Der Mann flucht über die Schwüle an diesem Abend und fragt Vanning, ob er schon mal in den Tropen gewesen sei und der bejaht - als Soldat in Okinawa. Der Fremde steigt in den Bus und Vanning betritt das Restaurant, wo er sich an der Bar niederlässt und einen Wodka Lemon bestellt. Eine Dame (Anne Bancroft) kehrt zu ihrem Platz zurück, der direkt neben dem Vannigs liegt. Noch bevor sie sich vorstellt, fragt sie ihn, ob er ihr 5 Dollar leihen könne. Ihre Freundin, mit der sie zum Essen verabredet sei, habe sie versetzt und sie selbst ihre Gelbörse Zuhause vergessen. Vanning lässt sich dazu überreden; die Frau stellt sich als Marie Gardner vor und gibt ihm ihre Adresse. Schließlich lädt er sie dazu ein, mit ihm an einen Tisch zu wechseln und zu Abend zu essen… Der Fremde steigt aus dem Linienbus und geht nach Hause. Er heißt Ben Fraser, ist ein Versicherungsdetektiv und mit Laura (Jocelyn Brando) verheiratet. Er beschattet James Vanning seit Monaten und kennt jeden seiner täglichen Wege. Ben Fraser ist auf der Suche nach einer großen Summe Geld, die verschwunden scheint…
 
“Skip the milk of human kindness routine. Remember me?” Oh ja, ich erinnere mich. Sie sind der Film Noir, der nach dem Ende der McCarthy-Ära nochmals zu einer kurzlebigen und teils deftigen Blüte erwachte und der als Verfilmung einer Buchvorlage von David Goodis seine Einzeiler wie Kirschkerne aufs Pflaster der Metropole Los Angeles spuckt. Erstklassige Besetzung mit Aldo Ray, Brian Keith und Anne Banroft, zu der noch Rudy Bond als Killer Red gezählt werden sollte, der ebenso häufig zu sehen ist wie James Gregory und ebenso überzeugt. Neben der Riege von Darstellern gibt es weitere Merkmale höchster Qualität, zum ersten die Kameraarbeit Burnett Guffeys, der dem Titel des Films voll gerecht wird und sich für die nächtliche Metropole als ideal erweist - lauter kunstvoll ausgeleuchtete Einstellungen, die der Dynamik der Regie aufs Beste zuarbeiten. Mit seinen 78 Minuten Spielzeit ist Nightfall – jenes Wenn die Nacht anbricht war lediglich Fernsehtitel der deutschen Erstaufführung von 1979 - kurz geraten, doch Jacques Tourneur zeigt eine exzellente Ökonomie, so dass er keine Einstellung verschenkt und sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält – deutlich von Goodis inspiriert, der als Autor ebenso effektiv wie in der narrativen Struktur kunstvoll sein konnte. Ein zentrales Spannungsmoment verdankt sich dem Umstand, dass James Vanning sein Gerheimnis nur häppchenweise preisgibt und es für den Zuschauer in Form von Rückblenden sichtbar wird, bevor man zurück in die Gegenwart der Handlung springt. Clever, brutal, spannend und facettenreich präsentieren sich die ersten 60 Minuten eines Films, die den Freunden klassischen Film-Noir-Kinos Grund zum inneren Jubilieren geben.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
Dann verlässt ein Überlandbus die Großstadt und wir finden uns für die letzten 18 Minuten in einem simplen Abenteuerplot, der Marie Gardner zum braven Mädchen werden lässt, die kaum noch einen Halbsatz sprechen darf, und darin der Versicherungsdetektiv Ben Fraser zum Freund und Helfer degradiert wird und wo es vor unlogischen Wendungen und unmotivierten Aktionen nur so wimmelt. Im Nu ist durch Frasers Verhalten die Spannung aus dem Film gewichen und das Tun der unbewaffneten Unbescholtenen steht im Widerspruch zur Logik dessen, was Fraser als Detektiv oder Vanning als ex-G.I. wissen sollten. Dasjenige der Gangster John und Red ist aber noch viel widersinniger, nachdem diese nun haben, wonach sie zuvor verzweifelt hatten suchen müssen. Wie weggeblasen sind die dunklen Noten der nur noch plan „guten“ Charaktere. Die Schlechtigkeit der Bösen und Muskelkraft besorgen den Rest in einem Finale, das ebenso hastig wie enttäuschend ausfällt. So gehört Nightfall zu einer Vielzahl von Film Noirs jener späten Ära, die einerseits mehr können und wollen, als in den Vierzigern möglich war, - John und Red lassen ans Duo Lee Marvin und Clu Gulager in Don Siegels Der Tod eines Killers (USA 1964) denken – andererseits die eigene Meisterschaft im Abschluss demontieren und ein kreuzbraves, unglaubwürdiges Ende liefern, treu nach den Gesetzmäßigkeiten Hollywoods. Einmal mehr hätte Jacques Tourneur alles zur Verfügung gehabt, um einen Film Noir - wie 10 Jahre zuvor Goldenes Gift (USA 1947) - aus dem Einerlei der B-Produktion zu einem stilechten Meisterwerk empor zu heben. Davon kann allerdings keine Rede sein. Nightfall verschenkt sein Potential und fällt mit dem Schluss tief in solches Einerlei zurück. Schade! Dieser Film hätte um Längen besser sein können.
 
In den USA erschien Nightfall in der 5DVD-Box Columbia Pictures Film Noir Classics II (2010), einer Kooperation der Sony Pictures Home Entertainment Inc. mit der Film Foundation, also bildtechnisch topp, ungekürzt im Originalformat mit englischem Ton und englischen Untertiteln, den US-Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1957 | USA | Jacques Tourneur | David Goodis | Burnett Guffey | James Gregory | Brian Keith | Anne Bancroft

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