Schrei, wenn du kannst

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Bewertung
****
Originaltitel
Les cousins
Kategorie
Post Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

Gérard Blain, Jean-Claude Brialy, Juliette Mayniel, Guy Decomble, Claude Cerval

Regie
Claude Chabrol
Farbe
s/w
Laufzeit
104 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Jurastudent Charles (Gerard Blain) kommt des Nachts in Paris an und nimmt vom Bahnhof aus ein Taxi zur Adresse seines Cousins Paul Thomas (Jean-Claude Brialy) in dem hübschen Vorort Neuilly-sur-Seine. Er möchte sein Studium in der Hauptstadt abschließen und wohnt ab sofort ebenfalls in Pauls luxuriösem Apartment im siebten Stock. Als er ankommt, öffnet ihm Pauls älterer Hausfreund Clovis Dalbecque (Claude Cerval) auf einem Brot kauend die Tür. Paul selbst deklamiert theatralisch die Ankunft seines Cousins. Er und Clovis gefallen sich in manieristischen Attitüden, was den eher zurückhaltenden Charles sogleich verwirrt, der sich unter dem Vorwand der Müdigkeit in sein Zimmer zurückzieht und einen Brief an seine Mutter schreibt. Es klingelt an der Tür und Geneviève (Geneviève Cluny) kommt zu Besuch, die beim Frauenarzt eine von ihr angenommene Schwangerschaft bestätigt bekam. Deren Ursache ist Paul, der jetzt mit Clovis seine ex-Geliebte Geneviève zur Abtreibung zu überreden versucht und Clovis das nötige Geld zusteckt. Am Morgen - Paul weckt Charles zum Scherz mit einem ungeladenen Revolver aus seiner Waffensammlung - zeigt der exaltierte Lebemann dem Neuankömmling bei einer Ausfahrt im zweisitzigen Cabriolet die Stadt. Im Quartier Latin besuchen sie den Club L’association, wo Philippe (Jean-Pierre Moulin) schon tagsüber betrunken ist, nachdem ihn Françoise (Stéphane Audran) verlassen hat, und das ist längst nicht die einzige Überraschung für Charles…
 
Das Frühwerk Claude Chabrols wird stets mit der Entstehung der französischen Nouvelle Vague in Verbindung gebracht, aber “there is a noticeable affinity between his films and the American film noir of the 1940s and 50s”, stellt John Conomos in seiner Renzension zu Schrei, wenn du kannst, Chabrols zweitem Spielfim, für senses of cinema heraus. Und hierin liegt kein Widerspruch: “This is more akin to the recognizable style of the “Nouvelle Vague” (with one of the characteristics being an unduly harsh quality to the cinematography, typically a prerogative of the film noir genre)”, erläutert Mario Gauci in seiner Besprechung des Werks auf imdb.com. Claude Chabrols Spielfilm von 1959 war auf der Höhe seiner Zeit, hatte aber Vorläufer, die ihn vor allem stilistisch beeinflussten. Sein Kameramann Henri Decaë hatte mit Jean-Pierre Melvilles Drei Uhr Nachts (1956) und Louis Malles Fahrstuhl zum Schafott (1957) die Bilderwelten von zwei der wichtigsten französischen Film Noirs inszeniert. Er gibt auch Schrei, wenn du kannst sein Aussehen und zwar gleich zu Beginn mit seinen Impressionen vom Paris bei Nacht und später mit den vielfältigen Perspektiven auf Pauls verwinkelt bizarre Wohnung im siebten Stock. Nicht nur das europäische Kino der Fünfziger sondern auch das US-amerikanische hatte einen Blick auf die nachrückende Generation geworfen, der ihre Autoren, Regisseure und Darsteller selbst entstammten. Nicholas Ray hatte mit Im Schatten der Nacht (USA 1948) diesen Reigen begonnen. Ein Platz an der Sonne (USA 1951), Der Tiger von New York (USA 1954) oder eben Fahrstuhl zum Schafott (FRA 1957) widmeten sich sich mehr oder minder explizit der Orientierungslosigkeit, dem Werteverlust, der Isolation und den Frustrationen einer Jugend in der wirtschaftlich prosperierenden Ära des Kalten Krieges.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Schrei, wenn du kannst ist im besten Sinne klassisches Drama und gewann auf den Berliner Filmfestspielen 1959 den Goldenen Bären in der Kategorie „Bester Film“. Sein Erfolg etablierte Claude Chabrol in der Nachbarschaft von François Truffaut, Jean-Luc Godard, u.a. als einen Eneuerer des französischen (und des europäischen) Kinos, das unterm Stichwort Nouvelle Vague ein Filmschaffen als Kunstform dank Autorschaft und autonomer Regie mitbegründete und ab Mitte der Sechziger auch in Hollywood für einen Entwicklungssprung sorgte. Mit seinem Finale, das eines Alfred Hitchcocks würdig gewesen wäre und dessen Einfluss auf Chabrol offenbart, mit seinen Charakteren, deren Dynamik von der inneren zur gelebten Krise u.a. in der Film-Noir-Tradition wurzelt, zeigt Schrei, wenn du kannst am Ende des Jahrzehnts, dass die Nouvelle Vague explizit Vorbilder hatte. Die französische Filnmrezeption schätzte - ganz im Gegensatz zur US-amerikanischen - den Film Noir längst und hatte mit Panorma du film noir américain (EA 1955) von Raymond Borde und Etienne Chaumeton bereits ein Standardwerk hervorgebracht. Claude Chabrol schrieb vor allem mit seinen Thrillern der Spätsechziger - u.a. Das Biest muss sterben (FRA/ITA 1969) und Der Schlachter (FRA/ITA 1970) - die Film-Noir-Tradition fort.
 
Erstklassige DVD-Ausgabe von Arthaus / Studiocanal (2013) in deren schätzenswerter Reihe Arthaus Retrospektive, d.h. ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche oder französische Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Post Noir | 1959 | France | Claude Chabrol | Henri Decaë | Claude Cerval | Gérard Blain | Jean-Claude Brialy | Stéphane Audran

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