Schlachter, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Le boucher
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1970
Darsteller

Stéphane Audran, Jean Yanne, Mario Beccara, Roger Rudel, William Guérault

Regie
Claude Chabrol
Farbe
Farbe
Laufzeit
89 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
 
In der Kleinstadt Tremolot in der südwestfranzösischen Provinz Périgord hält der Schullehrer Leon Hamel (Mario Beccara) Hochzeit. Viele Gäste füllen den Saal, wo eine Band aufspielt und der Chansonier Angelo (Antonio Passalia) sogar a cappella ein Lied anstimmt. Die Gäste trinken Champagner und sind bester Laune, unter ihnen auch die Schulleiterin des Ortes, Hélène Davile (Stéphane Audran), und der kürzlich aus dem Krieg in Indochina zurückgekehrte Paul Thomas, Popaul (Jean Yanne) gerufen. Madamoiselle Hélène, wie sie genannt wird, lässt sogar ihren Schüler Charles (William Guérault) vom Champagner probieren, und Popaul, der jetzt in Tremolot als Schlachter arbeitet, bietet Hélène an, in Zukunft die besten Stücke Fleisch für sie zu reservieren. Schon am nächsten Tag kommt er in der Schule vorbei, - Hélène bewohnt im zweiten Stock eine eigens für die Schulleiterin eingerichtete Wohnung - und bringt ihr eine Hammelkeule ins Klassenzimmer. Hélène lädt Popaul ein, mit ihr am Abend die Keule zu verspeisen und danach ins Kino zu gehen. Als sie an diesem Nachmittag ins Städtchen geht, ist dort auch die Gendarmerie aus Périgueux. Die Bäckerin, bei der Hélène ein Baguette kauft, erklärt ihr, dass man die kleine Galetine erstochen im Wald gefunden habe und die Polizei nunmehr nach ihrem Mörder fahnde. Pünktlich um sieben erscheint Popaul. Hélène korrigiert noch einige Diktate ihrer Schüler und dann gehen sie zum gemeinsamen Kochen in die gemütliche Küche…
 
“That same year (1969) in France, two films by Claude Chabrol, La Femme Infidele and Le Boucher, redefined noir in contemporary terms”, schreibt C. Jerry Kutner in seinem Artikel Beyond the Golden Age - Film Noir Since the Fifties  für das Bright Lights Film Journal. Und neben Wikipedia führt auch Green Cine diesen Film in seiner Liste der European noir and neo-noir. Aber Claude Chabrols Werk, das sich so symptomatisch für ihn mit dem Subtext der bürgerlichen Idylle befasst, greift eindeutig auf Einflüsse klassischen Film-Noir-Kinos zurück, namentlich auf Henri-Georges Clouzot und Alfred Hitchcock. Das am Tatort zurückgelassene Feuerzeug ist ein deutlicher Fingerzeig auf Hitchcocks Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress (USA 1951), der sich dezidiert mit der Psychopathologie eines Serienmörders befasst. Zudem erinnert die Lokalität der Landschule an das Internat in Clouzotzs Die Teuflischen (FRA 1955). Die ländliche Kulisse und das Ineinandergreifen der Protagonisten mit jeweils einer die Gegenwart belastenden Vergangenheit lässt an Clouzots frühen Noir Der Rabe (FRA 1943) denken. Demgegenüber inszeniert Chabrol seinen Film wie ein Kammerspiel; an Atmosphärischem verlässt er sich auf den Minimalismus der eigentümlich leeren Tristesse der Ortschaft selbst.
 
Die Leere steht für die Isolation der beiden zentralen Rollencharaktere - jeweils als Individuen und als Paar. Zwar weist Hélène bei ihrer ersten Einladung Popaul darauf hin, dass das gemeinsame Abendessen im Schulhaus Klatsch nach sich ziehen könnte. Doch schon da, wie auch auf der Hochzeit ihres Kollegen Hamel, erscheinen die beiden aus einem anderen Holz geschnitzt als die Leute vom Lande - er mit seinen fünfzehn Jahren bei der französischen Armee, die ihn an die Kriegsschauplätze der Welt führte, sie als Pariserin, die sich bewusst aufs Land zurückzog. Noch in der Schule, in der Schlachterei oder beim Bäcker, wo sie mit ihren Kollegen oder mit Dorfleuten sprechen, sind sie von ihrer Distanz geprägt: Unberührbare. Popaul verzweifelt daran, Hélène leidet darunter, und beide erkennen sie einander im anderen. Ähnlich geht es Rémy Germain (Pierre Fresnay) und Denise Saillens (Ginette Leclerc) in Der Rabe (FRA 1943), nur mit anderem Ausgang. Stéphane Audran, damals Ehefrau Claude Chabrols, überzeugt in der Rolle der Schulleiterin, zumal sich der Film mit ihrem Leben in der Kleinstadt Tremolot viel Zeit lässt. So richtig ein Thriller wird der Film in der zweiten Hälfte, alsdann lässt die Regie erkennen, was ihr auch handwerklich zu Gebote steht. Der Schlachter ist ein von der Nouvelle Vague geprägter Neo Noir aus einer Zeit, da das französische Kino eine ganz und gar eigenständige Klasse hatte. Das Finale ist gelungen, das Ende konsequent, allerdings ein wenig abrupt.
 
Die deutsche DVD (2010) der FilmConfect Home Entertainment GmbH ist bildtechnisch mittelprächtig, bietet aber wahlweise die  deutsche oder französische Tonspur, dazu Untertitel auf Deutsch. Extras gibt es keine. Die auf dem Cover verzeichnete Angabe von 93 Minuten Laufzeit ist falsch, der Film dauert 89 Minuten. Auch ist das Bildformat nicht Vollbild 4:3, wie angegeben, sondern 1.85:1 (16:9), was allemal das korrekte Widescreenformat des Films ist.
 

Neo Noir | 1970 | France | Claude Chabrol | Jean Yanne | Stéphane Audran

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