Verdict, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Verdict
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Joan Lorring, George Coulouris, Rosalind Ivan

Regie
Don Siegel
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Newgate Prison, London, im Jahr 1890: Zur frühen Morgenstunde wird der Gärtner Harris, ein ex-Häftling und der Mörder im Fall Hannah Kendall, vor den Henker geführt, und Superintendent George Edward Grodman (Sydney Greenstreet) ist persönlich anwesend. Als er kurz darauf bei New Scotland Yard ins eigene Büro tritt, erwarten ihn sein Vorgesetzter Sir William Dawson (Holmes Herbert) und sein Rivale Superintendent John R. Buckley (George Coulouris). Sie konfrontieren George Grodman mit einer schockierenden Nachricht. Seine Beweisführung im Fall Kendall beruhe auf einem Irrtum und heute Morgen sei ein Unschuldiger hingerichtet worden. Tatsächlich kann der eben aus Australien zurückgekehrte Reverend Holbrook (Arthur Shields) für den Hingerichteten ein Alibi beibringen. Grodman ist entsetzt und sieht sich gedemütigt, da nun tatsächlich der jüngere Buckley seine Stelle übernehmen wird, demgegenüber er selbst vorzeitig seinen Abschied nimmt. Als die Londoner Tageszeitungen die Nachricht vom Justizirrtum veröffentlichen, herrscht Unmut in der Bevölkerung. Aber  als er an diesem Abend nach Hause kommt, erwarten ihn dort der mit ihm gut bekannte Lebemann und Illustrator Victor Emmric (Peter Lorre) und der mit jenem im gleichen Apartmenthaus wohnende Parlamentsabgeordnete Arthur Kendall (Morton Lowry), ein Neffe der ermordeten Hannah Kendall…
 
Für das Drehbuch und die Regie gäbe es in der Gesamtbewertung drei Sterne. Der Film bedient das seinerzeit hohe Interesse an den auch in Buchform populären “Murder Mysteries“, also an Kriminalromanen vom Schlag der Sherlock-Holmes-Serie Sir Arthur Conan Doyles – in Hollywood von 1939 bis 1945 mit Basil Rathbone und Nigel Bruce in den Hauptrollen verfilmt - oder anderer Stoffe von Autoren wie Agatha Christie oder sogar noch Charles Dickens oder Edgar Allan Poe. Atmosphärisch erinnert der in London angesiedelte Krimi, Don Siegels erste Regiearbeit, genau daran. Nebelschwaden wabern durch die von Gaslaternen erleuchtete, viktorianische Studiokulisse. Müßiggänger von Rang und Namen stehen sich mit ihren Champagnergläsern die Beine in den Bauch oder hocken zur nachschlafenen Stunde in zwielichtigen Etablissements. Man trägt Stock und Zylinder und bewegt sich per Droschke - eine klischeehaft ideale Tapete für eine Hollywood-Fantasie, wie sie neben der genannten Sherlock-Homes-Reihe auch John Brahm in Hangover Square (USA 1945) oder Douglas Sirk in Angelockt (USA 1947) zu inszenieren wussten. Doch banal geht es hier nicht zu. Solches verdankt der Zuschauer Sydney Greenstreet und Peter Lorre. Aufgrund ihres Schauspiels und ihrer Rollenchararktere bekommt The Verdict den vierten Stern. Zum achten und lezten Mal traten die beiden Giganten des US-amerikanischen Kinos der Vieziger gemeinsam vor die Kamera - zuvor in Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941), Casablanca (USA 1942), Spion im Orientexpress (USA 1943), Fahrkarte nach Marseille (USA 1944), Die Maske des Dimitrios (USA 1944), Der Ring der Verschworenen (USA 1944) und Drei Fremde (USA 1946) - in letzterem bereits mit Joan Lorring in der weiblichen Hauptrolle.
 
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© Warner Bros.
 
Doch die Besetzung ist auch sonst bemerkenswert – Sydney Greenstreet, George Coulouris, Paul Cavanagh, Rosalind Ivan, Morton Lowry, Arthur Shields und Holmes Herbert sind allesamt gebürtige Engländer. Peter Lorre war ein jüdischer Exilant mit Heimatstadt im ehemaligen Österreich-Ungarn und Joan Lorring entstammte der britischen Kronkolonie Hongkong. The Verdict ist eine amerikanische Produktion, darin US-Schauspieler nur als Statisten vorkommen, was wesentlich zur Glaubwürdigkeit – nicht zuletzt sprachlich – des zunehmend dunklen Dramas beiträgt. The Verdict wird in der Film-Noir-Literatur lediglich in Paul Duncans Film Noir – Films of Trust and Betrayal (2007) erwähnt und online vor allem in einer treffsicheren Rezension von Roderick Heath in dessen eigenem Blog Ferdy On Films: „The Verdict is a transitional film (…) the harder, dark-drenched, morally ambivalent noir genre was taking grip. Siegel toys with the structure, sympathies, and style of The Verdict to make it count as a noir work”, urteilt Heath und trifft den Nagel auf den Kopf. Besonders im letzten Drittel wissen Regisseur Don Siegel und sein Drehbuchautor Peter Milne den Zuschauer zu verblüffen. Das Gespann der wunderbaren Akteure lässt der Dunkelheit jenen Raum, der ihr in einem solchen Drama gebührt. Ein empfehlenswerter Film Noir für all diejenigen, die sich von seiner viktorianischen Kulisse eher angezogen als abgestoßen sehen.
 
In den USA erschien der Film als DVD-R in der Warner Archive Collection (2009), ungekürzt im Originalformat und in sehr guter Bildqualität, mit englischem Originalton ohne Extras. In Europa gibt es eine italienische DVD bei CG Home Video SRL (2012) mit ebenfalls englischem oder auch italienischem Ton sowie optional italienischen Untertiteln. Diese Ausgabe liegt uns allerdings nicht vor.
 

Film Noir | 1946 | USA | Don Siegel | Ernest Haller | Robert Burks | George Coulouris | Paul Cavanagh | Peter Lorre | Sydney Greenstreet | Ted Jacques | Joan Lorring

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