Stolen Face

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Bewertung
***
Originaltitel
Stolen Face
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Paul Henreid, Lizabeth Scott, André Morell, Mary Mackenzie, John Wood

Regie
Terence Fisher
Farbe
s/w
Laufzeit
72 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Stolen Face-Poster-web3.jpg Stolen Face-Poster-web2.jpg Murder by Proxy-Poster-web6.jpg  Stolen Face-Poster-web5.jpg
© VCI Entertainment
 
London: Dr. Philip Ritter (Paul Henreid) unterhält eine Praxis für kosmetische Chirurgie und gilt in der Stadt auf seinem Gebiet als Koryphäe. Eines Tages erhalten er und sein Assistent Dr. John “Jack“ Wilson (John Wood) sogar Besuch von Lady Millicent Harringay (Everley Gregg), die in fortgeschrittenem Alter wieder heiraten möchte und um eine Verschönerung ihres Gesichts nachsucht. Aber Ritter, der sofort sieht, dass Lady Harringay bereits zuvor operiert wurde, sagt ihr ab und die Dame verlässt aufgebracht seine Praxis. Später führt er eine Operation im Staatsgefängnis Holloway durch, wo er Kriminellen, deren Äußeres ihre Resozialisierung behindern könnte, durch seine Kunst helfen möchte. Im Büro von Dr. Russell (Arnold Ridley) trifft Dr. Ritter auf die durch eine Vernarbung stark entstellte, seit langem immer wieder inhaftierte Lily Conover (Mary Mackenzie) und bietet ihr eine Operation des Gesichts an. Auf dem Heimweg, inzwischen ist es Abend, kommt der seit langem überarbeitete und übermüdete Ritter mit dem Auto von der Straße ab und gefährdet auch seinen Beifahrer John Wilson. Der verordnet ihm einen Urlaub, und tatsächlich macht sich Ritter am nächsten Tag auf den Weg in ländliche Regionen. Am Abend wird er von einem heftigen Regen überrascht und beschließt daher, in dem Landgasthof The Dog and Duck einmalig zu übernachten. Der freundliche Alf Bixby (Cyril Smith) vermietet ihm das letzte freie Zimmer und Ritter geht zu Bett, als er plötzlich nebenan ein wiederholtes Husten vernimmt. Nachdem ein erster Hinweis wenig bringt, zieht Ritter seinen Morgenmantel über, schnappt sich eine Flasche schottischen Whiskys und klopft an der benachbarten Tür. Die aus den USA stammende und auf einer Tournee befindliche Konzertpianistin Alice Brent (Lizabeth Scott) öffnet ihm…
 
“It is one of noirs more bizarre outings“, schreibt Jeff Markham für Noir Of The Week über diese Kooperation der Hammer Film Productions (UK) und Lippert Films (USA) aus dem Jahr 1952. Und das ist erst einmal richtig. Das britische Studio und die US-amerikanische Produktionsfirma hatten sich in den frühen Fünfzigern darauf geeinigt, eine Reihe von Film Noirs in England zu drehen, deren Stars jeweils bekannte US-Schauspieler sein sollten. Im Ganzen 14 dieser Produktionen kamen durch VCI Entertainment (USA) in weltweit abspielbaren DVD-Editionen – sogenannte Double Features mit zwei Filmen pro einzelner DVD - wieder zum Vorschein, darunter mancher bemerkenswerte B-Noir mit Darstellern wie Dane Clark, Dan Duryea, John Ireland oder Zachary Scott. So gelangten auch Paul Henreid und Lizabeth Scott in diesen Thriller von 1952. Im Übrigen sehen wir eine Reihe teils hervorragender englischer Charakterdarsteller. Stolen Face ist aus der Serie von Kooperationen jedoch nicht erste Wahl. Während der Auftakt noch halbwegs gelungen erscheint und auch Henreid und Scott eine glaubwürdige Chemie vermitteln, ist die Entwicklung der Geschichte ab der Mitte des Films kaum tolerabel. Die Schwäche liegt im Drehbuch, dessen Einfall eines Schönheitschirurgen, der Häftlingen zu einem neuen  Äußeren verhilft, um ihnen den Weg in die Gesellschaft zu ebnen, eh schon absurd ist. Das durchsichtig alberne Finale treibt es dann auf die Spitze.
 
Stolen Face-still-web9.jpg  Stolen Face-still-web8.jpg Stolen Face-still-web10.jpg
© VCI Entertainment
 
Zudem befinden sich die Elemente des Melodrams, schöne und erfolgreiche Gesellschaftsdame sieht sich zwischen zwei Männern, mit denen eines Film Noirs, berühmter Chirurg lässt sich von verborgenen Obsessionen zu einer fantastischen Tat hinreißen, leider im Widerstreit. Was sich andernfalls ergänzt, findet in diesem Drehbuch partout nicht zusammen, denn der Charakter Dr. Philip Ritters ergibt kein schlüssiges Bild. Dabei tun die Darsteller ihr Möglichstes. Paul Henreid (Casablanca, USA 1942) ist außergewöhnlich gut, und auch Lizabeth Scott wächst in einer Doppelrolle über ihr sonst etwas monochromes Spiel klar hinaus. Der englische Regisseur Terence Fisher überzeugt durch handwerkliches Geschick und lässt seinen B-Film nach mehr aussehen, als es das Budget hergab. Mit Walter J. Harvey steht ihm zudem Hammers bester Kameramann zu Verfügung. Einige der Nebenrollen sind mit Mary Mackenzie, John Wood und Susan Stephen topp besetzt, doch kann auch ihr versammeltes Talent  die Geschichte nicht vor ihrem läppischen Ende bewahren. Lizabeth Scott war 1952 mit ihrer Schauspielerkarriere fast am Ende - der Verdacht auf eine lesbische Sexualität machte der Unverheirateten in den USA der McCarthy-Ära bald den Garaus. Paul Henreid wechselte sukzessive ins Regiefach, wo er ab den Spätfünfzigern fast ausschließlich fürs Fernsehen arbeitete.
 
Stolen Face erschien als DVD bei VCI Entertainment in den USA (2009, weltweit abspielbar) und zwar als Double Feature mit dem exzellenten Murder by Proxy / Blackout (UK 1954): gute Bild- und Tonqualität, ohne Untertitel und mit einigen informativen Extras, ungekürzt im Originalformat. Vorteil der 3DVD-Box des sogenannten Collector’s Set Vol.1 der als Hammer Film Noir betitelten Edition: Man erhält 6 leidlich unterhaltsame, obskure B-Filme (1952 bis1954) auf 3 DVDs für wenig Geld.
 

Film Noir | 1952 | UK | Terence Fisher | André Morell | Paul Henreid | Lizabeth Scott | Mary Mackenzie

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