© Paramount Pictures
Los Angeles: Schulkinder finden an einem abgelegenen Strand die Leiche der Stipteasetänzerin Gloria Hollinger (Sharon Kelly). Lieutenant Phil Gaines (Burt Reynolds) und Sergeant Louis Belgrave (Paul Winfield) vom Morddezernat nehmen die Untersuchung auf und kommen zu dem Schluss, dass die Frau mit einer Überdosis Barbiturate Selbstmord beging. Doch der Vater der Ermordeten, ein Veteran des Koreakriegs namens Mark Hollinger (Ben Johnson), gibt sich damit nicht zufrieden. Er beginnt, im Bekanntenkreis seiner einzigen Tochter, über deren Leben er seit einiger Zeit kaum noch etwas wusste, herum zu schnüffeln. Als er dabei auf den einflussreichen und angesehenen Anwalt Leo Sellers (Eddie Albert) stößt, wird die Sache für Hollinger gefährlich. Aber auch Lieutenant Phil Gaines hat einiges zu verlieren, ist er doch mit der Protistuierten Nicole Britton (Catherine Deneuve) liiert, die auch den sexbesessenen Millionär Sellers zu ihrer Kundschaft zählt. Da taucht der Mitschnitt eines Telefonats auf, das Leo Sellers bei der Ermordung einiger Gewerkschafter der Täterschaft verdächtig werden lässt. Nachdem auch Louis Belgrave von der Mitschuld Sellers’ überzeugt ist, gerät Phil Gaines unter Druck…
Ein Neo Noir, wie er im Buche steht, vor allem auch mit Blick auf die Licht-Schatten-Akzente einer großteils nächtlichen Szenerie. Kaum jemand ist, der er oder sie eingangs zu sein scheint, und jedermann erscheint zuletzt isioliert und verloren. Eine Welt der Einsamen, die inmitten des Ameisenhaufens Los Angeles und als Teilhaber bürgerlichen Wohlstands oder gar Reichtums zum Scheitern verurteilt sind. Das ist die Welt des Regisseurs Robert Aldrich, die er 1955 in
Hollywood-Story mit Ida Lupino und Jack Palance und auch in seinem legendären Film Noir
Rattennest (1955) präsentierte. Der Glamour der ach so lockeren Lebensentwürfe wird konsequent entzaubert und die Beziehungen aller Beteligten erweisen sich als mindestens problematisch – oft als desaströs. Das Jahr 1955 ist in
Straßen der Nacht explizit auch Ausgangspunkt der Biografie eines Rollencharakters. Darüber hinaus zitiert Aldrich Don Siegels Neo Noir
Nur noch 72 Stunden (1968) und zeigt Ausschnitte aus John Hustons
Moby Dick (1956) und Claude Lelouchs
Ein Mann und eine Frau (FRA 1966).
Die Kriminalhandlung von
Straßen der Nacht ist nicht wirklich eine. Doch unter jedem Stein, den der desillusionierte Lieutenant Phil Gaines aufzuheben gezwungen wird, wimmelt es von Schmutz. Es sind die Dramen hinter den Kulissen der Verhältnisse, es ist die Vernetzung der Mächtigen mit der Macht, die Aldrich interessieren und das wiederum macht die
Straßen der Nacht zu einem für die Zeit nach Watergate und Vietnam typischen Neo Noir, dessen Tristesse und Sozialdarwinismus z.T. an
Der Dialog (1974) und
Zeuge einer Verschwörung (1974) heran reichen. Sein FSK-18-Siegel (auch als DVD) dürfte er teils der Darstellung von Gewalt, vor allem aber seiner durchgehenden Amoralität verdanken, die noch im Finale die Ethik der bürgerlich-rechtlichen Gesetzgebung Lügen straft.
Die deutsche DVD von Paramount Pictures (2005) bringt den Film in exzellenter Bildqualität, zudem ungekürzte Spielzeit im Originalformat (1.85:1) und fünf verschiedene Tonspuren, u.a. Englisch und Deutsch, obendrein mehr Untertitel, als man hier aufzählen kann. Überaus sehenswert!
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