Auf einer Landstraße nahe Los Angeles erblickt Privatdetektiv Mike Hammer (Ralph Meeker) nachts im Licht seiner Scheinwerfer eine barfüßige Frau im Trenchcoat. Mitten auf der Fahrbahn stehend zwingt ihn Christina Bailey (Cloris Leachman) zur Vollbremsung. Er nimmt sie mit und an einer Tankstelle gibt sie einen Brief auf, indessen Hammer am Geisteszustand der verängstigten und unterm Trenchcoat offenbar unbekleideten Dame zweifelt. Kurz darauf werden sie angehalten, aus dem Wagen gezerrt, und während Unbekannte den Detektiv niederschlagen, wird Christina bestialisch gefoltert. Schließlich werden sie zurück in den Wagen gesetzt und von der Küstenstraße über die Klippe in die Tiefe gestürzt… Mike Hammer erwacht verletzt im Hospital in Los Angeles. Seine Assistentin Velda (Maxine Cooper) klärt ihn darüber auf, dass Christina ums Leben kam. In seinem Apartment erwartet ihn Police Lieutenant Pat Murphy (Wesley Addis) und rät ihm eindringlich dazu, sich aus dem Mordfall an Christina Bailey ab sofort heraus zu halten. Das weckt Mike Hammers Neugier, zumal sich in seiner Post der Brief der Toten findet…
Mit Robert Aldrichs Film Noir
Rattennest geht die Handlung, etwa vergleichbar Joseph H. Lewis’
Geheimring 99 (1955), ganz und gar im Stil auf. Der Reigen der Noir-Themen gibt sich von Szene zu Szene die Klinke in die Hand: schmierige Ganoven, brutale Polizeigewalt, Femme fatale und die heimlichen Herrscher aus den oberen Etagen der feinen Gesellschaft mit einer Armee von Handlangern. Doch sind die Charaktere bereits comichaft überzeichnet, so dass die Pulpvorlage von Krimiautor Mickey Spillane zugleich ihre Absurdität erkennen lässt. Mike Hammer, den Regisseur Aldrich später selbst als „zynischen Faschisten“ bezeichnet hat, agiert als
Private Eye der harten Sorte (seit Hammetts Sam Spade und Chandlers Philip Marlowe ein Standard des Film-Noir-Personals) wie ein von der Kette gelassener Dobermann. Das Wie von
Rattennest funktioniert interessanterweise genau deshalb. Nachdem der Kulturbetrieb aufgrund der Zensur durch Kommunistenjäger Senator McCarthy jahrelang ausgebremst wurde, schaltet Robert Aldrich endlich einen Gang höher. Im Jahr zuvor war Joseph McCarthy von einem Untersuchungssausschuss im US-Senat offiziell gerügt und er selbst damit als politisch treibende Kraft entmachtet worden.
© United Artists Corporation
Schauplätze, Kameraarbeit, Rollencharaktere, Dialoge, Jazz und Dramaturgie – dieser späte Film Noir zeigt noch einmal das stilistische Repertoire, das seine Fans so schätzen. Wer sich auf die Prämissen der Pulpstory von Mickey Spillane einlassen kann, zumal von Aldrich bissig konterkariert, wird als Cineast auf seine Kosten kommen. Wer mit dem Film Noir eher die ungeschminkt nihilistische Relevanz eines Jules Dassin, Abraham Polonsky oder John Huston verbindet, mag in Rattennest - bis heute in Deutschland ohne Jugendfreigabe (= FSK 18) - einen Vorläufer der leeren und brutalen Stilrituale Quentin Tarantinos erkennen. In seiner Zeit blieb der Film Noir Rattennest einmalig.
Erstklassige Umsetzung als DVD-Edition von MGM – wahlweise fünf Tonspuren, darunter Englisch und Deutsch, sieben verschiedene Untertitel, ungekürzte Spielzeit im Originalformat und eine bildtechnisch hochwertige Restauration plus US-Kinotrailer als Extra.
Kommentar hinzufügen