Home To Danger

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Bewertung
***
Originaltitel
Home To Danger
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Guy Rolfe, Rona Anderson, Francis Lister, Alan Wheatley, Bruce Belfrage

Regie
Terence Fisher
Farbe
s/w
Laufzeit
66 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London: Nach fünf Jahren erreicht Barbara Cummings (Rona Anderson) per Flugzeug aus Singapur die alte Heimat. Der Grund für ihre Rückkehr ist ein trauriger: ihr verwitweterer Vater ist überraschend gestorben. Howard Wainwright (Francis Lister) ist dessen ehemaliger Geschäftspartner und er kennt Barbara seit ihren Kindertagen. Er holt sie auch vom Flughafen ab und eröffnet ihr noch in der Halle, dass ihr Vater offenbar mit Schlaftabletten Selbstmord verübt habe, er selbst jedoch an einen Unfall glaube. Als sie sich im Auto auf den Weg in die Stadt begeben, werden sie von dem Gangster Lips Leonard (Peter Jones) verfolgt, der sie schon am Flughafen beobachtete. Wainwright begleitet die Frau zu Rechtsanwalt Brooks (Bruce Belfrage), der vor der Runde der Freunde und Hausangestellten Alfred Cummings’ Testament verliest. Der dubiose Schriftsteller Robert Irving (Guy Rolfe), ein Freund Barbaras aus ihren Jugendjahren, kommt zu spät zum Termin und ist darüber dennoch unbesorgt. Erst scheint es, dass Alfred Cummings den Großteil seines Besitzes, darunter das herrschaftliche Landhaus, seinem Partner Wainwright zu vermachen gedenkt, nachdem er sich von Barbara allein gelassen fühlte. Doch ein vor wenigen Tagen geänderter Zusatz schreibt den Hauptteil des Erbes nun seiner Tochter Barbara zu. Auch Wainwright scheint darüber glücklich, da er es angeblich als ein Zeichen der Aussöhnung wertet. Allerdings trügt der Schein, denn Wainwright ahnt bereits den Hintergrund der Änderung…

 

Dank einer flotten Dramaturgie in der Umsetzung des Skripts von Francis Edge und John Temple-Smith durch Regisseur Terence Fisher (Murder by Proxy / Blackout, UK 1954) kommt hier von Anbeginn kaum Langeweile auf. Fisher wurde vor allem durch seine Arbeit für Hammer Films berühmt, für die er zu Beginn der 50er Jahre einige Film Noirs, später vor allem Horrorfilme drehte, von denen bis heute Dracula (UK 1958) der bekannteste ist. Man sieht der B-Produktion ihr schmales Budget zwar an, doch Schauplätze, Kameraarbeit und Schauspieler können das großteils wettmachen. Vor allem die nächtlichen Szenen im Landhaus in Sussex und in London geben dem Film jenes Flair, das den Zuschauer bei der Stange hält. Guy Rolfe und Rona Anderson trennen knapp 15 Jahre, dennoch ist ihre Chemie und schließlich gar ihre Romanze halbwegs glaubwürdig. Doch sind es für mich Dennis Harkin (Forbidden, UK 1949), Alan Wheatley (Brighton Rock, UK 1947) und in einer frühen Rolle Stanley Baker (Die Spur führt ins Nichts, UK 1960), die den Genuss an einzelnen Szenen des Films ausmachen. Bei solchen “Szenen“ bleibt es aber, denn das Drehbuch und die ihm zugrundeliegende Geschichte ist zu schwach, um selbst über die Dauer von nur 66 Minuten einen bleibende Eindruck zu hinterlassen. Dies beginnt mit Barbaras fehlender Trauer über den Tod und der ausbleibenden Bestürzung über den vermeintlichen Selbstmord ihres Vaters. Frohgemut zieht die Tochter ins Elternhaus zurück, vergnügt sich auf der Entenjagd und hat auch sonst weder zu klagen noch viel zu erzählen. Ihre 5 Jahre in Singapur waren ereignislos, behauptet sie auf Nachfrage Robert Irvings, auch scheint sie niemand oder etwas in ihr dortiges Leben, das sie einst gegen den Wunsch ihres Vaters begann, zurückzuziehen. Glaubwürdig oder gar nachvollziehbar? In keinster Weise.

 

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© Renown Pictures Ltd.

Trotz seines soliden Spannungsaufbaus wird der Film im Finale leider richtiggehend hanebüchen. Der zuletzt als Schurke enttarnte Drogenhändler und Mörder im Umfeld von Howard Wainwright und Barbara Cummings stellt sich auf der Flucht vor seinen Häschern so dämlich an, dass das Unvermeidliche bitte auch eintritt. In einem Finale, das an dasjenige in Henri-George Clouzots Sie waren sechs (FRA 1941) erinnert, zeigt sich der bis dahin so intelligente wie skrupellose Mann hinter diversen Verbrechen als Tölpel. Obendrein wird dem aufmerksamen Zuschauer klar, dass er mehrfach Gelegenheit gehabt hätte, sein Opfer in eine Falle zu locken und es versäumte, weil es nicht im Sinne der Autoren gewesen wäre. Auch der offensichtliche Einbruch von Tageslicht in jene Verfolgungsjagd in schwarzer Nacht - im Wechsel von einer Szene zur nächsten - zeugt von einiger Egalität beim Filmschnitt und ist schlicht ärgerlich. Fazit: Mittelmäßige B-Produktion, die man sich trotz der genannten Darsteller und trotz der Kameraarbeit von Reginald H. Wyer (Aus dem Tagebuch eines Henkers, UK 1948) getrost schenken kann. Der britische Film Noir jener Zeit hat um Längen Besseres im Angebot.

 

Gute DVD-Edition (2014) der englischen Renown Pictures mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras, bild- und tontechnisch solide, und zusammen mit Master Spy (UK 1963) auf einem Silberling. In den USA ist der Film via VCI Entertainment Teil einer 2DVD-Edition (2009) namens British Cinema: Renown Pictures Crime & Noir mit insgesamt sechs B-Filmen aus den Jahren 1950 bis 1956.

 

Film Noir | 1951 | UK | Terence Fisher | Reginald H. Wyer | Alan Wheatley | Dennis Harkin | Stanley Baker

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