Kiss Of Death

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Bewertung
**
Originaltitel
Kiss Of Death
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1995
Darsteller

David Caruso, Samuel L. Jackson, Nicolas Cage, Helen Hunt, Kathryn Erbe

Regie
Barbet Schroeder
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
New York: Der Kleinkriminelle Jimmy Kilmartin (David Caruso) und seine Frau Bev (Helen Hunt) haben eine harte Zeit hinter sich. Aber seit Jimmy aus der Haft entlassen wurde und die gemeinsame Tochter Corinna das Leben der beiden zusätzlich bereichert, stehen die Zeichen auf Neuanfang. Heute Abend ist ihre Babysitterin Rosie (Kathryn Erbe) längst vor Ort, als Jimmy heimkehrt. Bev hat einen Termin, zu dem ursprünglich auch Jimmy mitkommen sollte, doch der hat es vergessen und am Morgen ganz früh ein Bewerbungsgespräch. So passt Jimmy aufs Baby auf und liegt im Wohnzimmer auf dem Sofa, wo er sich French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971) im Fernsehen anschaut. Plötzlich klingelt es und Ronnie Gannon (Michael Rapaport) steht in der Tür. Er ist verzweifelt, denn für einen Coup, den er heute Abend für Big Junior Brown (Philip Baker Hall) und dessen impulsiv gewalttätigen Sohn Litte Junior Brown (Nicolas Cage) durchführen soll, ist einer seiner Fahrer zu besoffen. Jimmy ist empört über Ronnies Ansinnen, dass er den Fahrer ersetzen solle, aber jener macht ihm klar, dass Little Junior Ronnie sonst umbringen würde. Ronnies Familie hatte Bev und Jimmy nach dessen Entlassung geholfen und so willigt Jimmy schließlich ein, klingelt Rosie aus dem Bett, die sofort herunter kommt und begibt sich mit Ronnie zu mehreren Sattelschleppern mit gestohlenen Limousinen. Diese sollen quer durchs nächtliche Manhattan zum Hafen. Little Junior Brown und seine Gang warten bereits und der Juniorchef packt sich erst einmal den besoffenen Fahrer (Alex Stevens) und schleudert ihn hart auf den Asphalt…
 
Dass das Remake eines Film-Noir-Klassikers sich einerseits dem Original verpflichtet sieht, wie es hier durch den expliziten Hinweis aufs ursprüngliche Drehbuch von Ben Hecht und Charles Lederer der Fall ist, sich andererseits von diesem zu emanzipieren sucht, ist beides nicht nur legitim sondern ratsam. Henry Hathaways Der Todeskuss (USA 1947) ist einer der Film-Noir-Klassiker aus der Hochzeit solcher Epoche. Die 90er Jahre wiederum fanden sich durch die gleich zu Beginn des Jahrzehnts via John Dahl, Quentin Tarantino und viele andere Regisseure initiierte Welle des Neo Noirs an den genuin US-amerikanischen Stil erinnert. Barbet Schroeders Kiss of Death ist nur eins von mehreren Remakes aus jener Zeit. Martin Scorseses Kap der Angst (USA 1991), Irwin Winklers Die Nacht von Soho (USA 1992) oder Tamra Davis‘ Guncrazy – Junge Killer (USA 1992) waren ihrerseits mit dem Bezug zu den Quellen mehr oder minder erfolgreich, mehr oder minder freizügig umgegangen. Aber in Kiss Of Death misslingt schon frühzeitig viel zuviel. David Caruso bietet bestenfalls Mittelmaß; Nicolas Cage übersteuert die Rolle Little Junior Browns maßlos - sein Over-Acting grenzt an Selbstparodie und nervt. Mit Helen Hunt und Philip Baker Hall als besten Darstellern sind lediglich zwei Nebenrollen adäquat besetzt, denn Ving Rhames und Samuel L. Jackson haben auf Autopilot geschaltet.
 
Die Kameraarbeit Luciano Tovolis ist unspektakulär und gibt dem Streifen von Anbeginn nicht nur ein B-Film-Flair,  sondern rutscht in der zweiten Hälfte zunehmend auf ein TV-Niveau herab. Die Chemie zwischen Carusos Jimmy und Erbes Rosie geht so ziemlich gegen Null, aber nach seiner Entlassung sieht der Zuschauer die beiden plötzlich vor dem Traualtar und fragt sich bloß: „Warum das?“ Im Original wird die Liebesbeziehung von Nick Bianco und Nettie mittels des erstklassigen Schauspiels Victor Matures und Coleen Grays sorgsam vorbereitet und spielt auch später eine Rolle. Hier gerät sie bald außer Sicht. Die Figur der verheirateten Rosie ist ein blasses Anhängsel, das hin und wieder einen belanglosen Satz beisteuern darf. Die von Produzent und Autor Richard Price hinzu gestrickten Wendungen, die die polizeilichen Ermittlungen gegen Little Junior betreffen, sind im Gegenzug klischeehaft und langweilig, das Finale ist richtiggehend banal. So bleibt die seinerzeit hochkarätig besetzte Produktion ein Beleg dafür, dass manche Regisseure und Produzenten, die sich in jenen 90ern an den Neo-Noir-Trend anzudocken hofften, die wesentlichen Dreh- und Angelpunkte des Film-Noir-Kinos nicht mal ansatzweise begriffen hatten. Kiss of Death wirkt seelenlos routiniert, ein Film, der zu Teilen wie ein verspäteter Thriller der Achtziger daherkommt, unausgegoren und nicht auf Haltbarkeit angelegt. Für Kenner des Originals erweist er sich letztlich als vollkommen überflüssig.
 
Gute deutsche DVD-Ausgabe (2002) der Twentieth Century Fox Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise die deutsche, englische oder spanische Tonspur, dazu Englisch, Deutsch, Spanisch als Untertitel, den Kinotrailer, ein kurzes Featurette und ein paar Interviews als Extras.
 

Neo Noir | 1995 | USA | Barbet Schroeder | Alex Stevens | David Caruso | Michael Rapaport | Nicolas Cage | Paul Calderón | Philip Baker Hall | Samuel L. Jackson | Ving Rhames

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