Teufel in Blond

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Bewertung
**
Originaltitel
The Flanagan Boy / Bad Blonde
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Barbara Payton, Tony Wright, Sidney James, Frederick Valk, John Slater

Regie
Reginald Le Borg
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Bild
 
London: Auf einem Rummelplatz betreibt der ehemalige Boxtrainer Sharkey (Sidney James) eine Bude, wo er Herren aus dem Publikum gegen zwei, drei seiner Profiboxer antreten lässt. Wer bis zur dritten Runde durchhält, erhält 5 englische Pfund. Heute Abend meldet sich der Matrose Johnny Flanagan (Tony Wright), der diese Herausforderung nicht nur annimmt, sondern sie besteht. Nicht zuletzt weil er in Gesellschaft von Sharkeys altem Kumpel, Sportmanager Charlie Sullivan (John Slater) auftaucht, wittert Sharkey, dass er hinters Licht geführt wurde. Zu dritt gehen sie in einen Pub und Sullivan stellt Johnny Flanagan als großes Boxertalent vor. Aber Sharkey ist nicht angetan von der Idee, Flanagan zu trainieren und seine sichere Existenz als Schausteller aufgeben zu sollen. Doch als Charlie Sullivan den Boxpromoter Giuseppe Vecchi (Frederick Valk) erwähnt und versichert, dass jener stets in England lebe, willigt er ein. Zu dritt besuchen sie den reichen Geschäftsmann, der sich aus dem Boxgeschäft allerdings zurückgezogen hat. Hintergrund ist seine Heirat mit der um Jahrzehnte jüngeren, in den USA als Miet-Tänzerin in einer Tanzhalle tätigen Lorna (Barbara Payton), die just aus dem Schlafzimmer kommend sich zu der Herrenrunde gesellt. Giuseppe Vecchi ist enorm stolz auf seine Ehefrau, die ihrerseits ein Auge auf den athletischen Boxer wirft, der davon ebenso angezogen wie verunsichert ist. Giuseppe lässt sich von den Besuchern schließlich überreden, Flanagan zum Profiboxer aufzubauen. Es wird verabredet, dass man im Landhaus des Ehepaares Vecchi ein Trainingscamp einrichtet…
 
Man nehme mehrere Esslöffel Kid Galahad (USA 1937), darin Edward G. Robinson als italienischstämmiger Boxpromoter Nick Donati glänzte, und rühre reichlich Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt (USA 1946) hinzu, darin Lana Turner im Badekostüm zu locken wusste, und man erhält Teufel in Blond. Dabei ist es nicht der holprige Verlauf der Geschichte selbst, die solche Zutaten nur unzureichend miteinander kombiniert, oder die wenig charakteristische Kameraarbeit oder die lahme Regie, die diesen B-Film gegen die Wand fahren. All das ließe sich verschmerzen und weite Teile der Produktion sind im Mittelfeld eines zwar altbackenen und flachen, doch allemal unterhaltsamen Standards angesiedelt. Das fehlende Talent des Darstellers Tony Wright und das ungebremste Overacting Frederick Valks, der seinen Giuseppe Vecchi bis zur Karrikatur überzeichnet, kennzeichnen diesen Film Noir zweiter Ordnung allerdings als Flop. Barbara Payton ist solide als Femme fatale, Sidney James ist immer gut und auch John Slater erweist sich als versierter Darsteller in diesem Werk, aber das ist nur die halbe Miete. Es bleibt rätselhaft, wie Produktion und Regie die absurde Interpretation des Giuseppe Vecchi durchgehen lassen konnten. Insofern er sich pausenlos als Knallcharge und nie als seriöser Geschäftsmann präsentiert, erweist sich seine Heirat mit Lorna als noch viel unglaubwürdiger als die von Nick Smith mit Cora in Tay Garnetts Im Netz der Leidenschaften / Die Rechnung ohne den Wirt. Zudem scheint er nie arbeiten zu müssen, das Geld fließt von selbst, stattdessen ist der Mann am liebsten betrunken – ein für Italiener inadäquates Verhalten! – und merkt vom Verhältnis seiner Frau mit dem Boxer rein gar nichts, ist doch Vecchi die Eifersucht geradezu fremd. Spätestens nach der ersten Hälfte fällt die Handlungslogik von Teufel in Blond wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
 
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© VCI Entertainment
 
Bemerkenswert ist das Ende des Films, wo Schuld und Sühne dank eines mutwillig platzierten Inidizienbeweises in ihr Recht treten, ohne dass der Verursacher dessen für die fragliche Schuld der betreffenden Person selbst einen Beweis hätte. Er kann lediglich vermuten, dass diese am Tod einer anderen eine Mitschuld trägt, weiß es aber nicht. Dem Zuschauer gegenüber stellt der Film diese Art der „Lynchjustiz“ nicht in Frage, sondern lässt es vielmehr so aussehen, als sei der Gerechtigkeit zuletzt Genüge getan worden. Anthony Kimmins’ Der Täter fährt nach Norden (UK 1952) bot einen im umgekehrten Sinne ambivalenten Schluss, indem es den Schuldigen – einen sonst rechtschaffenen Bürger – dank eines Zufalls davonkommen lässt. Aber nicht moralinsauer sondern gerade dadurch umso dunkler und fragwürdiger erweist sich das. Demgegenüber ist Teufel in Blond ein großteils fader Cocktail mit jenem Schuss Film Noir, der sich weit besseren Vorbildern verdankt. Auch für hartgesottene B-Film-Freunde nicht zu empfehlen.
 
Bildtechnisch gut restaurierte DVD-Ausgabe (2006) der VCI Entertainment, in den USA erschienen und codefree, die als Hammer Film Noir Double Feature Vol. 1 im Doppel mit Erpresserin (UK 1953) erhältlich ist, jeweils unter den US-Titeln Bad Blonde bzw. Man Bait. Ungekürzt im Originalformat mit einem gut verstehbaren englischen Ton und einem Audiokommentar von Filmhistoriker Richard M. Roberts plus Bildergalerien mit Standfotos und Filmpostern.
 

Film Noir | 1953 | UK | Reginald Le Borg | John Slater | Sidney James | Barbara Payton

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