Cyclo

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Bewertung
*****
Originaltitel
Xich lo
Kategorie
Neo Noir
Land
VIE/FRA/HK
Erscheinungsjahr
1995
Darsteller

Le Van Loc, Tony Leung Chiu Wai, Tran Nu Yên-Khê, Nhu Quynh Nguyen, Hoang Phuc Nguyen

Regie
Tran Anh Hung
Farbe
Farbe
Laufzeit
124 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
 
Saigon, Vietnam: Der Rikschafahrer oder eben Cyclo (Le Van Loc) lebt zusammen mit seiner kleinen Schwester (Pham Ngoc Lieu), seiner älteren Schwester (Tran Nu Yên-Khê) und mit dem Großvater (Le Kinh Hu) in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die Kleine putzt auf der Straße Schuhe, die Ältere studiert und hilft als Köchin und der Großvater repariert Autoreifen, wozu er körperlich kaum noch fähig ist. Vater und Mutter sind tot und die Rikscha des Cyclos gehört der Madam (Nhu Quynh Nguyen) aus dem Stadtteil Cholon, wie der Cyclo einem Staatsbeamten (Gia Khoan) erklärt, als er er für sich und seine Familie ein Darlehen beantragt, das die Regierung armen Familien gewährt, damit sie auf ehrliche Weise ihren Verhältnissen entwachsen können. Aber während der Cyclo auf den Straßen Saigons seinen Lebenunterhalt verdient, gerät er in Konflikt mit anderen, die in ihren Vierteln den öffentlichen Transport von Menschen und Gütern kontrollieren. Eines Tages wird dem Cyclo auf offener Straße sein Gefährt gestohlen, und von Helfern der Diebe wird er sogar zusammen geschlagen. Tief in der Schuld der Madam, die über den Vorfall Stillschweigen bewahren möchte, übergibt diese den Cyclo dem Poeten (Tony Leung Chiu Wai), einem Gangster und zugleich Liebhaber der Madam. Wovon der Cyclo nichts weiß, ist das Verhältnis, in dem seine ältere Schwester zu dem Mann steht. Und im Übrigen ist sein eigenes Schicksal keineswegs so von Zufällen bestimmt, wie ihm das in seiner Unwissenheit erscheinen mag…
 
Auf den Filmfestspielen in Venedig erhielt Cyclo, der zweite Spielfilm des vietnamesischen Autors und Regisseurs Tran Anh Hung, im Jahr 1995 den Goldenen Löwen als Preis für den besten Film. Asiatisches Kino verzeichnete in jenen Jahren einen Boom – mit den Regisseuren John Woo (The Killer, HK 1989) und Wong Kar-wai (Fallen Angels, HK 1995) aus Hongkong oder auch Takeshi Kitano (Sonatine, JPN 1993) aus Japan. Die Entwicklung des vom Film Noir beeinflussten Thrillerkinos führte sogar zum Begriff Hongkong Noir, aber mit Tran Anh Hung und später dem thailändischen Regisseur Pen-El Ratanaruang (Leben nach dem Tod in Bangkok, THA 2003) zeigten sich weitere, überraschend entwickelte Varianten des Neo-Noir-Dramas in asiatischen Metropolen. Neben den exzellenten Darstellern spielt in Cyclo noch jemand eine Hauptrolle – die Millionenstadt Saigon, offiziell seit 1976 Ho-Chi-Minh-Stadt, eine chaotische, lärmende und schweißtreibende Metropole zwischen Verfall und Poesie. Deren Inszenierung seitens der Regie und seitens des französischen Kameramanns Benoît Delhomme ist grandios, zumal Cyclo vollständig in Tran Anh Hungs Heimatstadt gefilmt wurde, für alle Beteiligten eine Herausforderung. Hier blickt der Zuschauer durch geöffnete Fenster und Balkontüren hinab in die Gassen und auf den Verkehrsstrom, indessen hinter verschlossenen Türen die Schuldigen und die (noch) Unschuldigen ihren Geschäften nachgehen. Die Grenzen zwischen Innen und Außen sind dünn, allerorten pulsiert das Leben und es gibt Cyclo einen beizeiten semidokumentarischen Charakter – nur eine Stärke eines Films, der jedwedem Inszenierungsklischee à la Hollywood nicht ansatzweise nahe kommt.
 
Ein dezidiert langsames Erzähltempo, eine hoch ästhetische und innovative Bildsprache und mitunter schonungslose Gawaltszenen – all das zeichnet Cyclo als einen Vertreter des asiatischen Neo Noirs der 90er Jahre aus. Insofern ist festzuhalten, dass es mit Sicherheit kein Film für den vom Hollywoodkino à la Tarantino geprägten Zuschauer ist, denn Schablonen einer stereotypen Filmunterhaltung gibt es hier nicht. Cyclo verlangt dem Zuschauer Aufmerksamkeit und Ruhe ab, zudem fordert er ihn mit einer Gewalt, die sowohl unmotiviert gesichtslos als auch perfide realistisch ist. Hier gibt’s keine Hinrichtung von Bösewichten, die der Zuschauer auskosten darf, keine Akte eines Mainstreamkinos fürs Popcornpublikum – die Gewalt in Cyclo ist stets schmutzig und fies. Der Laiendarsteller Le Van Loc, im wirklichen Leben Lastwagenfahrer, ist  für die Rolle des Cyclos perfekt gewählt; das Ensemble großteils vietnamesischer Darsteller plus Tony Leung Chiu Wai (Infernal Affairs – Die achte Hölle, HK 2002) aus Hongkong harmoniert bis in letzte Details. Obwohl mit Preisen bedacht und ein Erfolg bei der internationalen Kulturkritik hat Cyclo seinem Autor und Regisseur Tran Anh Hung nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Im Ganzen drehte er seit 1993 fünf Spielfilme, mit der viel beachteten Verfilmung von Haruki Murakamis Roman Naokos Lächeln (JPN 2010) als dem bis dato letzten.
 
Exzellente deutsche DVD-Ausgabe (2008) der Galileo Medien AG, Potsdam-Babelsberg, im Digi-Pack und mit dem Film bildtechnisch einwandfrei und ungekürzt im Originalformat, die deutsche und die original vietnamesische Tonspur plus deutsche Untertitel, dazu noch ein achtseitiges Booklet.
 

Neo Noir | 1995 | International | Tran Anh Hung | Tony Leung Chiu Wai

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