Color Of Night

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Bewertung
**
Originaltitel
Color Of Night
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1994
Darsteller

Bruce Willis, Jane March, Rubén Blades, Lesley Ann Warren, Scott Bakula

Regie
Richard Rush
Farbe
Farbe
Laufzeit
135 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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New York: Michelle (Kathleen Wilhoite) begibt sich zu einer Sitzung mit ihrem Psychotherapeuten Bill Capa (Bruce Willis) in dessen nobles, hoch in einem Wolkenkratzer geleges Behandlungsstudio. Aber nach einer Intervention Capas springt die Frau durchs Panoramafenster und landet tief unten auf dem Asphalt, wo sich eine Blutlache um die Tote ausbreitet, deren Rot vor Capas Augen mehr und mehr verschwindet… Der traumatisierte Capa begibt sich zu seinem älteren Kollegen Ashland (Jeff Corey), der ihn wegen seiner akuten Rot-Blindheit und den Nachwirkungen des Schocks berät. Bill Capa möchte nach Los Angeles fliegen und seinen erfolgreichen Freund aus Studientagen, den Psychotherapeuten und Buchautor Bob Moore (Scott Bakula) aufsuchen. Dort angekommen, wird er in Bobs luxuriöser Praxis gleich dessen fünfköpfiger Therapiegruppe vorgestellt, an deren Sitzung Capa nicht teilnehmen will, zu der ihn Moore jedoch nötigt. Mit der nymphomanen, beziehungsgestörten Sondra (Lesley Ann Warren), dem Zwangsneurotiker Clark (Brad Dourif) und vor allem mit dem schizophrenen Ritchie Dexter hat sich dort eine bemerkenswerte Truppe versammelt. Auf dem Weg zu seiner Luxusvilla am Stadtrand lässt Bob den Kollegen wissen, dass es ihm als Alleinstehenden nach seiner Scheidung inzwischen gut gehe und er eine bezaubernde, junge Freundin habe. Aber Capa staunt vor allem wegen der Sicherheitsvorkehrungen, mit denen Bob Moore seine Villa versah, seit er von unbekannter Hand Morddrohungen erhält, die er mit der Therapiegruppe des heutigen Abends in eine Verbindung bringt…
 
Sofort nach Kinostart ergossen sich eimerweise Spott und Häme über diesen markanten Filmflop der Neunziger - für Regisseur Richard Rush und für Hauptdarstellerin Jane March das Ende ihrer Hollywoodkarrieren. Aber damit traf es die Falschen. Fast 20 Jahre nach Produktion wird deutlich, dass vor allem das Drehbuch aus der Feder Billy Rays und Matthew Chapmans und die fehlenden Schauspielqualitäten eines Bruce Willis' dem Film den Garaus machen. Über Color Of Night lässt sich nämlich – ungeachtet seiner Zwei-Sterne-Bewertung hier – auch Positives sagen. Rubén Blades, Brad Dourif und Lance Henriksen sind hervorragend und lassen ihre Charaktere schillern. Die Aufregung um die Sexszenen ist “Made in USA“, denn die nehmen in 135 Minuten zusammen etwa 6 Minuten ein und bewegen sich auf dem Niveau europäischer Mainstreamfilme aus den Siebzigern. Nein, das Problem ist die Geschichte, eine banale Flickschusterei aus längst bekannten Elementen. Seinerzeit gab es nämlich Paul Verhoevens Neo Noir Basic Instinct (USA/FRA 1992), der sich als Nachfolger von Heißblütig – Kaltblütig / Eine heißkalte Frau (USA 1981) und Fatal Attraction (USA 1987) mit freizügigen Sexszenen zum Skandalerfolg und zum Kultthriller gemausert hatte. Also versuchten nun Andere, die aus dem Käfig gelassene Erotik von Film Noirs wie Frau ohne Gewissen (USA 1944) oder Gilda (USA 1946) im modernen Gewand auferstehen zu lassen. “You have to look at it by the standards of the short-lived subgenre of erotic thrillers, the retarded horndog cousin of the film noir”, schlussfolgert Justin Robinson für The Satellite Show. “Worst of all, these romance scenes are narrated by Capa, in cliche-ridden, hopelessly hokey "film noir" style”, heißt es bei Musings from the Movie Man.
 
Das hoffnungslos Klischeehafte entsteht, weil Bruce Willis überhaupt nicht in der Lage ist einen Film-Noir-Charakter zu spielen. Willis kann bestenfalls Typen darstellen – den Boxer, den Rächer, den Cop, usw. Für einen Charakter fehlt ihm so ziemlich alles. Selten sah ich jemanden so fehlbesetzt wie Willis als erfolgreicher New Yorker Psychoanalytiker Bill Capa, der nicht nur in eine Lebenskrise sondern in einer ihm fremden Stadt auch in undurchschaubare Machenschaften hinein gezogen wird. Auch Scott Bakula überzeugt als Therapeut und Capas Freund Bob Moore nicht, zumal es beiden mit den Vorgaben des Skripts schwer gemacht wird und ihr Auftreten im Kreis von Klienten peinlich unprofessionell wirkt. In Basic Instinct gibt es ebenfalls zwei diplomierte Psychologinnen, die miteinander studiert hatten, eine von ihnen steinreich und eine muss im Verlauf des Films dran glauben… Solche Ähnlichkeit ist auffällig, zumal auch eine Autojagd in Basic Instinct vergleichbar inszeniert war, nur dass in Color Of Night nicht der ermittelnde Cop in Bedrängnis gerät, sondern Bill Capa, jener Therapeut in einer Lebenskrise. Die Summe der unlogischen Wendungen kreiert eine immer größere Farce, das Finale ist mit seinem vermeintlichen Überraschungsmoment fast schon grotesk. Ausgerechnet für Bruce Willis wurde all das jedoch nicht zum Problem, er gilt bis heute international als ein "Filmstar“.
 
Die deutsche DVD-Ausgabe (1998) der Universum Film GmbH bietet ein sehr gutes Bild, sie ist ungekürzt und im Originalformat, beinhaltet aber bloß die deutsche Tonspur und weder Untertitel noch nennenswerte Extras.
 

Neo Noir | 1994 | USA | Richard Rush | Dietrich Lohmann | Brad Dourif | Bruce Willis | Jeff Corey | Lance Henriksen | Rubén Blades | Kathleen Wilhoite

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