Razzia in Paris

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Bewertung
***
Originaltitel
Razzia sur la chnouf
Kategorie
Film Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Jean Gabin, Marcel Dalio, Lino Ventura, Albert Rémy, Magali Noël

Regie
Henri Decoin
Farbe
s/w
Laufzeit
101 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Am Flughafen von Orly trifft Henri Ferré (Jean Gabin) aus New York ein und lässt sich mit einem Taxi nach Paris, ins dortige Hotel Napoléon fahren. Noch vom Flughafen aus benachrichtigt Inspektor Decharme (Alain Nobis) Kommissar Fernand (Paul Frankeur), der Inspektor Leroux (Pierre-Louis) zu Ferrés Beschattung einsetzt. Tatsächlich verlässt der Ankömmling das Hotel wieder und findet sich beim Pariser Drogenbaron Paul Lisky (Marcel Dalio) ein. Lisky hat Ferré auf Empfehlung nach Paris bestellt, weil er für sein hiesiges Drogenkartell einen Geschäftsführer benötigt, nachdem Ferrés Vorgänger Le Bosco zu mächtig und zu gierig geworden war. Jetzt herrschen Revierkämpfe und Laxheit, die laut Lisky nach einer harten und erfahrenen Leitung verlangen, zumal er mit der Geschäftsbeziehung auf den Balkan, woher das Rohopium geliefert wird, mehr als zufrieden ist…Auf dem verzweigten Gleiskörper in Paris reinigt Emile Lourmel (Jean Sylvère) den Fernzug Belgrad-Paris, bevor er aus der Toilettenkabine eines Waggons mehrere Päckchen Opium hervorholt. Mit diesen betritt er ein Bistro, wo er sich im Hinterzimmer mit einem Mittelsmann (Auguste Le Breton) trifft, der das Opium an sich nimmt und Lourmel bezahlt. Doch der will mit dem kriminellen Leben aufhören, wovon ihm Ferré, der plötzlich neben ihm sitzt, jedoch dringend abrät. Einige Tage später treffen sich Roger le Catalan (Lino Ventura) und Bibi (Albert Remy) im Nachtclub Troquet erstmals mit dem nun mächtigen Henri Ferré…
 
„Französischer Film Noir mit harschem Realismus und angenehm ruppigem Tonfall“, schreibt Tillmann Allmer in seinem Blog Pro2koll. Und das ist sicher richtig. Es gibt ein kontraststarkes Schwarzweiß in diesem für seine Zeit harten und nachtschwarzen Thriller. Es gibt dubiose Charaktere, die ein doppeltes und dreifaches Spiel spielen, und hübsche Frauen wie die Kellnerin Lisette (Magali Noël). Zudem folgte Henri Decoins Razzia in Paris Jacques Beckers ebenso grandiosem wie auch erfolgreichem Film Noir aus dem Jahr 1954, der Jean Gabin und Lino Ventura erstmals als Kontrahenten in der Pariser Unterwelt in Szene setzte: Wenn es Nacht wird Paris (1954) war nicht nur Lino Venturas Schauspieldebüt, der einige Jahre zuvor (1950) Europameister im Ringen geworden war, sondern brachte auch Jean Gabin den ersten signifikanten Filmerfolg seit Ende des Zweiten Weltkriegs. So erschien folgerichtig, Gabin und Ventura, den wiederum Gabin potégierte, erneut in einem dunklen Kriminaldrama auf die Leinwand zu bringen. Razzia in Paris war genau wie der im gleichen Jahr von Exilant Jules Dassin inszenierte Rififi (1955) die Verfilmung eines Romans Auguste Le Bretons, der hier sogar einen Cameo-Auftritt hat. Allerbeste Voraussetzungen für einen erstklassigen Film Noir aus Frankreich, zumal Henri Decoin mit Zwischen 11 und Mitternacht (FRA/ITA 1949) hierin schon Erfahrung gesammelt hatte.
 
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© Universum Film GmbH 
 
Doch Razzia in Paris ist großteils ein routinierter Aufguss von allzu Bekanntem. Kaum ist die im Vordergrund stehende semidokumentarische Exploration des Pariser Drogenmilieus überhaupt von historischem Wert. Vor allem findet der Film zu keiner konsistenten Erzählung und bringt zu viele Nebenfiguren, die allesamt blass bleiben. Auch Jean Gabin wirkt allzu müde und steif im Repertoire seiner pointierten Mimik und Gestik, um dem Streifen über die Maßen Leben einzuhauchen. Zwar liefern die Akteure und die Leute hinter der Kamera eine im Ganzen solide Vorstellung ab, - alle nächtliche Szenerien sind atmosphärisch stimmig - aber derlei Solidität kann nicht über die mangelnde Tiefe der Charaktere und das zähe Voranschreiten der Handlung hinweg täuschen. Zu keinem Zeitpunkt ist man an den diversen Problemen im rundum luxuriösen Leben Henri Ferrés wirklich interessiert - gar zum Mitfiebern reicht es vorn und hinten nicht. Herrlich absurd ist Ferrés Beziehung (Gabin wirkt mit 50 Jahren schon alt) mit der 22jährigen Lisette, die dem ollen Schwerenöter schmachtend in die Arme sinkt… Zudem ist die deutsche Altsynchronisation schlicht grauenhaft. Wer kann, schaut sich den Film auf Französisch an, Untertitel bietet die deutsche DVD-Ausgabe von Universum Film nämlich keine, und eine ernsthafte Alternative dazu gibt es nicht. Wer den Film nicht sieht, hat nichts verpasst. Trotz einer erstklassigen Besetzung hat das französische Film-Noir-Kino jener Jahre viel, viel Besseres zu bieten, allem voran sowohl Wenn es Nacht wird in Paris (1954) als auch Rififi (1955).
 
Bildtechnisch hervorragend restaurierte DVD-Ausgabe der Universum Film GmbH, München, im Rahmen des 3DVD-Box-Sets Lino Ventura No. 3 - Thriller Box (2006), ungekürzt und im Originalformat, mit wahlweise deutscher oder französischer Tonspur, doch mit einer Inhaltsangabe auf der Rückseite des Pappschubers, die die Pointe des Filmendes vorwegnimmt.
 

Film Noir | 1955 | France | Henri Decoin | Auguste Le Breton | Lino Ventura | Jean Gabin | François Joux | Albert Rémy | Paul Frankeur

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