As Tears Go By

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Wong gok ka moon
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
1988
Darsteller

Andy Lau, Maggie Cheung, Jacky Cheung, Alex Man, Ronald Wong

Regie
Wong Kar Wai
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Kowloon, Hongkong: Eines Vormittags erhält der tief schlafende Kleingangster Wah (Andy Lau) einen Anruf von einer Tante, die auf der Insel Lantau lebt. Seine Cousine Ah Ngor (Maggie Cheung), Kellnerin in einem dort ansässigen Restaurant, käme nach Kowloon gefahren. Sie muss sich hier in einem Krankenhaus untersuchen lassen und sie würde bei ihm nächtigen. Kurze Zeit später klingelt es an der Tür. Die Cousine kommt herein, doch der Ganove, der zusammen mit seinem Kumpanen Fly (Jacky Cheung) Schutzgelder für seine Triade, eine mafiaähnliche Organisation Hongkongs, eintreibt, geht wieder ins Bett und schläft den Tag hindurch. Cousine Ag Ngor hat indessen Fly mehrfach am Telefon. Erst am Abend trifft sich Wah mit ihm, nachdem es Fly nicht gelungen war, von Fat Carl (To-hoi Kong) die geforderte Summe an Schutzgeld einzutreiben. Wah lässt sich nicht hinhalten, hält dem Gauner eine zerbrochene Bierflasche an die Halsschlagader und erhält die geforderte Summe sofort. Später trifft er sich in einer Diskothek mit seiner Freundin Mabel (Ang Wong). Sie gibt ihm nach 6 Jahren Beziehung und einer just überstandenen Abtreibung endgültig den Laufpass. Als Wah in der Nacht betrunken nach Hause kommt, wartet dort Ah Ngor und möchte wissen, was mit ihm los sei. Aber als sie ihm zur falschen Zeit die falsche Frage stellt, muss sie erkennen, dass Wah keinesfalls harmlos ist…
 
Ich bewerte den Film mit 4 Sternen, obwohl eine Entscheidung für 3 Sterne auch vertretbar wäre. Einerseits gibt es einen Subtext, nicht nur die gut gespielte Liebesgeschichte zwischen Wah und Ah Ngor, sondern auch einen, der Gesellschaftsstrukturen bloßlegt und welcher As Tears Go By aus den Konventionen des Gangsterfilms Made in Hong Kong zu einem Vertreter des Neo-Noir-Kinos erhebt. Andererseits dümpelt der Film meist in den Stereotypen und Klischees des John-Woo-Kinos vor sich hin, wo die Rivalität unter Gangstern mit und ohne Herz das individuelle Heldentum herausfordert. Wenngleich es kein großartiges Schauspiel gibt, sind die beteiligten Akteure durch die Bank stimmig. Vor allem ist auch die Chemie zwischen Wah und Ah Ngor in ihrer Entwicklung überaus glaubwürdig. Die Freundschaft zwischen Wah und Fly erweist sich als zweite treibende Kraft der Filmhandlung. Auch sie bleibt in der Beziehung der Charaktere bis zum Ende konsequent. Neben seiner Dramaturgie überzeugt der Erstling des asiatischen Regiestars Wong Kar Wai bereits durch eine innovative und eigenwillige visuelle Gestaltung. Seine Bilderwelten sind seine Stärke, zumal sie in As Tears Go By – im Gegensatz zum überbewerteten und eher substanzlosen Chungking Express (HK 1994) – nie über die Geschichte dominieren wollen. Leider gibt es in As Tears Go By reichlich actionlastiges Genrekino, darin viele Charaktere sich als typische Blaupausen des Hongkong-Kinos entlarven, die einen im Gegensatz zu Wah, Fly und Ah Ngor dann völlig kalt lassen. Interessant ist der Pate, der nicht als furchteinflößende, physisch mächtige Autorität in Schwarz mit Pilotenbrille erscheint. Nein, der Pate, dem sich die jungen Triadengangster allesamt unterordnen, hat die Ausstrahlung eines Kioskbesitzers oder Bankangestellten. Er ist ein vollends unauffälliger, spießig gekleideter Mittelständler um die fünfzig mit Bauch.
 
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© Alamode Film
 
Gehörig angestaubt wirkt die Musik dieses Films – sowohl die synthetischen Klänge, die als Klangteppich den Film zu sehr und zu oft untermalen als auch die in einigen Szenen als Stilelement genutzte Popmusik der Achtziger. Wenn sich Wah auf der Insel Lantau in den Bus setzt, um zu Fly zu fahren und ihm zu helfen, wird dieser Abschied von Wah und Ah Ngor in Bildern dokumentiert, die darstellerisch und stilistisch einen Höhepunkt des Films kreieren. Doch schon zerstört ein Popsong, der diese Szene zu einem infantil pathetischen Musikvideo runter putzt, die Stärke solchen Eindrucks. Ähnlich waren auch Quentin Tarantino und David Lynch stets vom Zeitgeist beeinflusst. Deren Filme bieten aufgrund ihrer Popmusik oft ebenfalls Gründe zum Fremdschämen, sobald der Zahn der Zeit uns die Lieder im Kontext - bei Lynch und Tarantino ganz konventionell als akustische Geschmacksverstärker eingesetzt! - so richtig als gestrig wahrnehmen lässt. Nur wenige Regisseure heben sich in ihrer bewussten Nutzung populärer Musik in ihren Werken ab, etwa Carl Franklin mit seinem Ragtime und Blues in Teufel in Blau (USA 1995). As Tears Go By kann man sich anschauen. Der Film ist kein so übler Neo Noir asiatischer Prägung, er ist aber keinesfalls zwingend. Ohne den Namen seines Regisseurs wäre er nur einer in der Legion von Gangsterfilmen aus dem Hongkong jener Jahre.
 
Sehr gute DVD-Edition von Alamode Film (2006) im Pappschuber, der allerdings bloß Front- und Rückseite des inneren Covers wiederholt: bildtechnisch topp im Originalformat und ungekürzte 95 Minuten, Tonspuren auf wahlweise Deutsch oder Kantonesisch mit optional deutschen Untertiteln. Extras gibt es keine.
 

Neo Noir | 1988 | International | Wong Kar Wai | Andy Lau | Maggie Cheung

"Doch schon zerstört ein Popsong, der diese Szene zu einem infantil pathetischen Musikvideo runter putzt, die Stärke solchen Eindrucks."

Das ist nicht irgendEIN Popsong sondern die Coverversion "Take my breath away" von Sandy Lam. Dieser Song ist ein stilbildendes Sinnbild seiner Zeit und hatte noch 1990 mit "Top Gun" eine Neuauflage erhalten. Nun mag man Cantopop, allgemein China-Pop, gerne als kitschig-süß abkanzeln, aber zu einer 80er-Triaden-Love-Story passt sowas wie die Faust auf´s Auge. Zumindest bei mir läuft diese Sandy-Lam-Version auch heute noch regelmäßig im Auto als Reminiszenz an die "gute", alte Zeit.

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