Crime Against Joe

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Bewertung
***
Originaltitel
Crime Against Joe
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

John Bromfield, Julie London, Henry Calvin, Patricia Blair, Joel Ashley

Regie
Lee Sholem
Farbe
s/w
Laufzeit
70 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© United Artists Corporation

 

Nachdem Joe Manning (John Bromfield) im Koreakrieg als Soldat diente, lebt er in der heimatlichen Kleinstadt inzwischen wieder bei seiner verwitweten Mutter Nora (Frances Morris) und versucht sich als Kunstmaler. Er ist unzufrieden mit sich und mit seinen Fortschritten, die den eigenen Ideen und Ansprüchen nicht gerecht werden. Mitunter neigt der Einzelgänger, der sich einem regulären Job verweigert, zum Trinken. Am heutigen Abend erreicht er schwer angetrunken den Drive-In Diner, wo seine Bekannte Frances „Slacks“ Bennett (Julie London) ihm Kaffee serviert… Indessen hat sich Gloria Wayne (Joyce Jameson) schreiend aufs Polizeirevier des Ortes geflüchtet, wo sie den Beamten erzählt, dass ein Irrsinniger sie versucht habe umzubringen. Leider kann sie ihn nicht identifizieren, da sie ihn kaum sehen konnte und schließlich in Panik floh. Als Joe aus seinem Cabriolet steigt und zur Telefonzelle geht, hat er beschlossen dem Rat von “Slacks“ zu folgen und seinen Wagen stehen zu lassen. Er ruft bei Citizens’ Taxi an und lässt seinem Kumpel Red Waller (Henry Calvin) sagen, wo er sei und dass er ein Taxi brauche. Als er die Telefonzelle verlässt, ist es Detective Sgt. Hollander (Rober Keys), der ebenfalls telefonieren möchte und den Joes Zustand eher amüsiert. Waller ist überrascht, seine Flamme “Slacks“ so vertraut mit Joe zu sehen, der in seiner Trunkenheit darüber Witze reißt, bevor er sich ins Pango Pango, den Nachtclub der Ortschaft, kutschieren lässt, wo heute die Sängerin Irene Crescent (Alika Louis) auftritt…

 

“Crime Against Joe is one of those low-budget, obscure B-movies that actually is a lot more interesting than you might think”, schreibt Lisa Marie Bowman für Through the Shattered Lens und sie liegt damit richtig. Von einem Film Noir aus dem Jahr 1956, dessen Regisseur seine B-Produktion in fünf Tagen abdrehte und darin außer der seinerzeit populären Sängerin Julie London (The Red House, USA 1947) nur Darsteller aus der zweiten und dritten Reihe auftreten, werden keine Erwartungen geweckt. Vor diesem Hintergrund schneidet Crime Against Joe gar nicht so übel ab. Aber trotz einer Spielzeit von nur 70 Minuten erweist sich Crime Against Joe nach den ersten 10 Minuten als etwas zäh, bis sich die Situation konturiert hat und Joes und Slacks Hatz nach dem wahren Serienmörder ihrer Kleinstadt beginnen kann. Nicht alle Darsteller sind auf dem Niveau, das ein Kinofilm verlangt. So ist Frances Morris als Nora Manning zwar keineswegs unsympathisch, aber auch deutlich untalentiert, und Morgan Jones ist als Rechtsanwalt Luther Woods keinen Deut besser. Doch mit Addison Richards und Mauritz Hugo hat Sholem für seinen B-Film zwei verdiente Nebendarsteller an Bord, die solche Scharte zumindest teils wettmachen. Der Kameramann William Margulies stand hier im ersten Jahr seiner Karriere und Crime Against Joe war sein erster Kinofilm. Dass jener wie die Episode einer TV-Serie aussieht, verwundert nicht, denn abgesehen von fünf Tagen Drehzeit schuf Margulies in den nächsten 20 Jahren Fernsehfutter am Fließband. In der Mitte der 50er Jahre war das Fernsehen längst auf dem Vormarsch und für so einen Schnellschuss für ein Doppelprogramm war nichts so überflüssig wie ein Stil in der Bildsprache - ein wie auch immer gearteter Ausdruck der Form.

 

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© United Artists Corporation

Was in Crime Against Joe überzeugt, ist die Reaktion von Freunden, Nachbarn und Bekannten, die sich alle von Joe Manning und dessen Mutter abwenden, sobald Joe als Hauptverdächtiger in einem Mordfall erscheint. Nora bekommt keinen Anwalt, der ihren Sohn verteidigen will; der ehrenwerte und angesehene Philip Rowen (Joel Ashley) lügt aus Angst über seine Reputation. über den Verbleib seiner Tochter Christine (Patricia Blair) in der Mordnacht. Dies steigert sich soweit, dass der Rancher George Niles (Rhodes Reason) gegenüber Slacks handgreiflich wird, als sie wegen eines Beweisstücks zugunsten Joe Mannings Erkundigungen einholt, die auch ihn betreffen. Und der politisch aktive Ralph Corey (James Parnell) stellt seinen ehemaligen Mitschüler auf offener Straße vor potentiellen Wählern bloß, die ihn daraufhin attackieren… Der manipulierbare Mob und eine Polizei, die ihren Bürgern gefährlich statt ihnen zu helfen die Wahrheit zu erkunden - das sind eindeutig die Stärken des Drehbuchs von Robert C. Dennis nach einer Erzählung aus der Feder von Decla Dunning (Die Spur des Fremden / Der Fremde, USA 1946). Doch die Schwächen der hastig zusammen gestückelten Produktion sind unübersehbar - insbesondere jenes lieblose Finale, das nach einem guten Spannungsaufbau rundum enttäuscht. Zehn Jahre früher wäre Crime Against Joe als ein Film Noir sicher besser geraten, 1956 aber war TV-Regisseur Lee Sholem für den Stoff der falsche Mann zur falschen Zeit. Schade! Dieses Werk hätte sich im Fall einer sorgfältigen Umsetzung nochmals  anders in die Analen der Filmgeschichte einschreiben können.

 

Sehr gute DVD (2011) aus der Limited Edition Collection (nur in den USA, allerdings codefree) von Metro-Goldwyn-Mayer mit dem Film bild- und tontechnisch einwandfrei restauriert und ungekürzt im Originalformat, dazu den original englischen Ton, das Ganze ohne Untertitel und ohne Extras.

 

Film Noir | 1956 | USA | Lee Sholem | John Bromfield | Mauritz Hugo | Julie London | Patricia Blair

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