Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
The Shop At Sly Corner / Code Of Scotland Yard
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Oskar Homolka, Derek Farr, Muriel Pavlow, Manning Whiley, Kathleen Harrison

Regie
George King
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild

 


 

The Shop At Sly-Corner-Poster-web4.jpg The Shop At Sly-Corner-Poster-web1.jpg The Shop At Sly-Corner-Poster-web2.jpg The Shop At Sly-Corner-Poster-web6.jpg

 

London: Schon eine Weile wartet Corder Morris (Manning Whiley) an diesem Abend in Sichtweite von Descius Heiss’ (Oskar Homolka) Antiquitätenladen in der Sly Corner. Noch findet im Inneren Hausmusik statt. Die schon erwachsene Tochter des Witwers, Margaret Heiss (Muriel Pavlow), führt ihre fast virtuose Begabung auf der Violine vor und besonders ihr Vater ist angetan. Auch der junge Archie Fellows (Kenneth Griffith), im Laden als Gehilfe angestellt, lauscht andächtig, obwohl er längst Feierabend hat. Da klingelt das Telefon und Descius Heiss nimmt im Nebenzimmer das Gespräch entgegen. Corder Morris meldet ungeduldig an, dass er noch heute Nacht mit ihm zusammenkommen müsse, und Heiss willigt ein. Plötzlich verspielt sich Margaret und ist darüber so außer sich, dass sie sich auf der Stelle in ihr Zimmer zurückzieht. Ihr Vater verabschiedet die Gäste und bugsiert auch Archie zur Tür hinaus, bevor er sich trotz der vorgerückten Stunde noch zu Margarets Lehrmeister Professor Vanetti (Jan Van Loewen) begibt. Er macht ihm Vorwürfe, weil er  heute Abend nicht erschienen sei, doch Vanetti sagt, dass er Margaret nichts mehr beibringen könne und rät zu einem Aufenthalt bei einem Maestro in Paris. Heiss jedoch, gebürtiger Franzose, könne überall auf der Welt leben, so sagt er Vanetti, nur eben in Frankreich nicht. Nach seiner Rückkehr taucht Corder Morris auf, Descius Heiss’ heimlicher Partner. Zwecks Begutachtung breitet jener die Juwelen aus seinem heutigen Raubzug auf dessen Schreibtisch aus…

 

“Highly atmospheric and quite suspenseful, The Shop at Sly Corner is top-notch entertainment”, schlussfolgert Michael F. Keaney in seinem Buch British Film Noir Guide (EA 2010) und hebt besonders die Leistung von Kenneth Griffith hervor. Der Film lebt insgesamt von seinen Darstellern, allen voran ist Oskar Homolka in der Rolle des französischen Emigranten Descius Heiss streckenweise großartig. Auch Derek Farr und der immer zuverlässige Garry Marsh zeigen, was in ihnen steckt. Sehr gut ist zudem der sonst unbekannte Manning Whiley als zwielichtiger und dabei nicht unsympathischer Partner von Descius Heiss, der die Diebstähle verübt, die der gewiefte und trickreiche Antiquitätenhändler in Bargeld zu verwandeln weiß. Die Rolle von Kenneth Griffith, der sich als Ladengehilfe Archie Fellows für weitere Schurkenfiguren empfahl - mit Diana Dors in ihrer ersten Filmrolle als Archies Freundin - ist deshalb bemerkenswert, weil sie für ihre Zeit explizit amoralisch und verkommen erscheint. Sowohl Regisseur George King als auch Kenneth Griffith lassen ihrem Miststück von Übeltäter die lange Leine und es ist ein Vergnügen dabei zuzusehen. Der britische Film Noir der unmittelbaren Nachkriegsjahre erweist sich auch mit Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit als zupackend und in Sachen Dramaturgie und Schauspiel verlässlich. Auch Kameramann Hone Glendinning (Die seidene Schlinge, UK 1948) trägt zum Gelingen bei. Sein London bei Nacht zeigt vielerorts die sinistre Welt des Film Noirs, obgleich die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Edward Percy (EA 1945) über weite Strecken in der Wohnung hinterm Antiquitätenhandel stattfindet, der dem Stück und dem Film seinen Namen gab.

 

The Shop At Sly-Corner-still-web2.jpg The Shop At Sly-Corner-still-web1.jpg The Shop At Sly-Corner-still-web3.jpg

 

Der englische Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit ist eine B-Produktion und man sieht es ihr an. Der 48jährige Produzent und Regisseur George King war seit den 20er Jahren im Filmgeschäft tätig und drehte nach der Edward-Percy-Adaption nur einen einzigen weiteren Film als Regisseur, den Film Noir Forbidden / Scarlet Heaven (UK 1949), der erneut sowohl Garry Marsh als auch Kenneth Griffith als Darsteller listet, zudem Hone Glendinning wieder hinter der Kamera. Der so versiert und auf den Punkt inszenierte Film lief im Gegensatz zu Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit nicht mehr in Deutschland und nach einigen weiteren Jahren als Produzent verschwand King von der Bildfläche. Der gebürtige Wiener Theaterschauspieler Oskar Homolka, der 1934 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aus Berlin nach England und später in die USA emigierte, fand in den 50er und 60er Jahren noch oft Verwendung als Charakterdarsteller, leider nur selten in Hauptrollen. Seinen internationalen Durchbruch hatte er in Alfred Hitchcocks Sabotage (UK 1936) und so stellte ihn das Filmplakat der US-Fassung von Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit stets ohne Schnurrrbart und als 10 Jahre jüngeren Mann dar. Auch der US-Titel Code Of Scotland Yard ist mit Blick auf den Film ein rästselhafter Blödsinn. Für Freunde des englischen Film Noirs ist Fluch der Vergangenheit / Ruf der Vergangenheit eine empfehlenswerte Erweiterung des Kanons, zumal sein Finale das Ganze nochmals rundet.

 

Gute DVD-Edition (2008) der Odeon Entertainment Ltd. in deren The Best of British Collection mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch solide (allerdings nicht brillant) mit dem englischen Originalton ohne Untertitel, dazu ein vierseitiges Booklet inklusive vieler Infos zum Film und zu den daran Beteiligten von Alan Byron.

 


Film Noir | 1947 | UK | George King | Derek Farr | Garry Marsh | Kenneth Griffith | Diana Dors

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.